Kohle kommt, Kohle geht in Bochum

Hell und licht geht es zu im neuen „Museum unter Tage“. Es liegt unterirdisch im Park von Bochum-Weitmar. Und bietet 350 Landschafts-
Hell und licht geht es zu im neuen „Museum unter Tage“. Es liegt unterirdisch im Park von Bochum-Weitmar. Und bietet 350 Landschafts-
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Landschaftskunst aus sechs Jahrhunderten: Bochums neues „Museum unter Tage“ im Park von Weitmar öffnet am Samstag. Baukosten: sieben Millionen Euro.

Bochum. Im Aushub der sieben Meter tiefen Baugrube für das neue „Museum unter Tage“ im Park von Bochum-Weitmar fand sich – Kohle, anthrazitglänzend. Ein Erdschichten-Querschnitt im Foyer des Museums, das morgen öffnet, zeigt genau, wo sie lag. Und auch die Kohle für die 1350 Quadratmeter unterirdischer Ausstellungsfläche kam nicht zuletzt von der Stiftung des Zechenerbe-Konzerns Evonik und der RAG-Stiftung – wie vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der Stadt Bochum, der Bochumer Sparkassenstiftung, der Ruhrkohle AG, den örtlichen Stadtwerken und privaten Zuwendern: sieben Millionen Euro.

Opulente Auswahl von Landschaftsbildern

In diesem Museum, das nun ein Jahr lang eine opulente Auswahl von Landschaftsbildern zeigt, ist man zwar im Keller des Parks mit seinem alten Baumbestand – aber man hat es nach zwei, drei Schritten schon wieder vergessen. Das liegt an den großzügig wirkenden vier Metern Raumhöhe, vor allem aber an der versierten Lichtführung mit LED. Und an den harmonischen Tonabstufungen zwischen dem mittelgrauen, mit einem Polyurethan-Harz-Gemisch geglätteten Estrich mit den Fußboden- und Deckenfugen. Projektleiter Alexander von Berswordt-Wollrabe verweist nicht ohne Stolz darauf, dass der Bau „zu hundert Prozent mit Geothermie geheizt und gekühlt wird“, 3,2 Kilometer Erdsonden und 15 Kilometer Leitungen wurden verlegt. Außerdem hat das Depot des Museums die modernste Löschanlage weit und breit; sie löscht Brände nicht mit Wasser, sondern mit CO2 – Voraussetzung für künftige wertvolle Leihgaben aus anderen Museen.

Bau nach allen Bedürfnissen der Kunst

Gebaut wurde binnen eines Jahres im vorgegebenen Kostenrahmen, was deshalb rekordverdächtig anmutet, weil die Baustelle zwischendurch drei Monate lang still stand – Bodenarchäologen erforschten die Geschichte der überaus baufreudigen Herren von Haus Weitmar. Dem Bochumer Architektenbüro Vervoorts & Schindler ist mit diesem Bau, der sich rundum den Bedürfnissen der Kunst un­terordnet und auf jeden eigenen Geltungsdrang verzichtet, ein Meisterstück gelungen; das Konzept stammt von Architekturprofessor Herbert Pfeiffer.

Es ist ein von vornherein geplanter Erweiterungsbau für die fabelhafte „Situation Kunst (für Max Imdahl)“, die im Kulturhauptstadt-Jahr in der Ruine von Haus Weitmar einen weiß-gläsernen Kubus bekommen hatte. Die „Situation Kunst“ dient der Ausbildung von Studenten der Kunstgeschichte an der Ruhr-Universität. Deren Kanzler Karl-Heinz Schloßer freut sich also über „das schönste und bedeutendste Geschenk“ an die Hochschule zu deren 50. Geburtstag.

Ausstellung zeigt flämische Künstler

Ein Jahr lang wird nun im neuen Museum unter Tage die Ausstellung „Weltsichten“ gezeigt – rund 350 Werke zur Landschaftsdarstellung in der Kunst, beginnend mit den flämischen Meistern aus dem Goldenen Zeitalter und endend bei Videos, Fotos und Gemälden des frühen 21. Jahrhunderts. Und immer ist zu sehen, dass es letztlich nicht um die mehr oder minder naturgetreue Darstellung von Landschaften ging; sie waren vielmehr Projektionsflächen für gesellschaftliche Sehnsüchte, Spiegel von historischen Entwicklungen.

Veritable Gemälde von Slevogt, Corinth, Rohlfs und Schwitters sind darunter, aber auch Maler wie Corot, Courbet, Bonnard, Ilja Repin oder ein Jungstar wie Catalina Pabon (und ein traumzauberschönes Aquarell von Cézanne). Nicht minder beeindruckend: die Fotografie dieser Sammlung, von Kertész, Evans und Feininger bis zu Wolfgang Tillmans, Revierbildern und einem frühen Gursky in Schwarzweiß.

 
 

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