"Tal der Wölfe" und andere türkische Filme erobern Kinos in Deutschland

Hat noch keine Altersfreigabe für deutsche Kinos: „Tal der Wölfe - Palästina“. © Pera Film
Hat noch keine Altersfreigabe für deutsche Kinos: „Tal der Wölfe - Palästina“. © Pera Film
Foto: Pera Film

Essen.. Immer mehr türkische Kassenschlager schaffen es auch in die deutschen Kinos. Nicht nur der umstrittene „Tal der Wölfe“-Film, der am Donnerstag nun doch nicht startet, wirft dabei Fragen nach Integration und Identität auf

Neben den USA ist im Moment vor allem ein Land in den deutschen Kinos vertreten: die Türkei. Im Essener Cinemaxx laufen derzeit gleich drei türkische Produktionen. Der vierte Film vom Bosporus, „Tal der Wölfe – Palästina“, sollte heute Premiere feiern – und erregte schon im Vorfeld Aufsehen. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) verweigerte dem Actionfilm die Altersfreigabe.

Zehn bis zwölf türkische Produktionen schaffen es jedes Jahr in die europäischen Kinos. Einige locken laut Pera Film, einer Schwestergesellschaft der türkischen Produktionsfirma Pana Film, „beachtliche“ 500 000 Besucher an. Ganz vorn mit dabei: die „Tal der Wölfe“-Reihe um den Geheimagenten Polat Alemdar. Der erste Teil hatte schon 2006 für Diskussionen über die Grenzen von Kunst und Meinungsfreiheit gesorgt. Der türkische Kassenschlager wurde in Deutschland als antisemitisch, antichristlich und antiamerikanisch kritisiert. Fürsprecher verteidigten ihn als Imitation typischer Hollywood-Action, die sich stets an simplen Klischees von Gut und Böse orientiere.

Fakten und Fiktion trennen

Auch bei der „Tal der Wölfe“-Folge „Palästina“ hebt jetzt die Debatte darüber an, ob die Macher mit dem fiktiven Rachefeldzug des Filmhelden als Antwort auf eine reale Gegebenheit – israelische Soldaten erschossen im Mai 2010 bei der Kaperung von Gaza-Hilfsschiffen neun türkische Passagiere – eine Grenze überschritten haben. Fraglich sind nicht nur die „Stereotyp-Bilder mit volksverhetzendem Charakter“, die von den deutschen Nicht-Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus schon vorab kritisiert werden. Fraglich ist auch, ob das Publikum Fakten und Fiktion trennen kann. „Normalerweise sehen Menschen Filme als Fiktion“, sagt die Film-Dozentin Berin Uyar vom Turkistik-Institut der Universität Duisburg-Essen, „aber in der nah- und fernöstlichen Kultur werden sie häufig für wahr genommen.“

Die „Tal der Wölfe“-Problematik ist keineswegs symptomatisch für die Vielzahl an türkischen Komödien und Thrillern, die in deutschen Kinos gezeigt werden. Bei weniger brisanten Produktionen gibt es aber Verständnisprobleme anderer Art: Die türkischen Filme sollen zwar ein möglichst breites Publikum an­sprechen, doch meist laufen sie im Original mit deutschen Untertiteln. „Aufgrund der fehlenden Synchronisation ist die Nachfrage beim nicht-türkischen Publikum sicherlich ausbaufähig“, gibt Fulya Yolasan von Pera Film zu.

Verständnisprobleme beim Original mit Untertiteln

Ein weiteres Problem ist das breite internationale Angebot – von französischen Filmen bis hin zu Produktionen aus Hollywood und Bollywood. „Die Beschäftigung mit der türkischen Kultur konkurriert hier mit vielen anderen. Von daher werden die Deutschen kaum massenhaft ins Kino rennen, um sich die türkischen Filme anzusehen“, meint Dirk Halm vom Essener Zentrum für Türkeistudien. Seit etwa drei Jahren übernehmen deutsche Kinos türkische Filme verstärkt ins Programm. Mit einer steigenden Nachfrage in der Türkei nach Eigenproduktionen sei dort offenbar auch das Niveau gestiegen: „Diese neue Qualität strahlt aufgrund der rund drei Millionen türkischen Mitbürger auch auf die deutschen Kinos aus“, sagt Yolasan.

Auch Cinemaxx-Sprecher Arne Schmidt lobt, dass sich die Produktion in der Türkei für den deutschen Markt geöffnet habe. Trotzdem werden die türkischen Filme nicht an jedem Standort gezeigt. Man wisse noch zu wenig über den Geschmack der Zielgruppe, erklärt Schmidt. In einigen Städten reiche das Standardprogramm, in anderen – insbesondere in Essen, Offenbach, Hannover und Berlin – müssten eben türkische Alternativen her.

Ob der Erfolg türkischer Filme ein Indiz für mangelnde Integration ist? Nein, meint Türkei-Experte Halm. „Auch bei erfolgreicher Integration geht die türkische Identität nicht verloren. Es gibt vielmehr die parallele Nutzung von deutschen und türkischen Medien und Filmen.“

 
 

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