„Worst Case Scenario“ nimmt das Filmgeschäft hoch

Projekt geplatzt, Crew ratlos: Schauspielerin Meike ( Laura Tonke, Mitte) und Regisseur Georg (Samuel Finzi, r.) haben ein Problem.
Projekt geplatzt, Crew ratlos: Schauspielerin Meike ( Laura Tonke, Mitte) und Regisseur Georg (Samuel Finzi, r.) haben ein Problem.
Foto: picture alliance / dpa
„Worst Case Scenario“ von Autorenfilmer Franz Müller zeigt, wie ein geplatztes Filmprojekt zu retten ist – dabei stellt der Regisseur das Kinogeschäft schonungslos sarkastisch dar.

Essen.. Für einen Filmemacher dürfte es kaum Schlimmeres geben, als dass eines seiner Projekte kurz vor Drehbeginn platzt. Genau das ist dem deutschen Autorenfilmer Franz Müller 2012 passiert. Er wollte in Polen eine Komödie vor dem Hintergrund der dortigen Fußball-EM drehen – sechs Wochen, bevor es losgehen sollte, kam das Aus. Eine Hiobsbotschaft, die Müller allerdings zu einem anderen Film inspiriert hat.

In „Worst Case Scenario“ will Regisseur Georg (Samuel Finzi) eine Komödie über deutsche Fußballfans vor dem Hintergrund der EM in Polen drehen. Gemeinsam mit seinem Team hat er sich auf einem Campingplatz nahe Danzig niedergelassen, mitten unter den Fans, von denen er erzählen will. Alles scheint in Ordnung, bis seine Produzentin wutentbrannt abreist: der Anfang einer Reihe von Katastrophen.

Was Franz Müller geglückt ist – ein Desaster doch noch in einen Erfolg zu verwandeln – will seinem Alter Ego Georg nicht gelingen. Allerdings steht sich der von Samuel Finzi überraschend schonungslos porträtierte Möchtegern-Künstler auch ständig selbst im Weg. Auf der einen Seite gibt er den Diktator, der Schauspieler und Team ständig herumkommandiert. Auf der anderen erweist er sich als ahnungsloser, hoffnungslos überforderter Fantast.

Müllers boshafter Blick

Müllers Blick auf das Kinogeschäft ist erstaunlich boshaft und sarkastisch. Nicht nur der Regisseur kommt schlecht weg. Auch die Schauspieler, allen voran Meike (Laura Tonke), erweisen sich als Egoisten, die sich nicht im geringsten für ihre Kunst interessieren.

In dieser spöttischen Film-im-Film-Erzählung versteckt sich noch eine zweite Geschichte. Georg und Kostümbildnerin Olga (Eva Löbau) haben sich vor sechs Wochen getrennt. Nun ist Olga schwanger, und schon deutet alles darauf hin, dass Georg im Privaten genauso versagt wie im Beruf. Doch schließlich entpuppt sich „Worst Case“ als überraschend zarte Liebesgeschichte zweier Menschen, die plötzlich gezwungen sind, ihr Leben neu zu ordnen.

Wertung: Drei von fünf Sternen

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