Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Kino

Wie Filmlegende Robin Hood zum Gesetzlosen wurde

12.05.2010 | 11:34 Uhr
Wie Filmlegende Robin Hood zum Gesetzlosen wurde

Essen. Mit einer Neufassung von „Robin Hood“ mit Cate Blanchett und Russell Crowe in den Hauptrollen wird das internationale Filmfest von Cannes am Mittwoch eröffnet. Ridley Scott will mit seinem neuen Film die Vorgeschichte zum eigentlichen Kino-Mythos liefern.

Es gibt Legenden, die werden irgendwann auch zu Filmlegenden. Robin Hood ist so eine mythische Gestalt, von der wir aus dem Kino so unsere eigene Vorstellung haben. Am stärksten geprägt wurde sie zweifellos durch Errol Flynn, 1938 eine behände Waldgestalt mit Technicolor-grünem Wams, der sein räuberisches Tun im Dienste des gemeinen Volkes immer auch ganz spielerisch aussehen lassen konnte. Gegen diesen tänzerischen Action-Helden nimmt sich Russell Crowe in Ridley Scotts neuem „Robin Hood” zugegeben ein wenig kompakt und mit 46 Jahren auch ein wenig alt aus.

Die Neufassung von „Robin Hood“ mit Cate Blanchett und Russell Crowe in den Hauptrollen. © Universal

Aber Scott geht es in seinem Film ja auch gar nicht um die Legende, von der schon John Ford sagte, dass sie das einzig Wahre sei. Er hat einen Film gedreht in vorwiegend irdenen Farben, der so etwas sein soll wie die Vorgeschichte zum späteren Dasein Robins als Gesetzloser im Sherwood Forest. Sein Film verhält sich wie ein auf Realität getrimmter Spätwestern zu Karl Mays „Winnetou”: Alles ist echt dreckig, manchmal auch echt fies. Wenn man beispielsweise fürstlich tafelt, muss man schnell sein, sonst haben die Ratten schon alles abgeräumt.

Ridley Scott will das Unmögliche

Ridley Scott („Gladiator”) will das Unmögliche – einen historisch verankerten Film über eine fiktive Figur, die möglicherweise nur ein Kons­trukt aus den Wünschen des Volkes darstellt. Anfangs operiert er dabei mit Jahreszahlen, die tatsächlich stimmen: 1199 kommt Englands König Richard Löwenherz in Frankreich ums Leben, wo er sich, zurückgekehrt von einem zehnjährigen Kreuzzug, plündernd in Richtung Heimat durchschlägt. In seinem Gefolge befindet sich auch ein gewisser Robert Longstride, der nach dem Tod des Königs mit ein paar Kumpels aus der Truppe desertiert.

Man will nach Nottingham, um dem Vater eines gefallenen Kameraden das Schwert seines Sohnes zu bringen. Dort angekommen muss Longstride erkennen, dass der Tote in Gestalt der willensstarken Lady Marion (Cate Blanchett) auch eine Witwe hinterlässt. Den Drehbuch-Kapriolen des diesmal wenig inspirierten Brian Helgeland ist es zu verdanken, dass aus Longstride per Quasi-Adoption ein Loxley und per Verkuppelung auch der Liebhaber von Marion wird. Bei so wenig Funken, wie sie hier zwischen Robin und der robusten Landfrau sprühen, hätte man so etwas sonst wohl kaum erwartet.

Der Schwachpunkt von Scotts Film ist die Tatsache, dass er kaum eine Geschichte straff zu erzählen weiß, weil zwischendurch immer wieder Geschichte gemacht werden muss. Robin ist dabei, als die Magna Carta verabschiedet wird, die das Verhältnis zwischen Adel und Königshaus definiert (was tatsächlich erst 1215 geschah). Und er muss, mürrisch und bar jeder Selbstironie, eben mal mit links ein zerstrittenes, bürgerkriegsgefährdetes England retten, das die Franzosen sich zwischen zwei Austerngängen im Vorbeigehen einverleiben wollen.

Zwischen so vielen Fronten hat es Mark Strong nicht leicht, sich in Gestalt des englischen Kollaborateurs Sir Godfrey als Bösewicht des Films zu profilieren. Schurken gedeihen besser in überschaubarer Umgebung, man denke nur an die schönen Scharmützel, die Robin in früheren Inkarnationen mit dem Sheriff von Nottingham ausgetragen hat. Der spielt hier im übrigen so gut wie keine Rolle. Seine Stunde wird erst noch schlagen, denn am Ende dieses Films sind wir erst da, wo die anderen begonnen haben.

Arnold Hohmann

Kommentare
Funktionen
Lesen Sie auch
Robin Hood
Bildgalerie
Fotostrecke
Filmfest in Cannes
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
„Seht mich verschwinden“ erinnert an Isabelle Caro
Doku
Die Aufnahmen von der magersüchtigen Schauspielerin Isabelle Caro erschütterten 2007 die Modewelt. Nun erzählt eine Doku von dem traurigen Schicksal.
„Men & Chicken“ – Der Blick in tiefe Abgründe
Komödie
Die bitterböse Komödie „Men & Chicken“ von Anders Thomas Jensen überschreitet die Grenzen des guten Geschmacks. Aber sie ist kurzweilig.
„Marry Me!“ - Hochzeitspläne auf Indisch
Komödie
„Marry Me!“ ist eine sympathische Multikulti-Komödie rund um eine Hochzeit, die beide Beteiligten nicht wollen. Doch es steht einiges auf dem Spiel.
Krawallromanze in „Liebe auf den ersten Schlag“
Liebeskomödie
In „Liebe auf den ersten Schlag“ treffen zwei Hauptfiguren aufeinander, die verschiedener kaum sein könnten. Das sorgt für originelle Überraschungen.
„Insidious: Chapter 3“ - Der Anfang der Geschichte
Horror
„Insidious: Chapter 3“ erweist sich als moderner Spukhausgrusel nach bewährtem Strickmuster. Licht und Musik moderieren die Gruselszenen.
Fotos und Videos
STAR WARS Identities in Köln
Video
Ausstellung
Yoda und Darth Vader in Köln
Bildgalerie
Star Wars
Superhelden gegen Roboter
Bildgalerie
Avengers 2
Bildgalerie
Fotostrecke
article
3512577
Wie Filmlegende Robin Hood zum Gesetzlosen wurde
Wie Filmlegende Robin Hood zum Gesetzlosen wurde
$description$
https://www.derwesten.de/kultur/kino/wie-filmlegende-robin-hood-zum-gesetzlosen-wurde-id3512577.html
2010-05-12 11:34
Kino