Kunstmuseum Bochum zeigt „Das raue Gesetz der Gärten“

Blick auf einen „Junkyard“: Der Lehre von Malka Haas folgend regen diese kreativen Müllplätze die Fantasie von Kindern enorm an.
Blick auf einen „Junkyard“: Der Lehre von Malka Haas folgend regen diese kreativen Müllplätze die Fantasie von Kindern enorm an.
Foto: Olaf Holzapfel
Die Ausstellung „The Rough Law of Gardens“ im Kunstmuseum Bochum hat mit herkömmlichen Gärten nichts zu tun - eher mit einem Abenteuerspielplatz.

Bochum.. Über den Tellerrand gucken, fremde Kulturen entdecken und wie das mit aktueller Kunst zusammengeht – das Kunstmuseum Bochum netzwerkt seit Jahren auf hohem Niveau. Ausstellungen zur Kunst Lateinamerikas, zu Buddhismus, Zen und Hinduismus – viele Besucher pilgern wegen dieser besonderen Melange aus Kunst-und Kulturgeschichte in das Haus am Bochumer Stadtpark.

Jetzt steht Kunstpädagogik auf Israelisch im Rampenlicht. Und 50 Jahre deutsch-israelische diplomatische Beziehungen noch dazu. Das Gesamtpaket hat Museumschef Hans Günter Golinski zusammen mit dem Mishkan Museum of Art in Ein Harod und Loushy Art & Projects in Tel Aviv geschnürt.

„Das raue Gesetz der Gärten“, im Original „The Rough Law of Gardens“, gibt das Thema vor. Mit herkömmlichen Gärten allerdings hat das Gezeigte nichts zu tun. Trotzdem taugt der geheimnisvolle Titel den beteiligten Künstlern Olaf Holzapfel und Nahum Tevet als Klammer für ihren auf den ersten Blick höchst splittrigen Ausstellungsreigen.

Künstler, Generationen, Nationen

Zwei Künstler, zwei Generationen, zwei Nationen: Olaf Holzapfel stammt aus Görlitz und wurde 2014 mit dem Gerhard-Altenbourg-Preis ausgezeichnet. Nahum Tevet wuchs im Kibbuz Messilot auf, lebt heute in Tel Aviv und ist als Extremvertreter israelischer Minimal Art bekannt.

Wie kommt das zusammen? Beide Künstler wandeln auf den Spuren einer sehr besonderen Garten-Philosophie. Begründet hat sie die 1920 in Berlin geborene und 16-jährig nach Israel ausgewanderte Malka Haas für Kinder im Vorschulalter. In Bochum ist die 96-Jährige durch ein Video-Interview präsent. Ihre Kinder-Garten-Pädagogik ist berühmt.

Weder Barbie noch Bobby-Car

Die Idee: Zur frühkindlichen Entwicklung braucht es weder Barbie noch Bobby-Car. Ein großer Platz unter freiem Himmel, ein alter Topf, eine kaputte Wassertonne und anderer Sperrmüll, regen Fantasie und Gemeinschaftsgefühl mehr an als Teddy & Co. „Junk­yards“ hat Malka Haas die kreativen Müllplätze genannt. Nahum Tevet wuchs damit auf, Olaf Holzapfel ließ sich davon faszinieren. Und machte eine Ein-Kanal-Projektion draus. Mag der Schrottplatz auch rau anmuten – was dort passiert, ist erfinderisch. Und sagt viel aus über Zusammenhalt, Kooperation, Basis-Demokratie.

Herausgekommen ist kein einfacher Kunstparcours. Arbeit ist angesagt: Wandern im begehbaren Baukastensystem der Groß-Raum-Installation von Nahum Tevet, Intensiv-Guck auf Olaf Holzapfels Video- und Mixed-Media-Arbeiten: Kreativität? Fantasie? Kommunikation? Die Bochumer „Junk­yard“-Ausstellung provoziert wichtige Fragen. Auge und Geist haben fleißig was zu tun.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. Oktober. Am 7. Oktober ist der Eintritt frei. Die Führung an diesem Tag, 17 Uhr, ist gratis.

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