Wirbel um Disneys „Die Schöne und das Biest“ – Sittenwächter werten Film als Schwulen-Propaganda

Luke Evans spielt Gaston und Josh Gad ist als schwuler Diener LeFou im Disney-Film „Die Schöne und das Biest“ zu sehen. Gads Rolle sorgt jedoch für Ärger.
Luke Evans spielt Gaston und Josh Gad ist als schwuler Diener LeFou im Disney-Film „Die Schöne und das Biest“ zu sehen. Gads Rolle sorgt jedoch für Ärger.
Foto: Laurie Sparham / 2016 Disney Enterprises
  • Der Disney-Film „Die Schöne und das Biest“ kommt nun in die Kinos
  • Der Streifen sorgt für Wirbel
  • Grund für den Ärger: eine vermeintlich schwule Filmfigur

München.  Viele Kinobesucher freuen sich auf den Disney-Film „Die Schöne und das Biest“, der in Deutschland an diesem Donnerstag startet. Ein unschuldiger Kinderfilm mit märchenhafter Geschichte, mit einer starken Heldin und altbekannten Filmliedern? Weit gefehlt, finden zumindest einige strenge Sittenwächter.

Um die Neuverfilmung des Zeichentrickfilms von 1991 wird heftig debattiert, weil am Ende zwei Männer miteinander tanzen. Sekundenkurz ist die Szene, doch einige sehen darin eine Darstellung von Homosexualität, die völlig ungeeignet für Kinder sei.

Russland setzt Altersfreigabe herauf

Russland setzte die Altersfreigabe für das Märchen auf 16 Jahre herauf. In Malaysia dagegen kürzten die Behörden laut Medienberichten die entsprechenden Szenen raus und legten den Kinostart auf Eis. Ein Kino im US-Bundesstaat Alabama soll den Film mit Emma Watson, Dan Stevens und Luke Evans ganz gestrichen haben.

Warum, das brachte Anfang März der konservative russische Politiker und Duma-Abgeordnete Witali Milonow auf den Punkt. Er schrieb er an die Regierung, „dass unter dem Vorwand des Märchens eine offensichtliche und schamlose Sünde gezeigt wird“. Disney wollte die Vorgänge nicht kommentieren.

„Die Schöne und das Biest“: Das sagt Emma Watson selbst über den Film

„Die Schöne und das Biest“ ist ab sofort im Kino zu sehen. Die Realverfilmung des Disney-Klassikers zeigt „Harry Potter“-Star Emma Watson als Prinzessin Belle. Hier erzählt sie von den außergewöhnlichen Dreharbeiten.
„Die Schöne und das Biest“: Das sagt Emma Watson selbst über den Film

Homosexualität in Filmen längst Teil der Realität

Noch mal die Film-Geschichte in Kürze: Belle gerät in ein Schloss, in dem ein verfluchter Prinz als hässliches Biest haust. Nur die Liebe kann ihn erlösen. Während die Schöne das Ungeheuer näher kennenlernt, macht sich ihr Verehrer Gaston auf die Suche nach ihr. Ihm zur Seite sein Gefährte LeFou, für die strengen Sittenwächter eine unmögliche Figur. Denn der von Josh Gad gespielte Diener ist schwul.

„Na und?“, möchte man fragen. Schließlich ist Homosexualität in Kino- und Fernsehfilmen längst kein Aufreger mehr. Und es passt zur Disney-Strategie, nach und nach mit alten Vorurteilen aufzuräumen und anzuerkennen, dass die Welt mehr zu bieten hat als weiße Menschen in traditionellen Lebensformen.

Condon spricht von einem „exklusiven schwulen Moment“

Wer jetzt vermutet, dass es in „Die Schöne und das Biest“ deshalb deutlicher zur Sache gehen muss als sonst, liegt falsch. So wie im Trickfilm preist LeFou seinen Freund inbrünstig und aus voller Kehle in der berühmten Kneipenszene: „Ist kein Mann so überaus männlich, redlich, solid, tadellos“. Eine Schwärmerei, hinter der in der Tat mehr stecken könnte als bloße Freundschaftsgefühle.

„LeFou möchte an einem Tag Gaston selbst sein, am nächsten Tag möchte er ihn küssen“, zitieren diverse Medien ein Interview von Regisseur Bill Condon im britischen Schwulen-Magazin „Attitude“. „Er ist verwirrt und weiß nicht, was er will. Ihm wird gerade klar, dass er diese Gefühle hegt.“

Am Ende wird Disney sogar noch deutlicher, wenn LeFou am allgemeinen Überschwang der Gefühle teilhaben darf und plötzlich einen Mann in den Armen hält, mit dem er tanzt. Condon spricht von einem „exklusiven schwulen Moment“ – der in einem Wimpernschlag schon wieder vorbei ist.

„Es ist ein Signal der Selbstverständlichkeit“

„Viel Lärm um nichts“, kommentiert Helmut Metzner vom Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes die Empörung etwa in Russland. „Das spricht für eine Angst vor Homosexuellen oder Menschen, die anders leben oder anders empfinden“, meint er.

Kinder würden die Anspielung wahrscheinlich nicht mal bemerken. Dass es diesen besonderen Moment in „Die Schöne und das Biest“ gibt, freut Metzner aber. „Es ist ein Signal der Selbstverständlichkeit, das gehört einfach dazu.“

Luke Evans: Es gibt keinen Grund für Homophobie

Ähnlich sieht es Luke Evans, der den eingebildeten Schönling Gaston spielt: „Wenn man etwas tiefer gräbt, kann man verstehen, dass man keine Angst vor Dingen haben muss, die man nicht kennt, oder vor Leuten, die etwas anders aussehen“, sagte er dem Magazin „People“.

Und was sagt Gaston selbst dazu, das Objekt von LeFous Begierde und zum Leidwesen des Dieners nur an der hübschen Belle interessiert? „Ja, ich bin ein Prachtexemplar“, gibt er völlig ironiefrei zu und schwärmt: sein Talent im Weitspucken, sein wunderbarer Bizeps und „mein Körper, er strotzt voller Haar!“. Wer könnte da widerstehen? (dpa)

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