Krimi aus Hagen - Mit Rente und Rollator

Die Autorin Marlies Ferber aus Hagen
Die Autorin Marlies Ferber aus Hagen
Foto: Dietmar Wäsche
Die Hagener Autorin Marlies Ferber schickt ihren Detektiv i.R. James Gerald wieder auf eine spannende Mörderjagd. Die scharfsinnige Spürnase lässt sich nicht aufs Altenteil schicken, sondern zeigt jungen Nachwuchsspionen immer noch, wo der Bartel den Most holt. „Mord in Hangzhou“ spielt in China

Hagen.. Agent 0070 ermittelt gegen alle Klischees. Denn die scharfsinnige Spürnase lässt sich nicht aufs Altenteil schicken, sondern zeigt jungen Nachwuchsspionen immer noch mit Bravour, wo der Bartel den Most holt. Die Hagener Autorin Marlies Ferber ist die Erfinderin der sympathischen Detektivfigur, die zwar nicht mit Schirm, Charme und Melone auf Verbrecherjagd geht, dafür aber als Rentner und mit Rollator.

Vergifteter Tee

In seinem dritten Fall verschlägt es 0070 alias James Gerald nach China. Offiziell ist er als Gast bei der Hochzeit des Sohnes eines alten chinesischen Freundes eingeladen. Inoffiziell soll er für den britischen Geheimdienst, seinen früheren Arbeitgeber, herausfinden, wer den chinesischen Teehandel sabotiert.

Marlies Ferber ist Sinologin. Und sie nutzt „Mord in Hangzhou“, um den Leser tief in Alltag und Kultur des geliebten Chinas zu entführen. Alleine die Milieustudien und Charakterbeschreibungen lohnen die Lektüre des Krimis. Gleichzeitig lässt Marlies Ferber ihrer einfallsreichen Freude freien Lauf, 0070 mit abenteuerlichen Geheimwaffen auszustatten - als ebenso ironische wie verehrende Verbeugung vor James Bond.

Nur der Rollator muss diesmal zu Hause bleiben. Den nimmt James’ Freundin Sheila vorgeblich mit auf den Friedhof, weil sie Angst vor Überfällen hat. Die eingebaute Reizgasdüse der Gehhilfe hat schon früher gute Dienste geleistet. In Hangzhou erweitert 0070 sein Spionagebesteck übrigens um chinesische Essstäbchen mit Peilsender, Notrufknopf und integriertem winzigen Betäubungspfeil.

Neben der eigentlichen Krimihandlung bildet James’ Beziehung zu seiner früheren Sekretärin, der verwitweten Sheila die zweite Handlungsebene. Auch hier beobachtet die Autorin präzise und mitfühlend, wie sich ein eingefleischter Junggeselle zögernd und mit viel Hakenschlagen auf das Abenteuer Beziehung einlässt. Dass sich Sheila nicht damit begnügt, im heimischen London den Rollator über das Pflaster zu schieben, versteht sich dabei von selbst.

Mit List und Köpfchen

Marlies Ferber schreibt mit ihrer 0070-Reihe engagiert gegen die Vorurteile von unnützen Rentnern an. 0070 ist kein Superheld, was dem Senior an Kraft und Beweglichkeit fehlt, muss er mit List und Köpfchen wettmachen. Aber er ist in der Tradition von Agatha Christies Miss Marple ein gescheiter Detektiv, der beweist, dass man mit 70 noch nicht zum alten Eisen gehört.

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