Kunst der Aborigines – Erdkunde in Farben

Aborigines-Kunst im Museum Ludwig in Köln.  Foto: dapd
Aborigines-Kunst im Museum Ludwig in Köln. Foto: dapd
Foto: dapd

Köln.. Das Kölner Museum Ludwig zeigt ab Samstag die Malerei der Aborigines seit 1960. Die Ausstellung „Remembering Forward“ zeigt, dass australische Ma­le­rei keineswegs abstrakt ist, sondern indigene Schöpfungsgeschichte und Erdkunde in Farben erzählt.

Emily Kame Kngwarreye war Ende 70, als sie mit dem Malen begann. Obwohl für eine Kunst-Karriere nicht mehr viel Zeit blieb, konnte die alte Frau aus der australischen Wüste, die zuvor niemals eine Stadt, geschweige ein Museum besucht hatte, noch erleben, was der internationale Kunstmarkt aus- und anrichten kann. Scharen von findigen Kunst-Händlern bedrängten die große alte Dame der Aboriginal Art plötzlich mit Aufträgen dieser gut verkäuflichen Kunst. Ihre Spitzenwerke stellten nach ihrem Tod 1996 bei Auktionen Rekordsummen auf.

Eines ihrer zentralen Werke hängt nun im Entree des Kölner Museum Ludwig, wo die „Malerei der australischen Aborigines seit 1960“ ab Samstag im Mittelpunkt steht: „Remembering Forward“ („Vorwärts erinnernd“), so der Titel, ist die erste deutsche Sonderschau australischer Malerei seit Jahren. Sie dokumentiert auch, wie schwer man sich immer noch tut im Umgang mit außereuropäischer Kunst, wie leicht man laviert zwischen ethnologischem Interesse und kunsthistorischer Betrachtung.

Das Publikum wird auf eine Wahrnehmungsprobe gestellt

Museumschef Kasper König präsentiert die neun ausgewählten, hierzulande weitestgehend unbekannten Maler aus verschiedenen Regionen von Down Under dezidiert als zeitgenössische Künstler, nennt die Ausstellung in einem Atemzug mit der Malerei von Gerhard Richter und stellt das Publikum damit auf eine Wahrnehmungsprobe.

Denn schnell sucht das Ausstellungs-geschulte Auge in den abstrakt anmutenden Kringeln und Kreisen, in den Linien und Flächen nach westlichen Wahlverwandtschaften; glaubt, in den sacht getupften Punkten von Paddy Bedford das Erbe der Pointillisten zu erkennen und in den erdig-warmen Farbflecken von Thomas Rover eine Nachbarschaft zur Farbfeldmalerei. Die Op Art könnte Dorothy Napangardi bei ihrer Schwarzweiß-Malerei Pate gestanden haben. Und doch ist der Versuch, dem flirrend-heiteren Punkt- und Liniengewirr mit westlichen Genre-Festlegungen zu begegnen, der falsche Ansatz.

Australische Ma­le­rei ist vor allem indigene Schöpfungsgeschichte und Erdkunde in Farben

Aboriginal Art ist nämlich alles andere als abstrakt oder frei von allem Inhaltlichen, Narrativen. Australische Ma­le­rei ist vor allem – indigene Schöpfungsgeschichte, Erdkunde in Farben, manchmal sogar auf Leinwand übertragene Körperbemalung. Sie er­zählt von Land und Leuten, von Mythen und Ritualen, er­zählt von den Verbrechen der Kolonisierung, von Vertreibung und Völkermord, Unterdrückung und Enteignung. Sie ist politisches Statement, historisches Gedächtnis, Ausdruck kultureller Identität.

Dass man diese ethnografischen Informationen bewusst nicht ausgestellt hat, befreit das Haus zwar vor Folklore-Verdacht. Es hält dem Betrachter aber auch vor, was schon Emily Kngwarreye das Wichtigste war: die künstlerische Verankerung der Vergangenheit im Hier und Heute.

 
 

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