Kreatives Wirtschaften

In der Abenddämmerung am Freitag, 28. Januar 2011, entstand das Foto vom Dortmunder U oder U-Turm. Foto: Franz Luthe
In der Abenddämmerung am Freitag, 28. Januar 2011, entstand das Foto vom Dortmunder U oder U-Turm. Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe
Dieter Gornys europäisches Zentrum für Kulturindustrie „Ecce“ residiert jetzt am Dortmunder U. Ein paar Kreative sind schon da - neben Hochtechnologie, Logistik und Dienstleistung könnte die Kreativwirtschaft das vierte Bein des Strukturwandels werden.

Dortmund.. 18 Arbeitsplätze hat das bereits seit drei Jahren existierende „European Center for Creative Economy“ immerhin schon am Dortmunder U angesiedelt – seine eigenen. Gestern bezog das Institut mit seinem Direktor Dieter Gorny und dem Kurznamen „Ecce“ offiziell seine Büroflucht zu Füßen des U-Turms.

Selbst das Rätseln über die richtige Aussprache dieser Abkürzung geriet den Festrednern bei der gestrigen Einweihung zur Kreativ-Übung. Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau plädierte als Hausherr für ein mediterranes „Etsche“, NRW-Kulturministerin Ute Schäfer, deren Haus das „Ecce“ in diesem Jahr mit 457 000 Euro finanziert, hätte wegen der internationalen Ausrichtung des Büros die Aussprache „Ihßißiih“ favorisiert. Vladimir Sucha von der EU-Generaldirektion für Kultur schlug „Echse“ vor und Ruhr.2010-Chef Oliver Scheytt brachte auch noch das biblische „Ekze“ ins Spiel.

So oder so, das Institut, das derzeit bis zum Jahr 2013 plant, soll die „Kreativquartiere“ für Kulturindustrie im Ruhrgebiet organisieren, die von der Werbeagentur über Computerspiel-Designer bis zu Architekturbüros reichen soll. „Ecce“ produziert zudem die Internet-Plattform 2010lab.tv und es soll die europäische Kulturszene vernetzen. Dazu dient vor allem ein Preis für Kreativindustrie-Strategie, der zusammen mit der EU entwickelt wurde und unter Leitung des „Ecce“-Instituts ab 2012 alljährlich an Kreativunternehmen, Einzelpersonen oder Städte verliehen werden soll. Und es soll, so sein Chef Dieter Gorny, „dafür sorgen, dass wir möglichst viel aus EU-Projektmitteln in unsere Region kriegen.“ Gorny denkt an Modellprojekte, die Künstler von außen anlocken und dazu bringen, in der Welt ein anderes Bild vom Ruhrgebiet zu vermitteln Und: „Es war ein Missverständnis, dass wir 2010 nur ein Jahr lang trommeln müssten und dann kommen 20 000 Kreative.“

Ein paar Kreative sind allerdings schon da: Oberbürgermeister Sierau nannte gestern „Götzinho“ und die BVB-Kicker, aber auch die Beschäftigten der Stadtverwaltung. Dortmund habe den Wandel von Kohle, Stahl und Bier zu Hochtechnologie, Logistik und Dienstleistung geschafft. Die Kreativwirtschaft könne die vierte Säule werden; die Zahl der Beschäftigten bei den 1800 Unternehmen und Selbstständigen der örtlichen Kreativwirtschaft sei in den letzten Jahren um 28 Prozent gestiegen, von den 16 000 Arbeitsplätzen sei jeder dritte sozialversicherungspflichtig.

Stadtforscher Charles Landry wies darauf, dass immer mehr Menschen die Wahl ihres Wohnortes nicht von ihrem Arbeitsplatz abhängig machten, sondern sich ganz bewusst für eine Stadt ihrer Wahl entschieden. Da sei das Ruhrgebiet im Wettbewerb mit 350 Städten in ganz Europa und müsse ein menschenfreundliches Profil zeigen.

 
 

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