Kunstzensur sorgt für Diskussionen in Oberhausen

Oberhausen.  Seit bekannt wurde, dass im Technischen Rathaus von Oberhausen Nacktbilder aus einer Gemäldeausstellung entfernt wurden, weil sich Besucher über entblößte Frauenbrüste beschwert hatten, reißt die Flut der Diskussionen nicht ab. Ein Fall von freiwilliger Kunstzensur: Die Stadttochter Oberhausener Gebäude Management (OGM) hatte nur drei Tage, nachdem die Ausstellung mit Gemälden von Maria Mancini eröffnet war, die Malerin gebeten, drei Bilder zu entfernen, die von Besuchern als anstößig empfunden worden seien. Mancini, 1983 in Herborn geboren und ausgebildet an der Kunstakademie in Turin, hat die Bilder daraufhin in ihr Essener Atelier gebracht, sie wollte keine Provokation: „Aber ich war enttäuscht, meine Bilder sind nicht vulgär. Meine Verwunderung galt nicht der Reaktion des Rathauses, sondern der der Bürger.“

Die OGM wollte Rücksicht nehmen auf verschiedene Auffassungen von Kunst im öffentlichen Raum, das Technische Rathaus beherbergt auch die Einwohner-Meldestelle. OGM-Chef Hartmut Schmidt betont, dass sich 30 Besucher in zweieinhalb Tagen beschwert hätten, „aus allen Bereichen und Altersgruppen“, nicht nur aus Einwanderer-Kreisen: „Wir mussten abwägen.“

Die Stadtspitze aber hätte anders entschieden: Oberbürgermeister Klaus Wehling (SPD) hält die Werke für überhaupt nicht anstößig: „Ich hätte die Bilder nicht abgehängt. Die Freiheit der Kunst ist für mich ein sehr hohes Gut“, sagte Wehling. Auch Kulturdezernent und Kämmerer Apostolos Tsalastras (SPD), ein möglicher Nachfolge-Kandidat für Wehling, positioniert sich eindeutig: „Grundsätzlich muss man überlegen, welche Bilder man in ein Rathaus hängt. Aber wenn man sich entschieden hat, eine Ausstellung zu zeigen, dann muss man solche Kritik aushalten“, so Tsalastras. Das sei für ihn ein Teil der künstlerischen Freiheit: „Ich hätte die Bilder weiter gezeigt.“

 
 

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