Komplizierte Beziehungen mit Krimirand bei Ruhrfestspielen

Eine Frau wird vermisst: (v. l.) Barbara Heynen, Natalie Belitski und Benjamin Lillie in der Uraufführung von „Brandung“ bei den Ruhrfestspielen.
Eine Frau wird vermisst: (v. l.) Barbara Heynen, Natalie Belitski und Benjamin Lillie in der Uraufführung von „Brandung“ bei den Ruhrfestspielen.
Foto: Arno Declair
Das bunteste Angebot bei den Ruhrfestspielen findet man zumeist in der Reihe der Uraufführungen, in diesem Jahr erstmals in der Halle König Ludwig präsentiert, weitab vom Grünen Hügel Recklinghausens. Diesmal stand „Brandung“ von Maria Milisavljevic auf dem Programm.

Recklinghausen.. Die Geschichte klingt wie ein Krimi: Eine junge Frau, Carla, ist vom Einkauf nicht zurückgekehrt, bleibt verschwunden, kein Lebenszeichen. Ihre Freunde (Martina, Vlado und „Ich“, die Haupterzählerin) sind beunruhigt, fürchten das Schlimmste, begeben sich aber dennoch selbst auf Spurensuche. Da aber die junge Autorin Maria Milisavljevic (31) für ihren Theatertext „Brandung“ im vergangenen Jahr den Kleist-Nachwuchspreis erhalten hat, steht hier todsicher mehr ins Haus als eine simple Personensuche.

So viel mehr aber denn doch nicht, wie die Uraufführungs-Inszenierung von Christopher Rüping für das Deutsche Theater Berlin und die Ruhrfestspiele deutlich macht. Den Gedanken an Vergewaltigung und Mord gibt man schnell auf, wenn die komplizierten amourösen Beziehungen der Freunde ans Licht kommen. Vlado hat längst eine Beziehung mit „Ich“ angefangen, ohne Carla einzuweihen, „Ich“ aber hat sich mit Vlado eingelassen, noch bevor sie ihren letzten Lover ablegen konnte. Die Möglichkeit eines Suizids dämmert herauf.

Es herrscht Eiszeit auf der Bühne

Es herrscht ja überhaupt ein wenig Eiszeit zwischen den Beteiligten, wie uns Bühnenbildner Jonathan Mertz deutlich macht: Im Hintergrund steht eine Wand mit lauter Eisplatten an der Stelle von Glasbausteinen, die nun dahinschmelzen und auf den Boden krachen. Und da es am Ende eine Wasserleiche ist, die man findet, spielt der Live-Musiker Christoph Hart passenderweise im Meerjungfrauenkostüm.

Eine Drei- bis Vierecksgeschichte entfaltet sich also, auch ein wenig Migrantenproblematik. Und das alles in furchtbar viel bedeutsamen Text gekleidet, durchsetzt mit gelegentliche Lyrik-Schüben. Vor allem bei der Darstellerin der „Ich“-Erzählerin (Natalia Belitski) schnurrt das nur so ab in bewundernswerter Schnelle und Leichtigkeit. Vielleicht ein weiteres Indiz dafür, dass wir es hier mit einer sehr luftigen Angelegenheit zu tun haben, die gern schicksalsschwer sein würde.

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