Störtebeker-Auferstehung auf der Kinoleinwand

Essen. Wie Freilichttheater vor Meereskulisse: die Störtebecker-Verfilmung "12 Meter ohne Kopf" mit Matthias Schweighöfer, Jana Pallaske und Milan Peschel ist unterhaltsam, aber unterfinanziert. Eine Geschichte über wahre Männerfreundschaft und einen Piraten, mit Sehnsucht nach Familienleben.

Um den Piraten Klaus Störtebeker, der zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Nord- und Ostsee unsicher machte, ranken sich mehr Legenden denn belegbare Wahrheiten. Und so kann, wer auch immer einen Film über diese mythische Figur plant, nach Herzenslust fabulieren. Der Regisseur Sven Taddicken („Emmas Glück”) und sein Drehbuchautor Matthias Pacht haben sich für „12 Meter ohne Kopf” zu einer Geschichte um wahre Männerfreundschaft entschlossen, bei der am Ende der eine für den anderen lächelnd in den Tod geht.

Weichei mit Sehnsucht

Es gehört schon Mut dazu, nach dem „Fluch der Karibik” mit einem deutschen Piratenfilm aufzuwarten, der deutlich unterproduziert ist. Keine großen Seeschlachten also, eher sparsame Action und noch sparsamere Spezialeffekte, dafür aber ungemein motivierte Schauspieler. Der Kinoneuling Ronald Zehrfeld gibt dabei einen Störtebeker, der nach einer Nahtoderfahrung nun plötzlich zum zweifelnden Weichei mit Sehnsucht nach Familienleben wird. Matthias Schweighöfer muss als sein cholerischer Busenfreund Gödeke Michels noch mehr aufdrehen, um die Schwäche des Kapitäns zu kaschieren. Der Rest der hübsch typisierten Mannschaft ist eher verstört darüber, dass man plötzlich miteinander diskutieren soll, statt dem Schlachtruf „Fick die Hanse!” Taten folgen zu lassen.

Taddicken sieht Störtebeker weniger als historische Figur, er will ihn brauchbar machen für die Gegenwart. Mit moderner Sprache und Popmusik führt er uns junge Leute vor, der einen alternativen Lebensentwurf ausprobieren möchte und den Interessen des Establishments zwangsläufig in die Quere kommt. Das entbehrt nicht einer soliden Komik und ist über weite Strecken äußerst unterhaltsam. Leider aber treiben sich die Piraten im zweiten Teil immer häufiger an Land herum, was den Film deutlich ausbremst. Er wirkt dann mitunter wie Freilichttheater vor Meereskulisse.

 
 

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