Kunst für morgen zur Rettung des Planeten

Düsseldorf..  Die Spraybanane an der Wand markiert Kunst – aber ein Haufen echter, überreifer Bananen mitten im Museum? Kann das weg? Es kann. Nicht zu Brei werden die Bananen, da können die Zwillings-Babys im Buggy noch so hungrig schauen – sondern zu Bier. Denn Zwillingsmama Jana Pejoska ist als Künstlerin im Raumschiff abgestiegen, um mit „Food Hacking“ ihren Beitrag zu leisten zur Rettung des Planeten. „100 Ideen für eine neue Welt“ will die Schau „Planet B“ bieten: eine Welt, in der Lebensmittel nicht mehr weggeworfen werden, in der die Staatsmacht bunte Kostüme trägt oder Quatsch ein zukunftsfähiger Treibstoff ist. Ideen sind willkommen! (Und Menschen, die Zwillinge im Doppel-Akkord mit Babybrei füttern möchten, auch.)

Spaß als Motor der Erkenntnis

Wenn die finnischen Zwillinge Flijan und Bojan erwachsen sind – wie wird sie dann aussehen, unsere schöne neue Welt? Alternative Ansätze finden sich bereits in den urbanen Kreativzentren weltweit: Das Teilen und nachhaltige Verwenden von Lebensmitteln gehört dazu, das Gärtnern auf dem Grünstreifen vor der Haustür, das Wiederverwerten von Kleidung und Möbeln, das gemeinsame Autofahren, die Büronutzung im Kollektiv. Dies ist der Boden, auf dem „Planet B“ wächst und gedeiht. Nur, dass die Künstler nicht dem Ideal der Umsetzbarkeit oder Nutzbarkeit verpflichtet sind, sondern dem Spaß als Motor der Erkenntnis, dem Quatsch als Antrieb. Im wahrsten Sinne: Das „Quatschmobil“ ist eine Erfindung des Schweizer Konzeptkünstler-Duos „Atelier für Sonderaufgaben“ und nimmt nun auch in Düsseldorf kostenlos Fahrgäste mit – solange diese den Redefluss nicht abreißen lassen. Am besten natürlich im Austausch über Zukunftsvisionen.

Die Schau, für die Museumschef Alain Bieber verantwortlich zeichnet, will Grenzen auflösen – die Kunst in den öffentlichen Raum bringen, aber auch das echte Leben ins Museum. Wechselnde Künstler und Gruppen werden in den kommenden Wochen im Museum wohnen, kochen, diskutieren, arbeiten, werden die Stadt als Kunst-Raum erobern oder zu nächtlichen Expeditionen einladen. Wann, wo? Die Überraschung, heißt es, sei Teil des Konzeptes. Bei all dem frischen, unkalkulierbaren Wind aber gibt es doch Konstanten – Kunst an der Wand und im Raum.

Eric Winklers Polizei-Uniformen etwa, bunte Kostüme, die die Ordnungshüter aus der Anonymität lösen und wieder zu Individuen machen soll. Vielleicht tatsächlich ein Mittel gegen Respektlosigkeit? Kathryn Flemings Tierschöpfungen in einem Zoo der präparierten Kreaturen, die auf poppig-bunte Weise neuen Lebensräumen angepasst wurden. Oder Ben J. Riepes Rauminstallation „UUUUU(topia)“, in der sich echte Wiese, echte Bäume mit Kunstnebel, Lichtinstallationen und flirrender Metallfolie zu einer neuen Landschaft formieren.

Netter Nachbar: Olaf Breuning

Wer diese Zukunftsvisionen verrückt nennt, dem sei ein kurzer Blick auf die ähnlich absurde Gegenwart empfohlen. Ebenfalls bis Ende August ist im NRW-Forum eine erste Gesamtschau des Künstlers Olaf Breuning zu sehen. Hinter der sphinxhaft geheimnisvollen Sandskulptur beginnt ein Reich, in dem Mensch und Tier, Kunst und Körper, Schein und Sein in tollkühnen Collagen und Fotoarbeiten ein fröhliches Lied zu singen scheinen. Wenn die hohe Kunst des kalkulierten Quatsches tatsächlich Treibstoff wäre! Dann wäre dies’ Museum längst, was es eigentlich gar nicht ist: abgehoben.

 

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