Ryan Gosling ist Hollywoods Shooting-Star

Drei Filme in diesem Jahr, 2012 werden es wahrscheinlich vier: Zurzeit glänzt der kanadische Schauspieler Ryan Gosling neben George Clooney in dessen Polit-Thirller „The Ides of March – Tage des Verrats“. Foto: afp
Drei Filme in diesem Jahr, 2012 werden es wahrscheinlich vier: Zurzeit glänzt der kanadische Schauspieler Ryan Gosling neben George Clooney in dessen Polit-Thirller „The Ides of March – Tage des Verrats“. Foto: afp
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Zwei Nominierungen für die Golden Globes hat er schon, Experten rechnen damit, dass Ryan Gosling auch für einen Oscar vorgeschlagen wird: Der kanadische Schauspieler glänzt zurzeit neben George Clooney in „The Ides of March – Tage des Verrats“ – eine von vielen spannenden Rollen.

Essen. Wenn Ryan Gosling wollte, könnte er längst Hollywood-Superstar sein. Er hätte drei romantische Komödien und ein paar teure Action-Filme gedreht, bekäme gigantische Gagen, alle würden ihn kennen. Bisher hat der Schauspieler das offenbar nicht gewollt. Hat hauptsächlich in kleinen und schrägen, komplizierten und kunstvollen Filmen gespielt und mit 31 ordentlich Mimen-Meriten gesammelt. Die Zeiten als Geheimtipp sind allerdings langsam vorbei – wenn schon Kollege George Clooney über Gosling sagt: „Er ist einer der besten seiner Generation.“

Das sehen immer mehr so. Gerade ist er für zwei Golden Globes nominiert worden, für seine Rolle in der sehr witzigen Ensemble-Komödie „Crazy, Stupid, Love“ und für seine Arbeit mit Clooney in dessen Polit-Thriller „The Ides of March – Tage des Verrats“. Darin spielt der Kanadier einen Politk-Berater im Wahlkampfteam von US-Gouverneur Morris, der Präsident werden will – und hält mit den Leinwand-Schwergewichten Clooney, Philip Seymour Hoffman und Paul Giamatti ganz locker mit. Dafür könnte es gut eine Oscar-Nominierung geben, meinen Experten.

Ryan Gosling als engagierter, aber cracksüchtiger Lehrer

Es wäre nicht die erste. Schon mit 26 war Gosling für die wichtigste Auszeichnung der Filmbranche nominiert, da hatte er in der Indie-Produktion „Half Nelson“ einen so engagierten wie cracksüchtigen Geschichtslehrer verkörpert. Ähnlich intensiv war seine Arbeit im hochgelobten Beziehungsmelodram „Blue Valentine“: Gosling und Michelle Williams spielen ein Paar, dem die Liebe abhanden kommt.

Ryan Gosling selbst scheint die Liebe im Film zu finden, die aktuelle Beziehung zu Kollegin Eva Mendes ist nur das jüngste Indiz. Nach seinem Auftritt in „Mord nach Plan“ als Sohn aus reichem Haus, der aus Langeweile einen Mord begeht, war er mit Hauptdarstellerin Sandra Bullock liiert. In der Schmonzettenverfilmung von Nicolas Sparks’ „Wie ein einziger Tag“, die ihn in den USA bekannt machte, lernte er seine Landsfrau Rachel McAdams kennen, mit der er mehrere Jahre zusammen war. Und als ob die himmelblauen Augen und schiefe Grinsen nicht genug Schmachtfaktor wären, hat er in Interviews erklärt, dass erstens die Beziehung zu McAdams weitaus romantischer als die Film-Romanze gewesen sei (aaah!), und dass er zweitens mit ihr und Bullock bereits die bestmöglichen Freundinnen gehabt habe und wahrscheinlich für alle weiteren verdorben sei (oooh!).

Karrierestart mit Britney Spears und Justin Timberlake

Der Showbusiness-Karrierestart im zarten Alter von zwölf Jahren mit Britney Spears, Christina Aguilera und Justin Timberlake im „Mickey Mouse Club“ des Disney Channel hat ihn glücklicherweise nicht verdorben. Zwar folgten erst mal Rollen in grottenschlechten TV-Produktionen, aber mit 21 gelang Gosling der Durchbruch auf der Leinwand mit der komplexen Darstellung eines charismatischen jüdischen Neonazis in „The Believer – Inside a Skinhead“. Sehr simpel wirkte sein Lars in „Lars und die Frauen“: Ein junger Mann in emotionaler Krise verliebt sich in eine Sex-Puppe. So krude die Handlung klingt, so unschuldig bleibt die Beziehung zu „Bianca“ – und wird wegen der großen Herzen der Kleinstadt-Nachbarn irgendwann überflüssig.

Ryan Gosling kann offenbar gerade nichts falsch machen. Sieht gut aus, ist aber nicht zu schön, wirkt jungenhaft, aber nicht unreif, und macht im schmalen Anzug auf roten Teppichen genauso eine gute Figur wie im Schlabber-Freizeitdress, wenn er im wahren Leben in den Straßen New Yorks souverän zwei sich prügelnde Streithähne trennt; die jungen Frauen, die das Handy-Video ins Internet gestellt haben, hyperventilieren hörbar, als sie erkennen: „Das ist der Typ aus dem Film!“

Ryan Gosling umgibt sich mit einer Mauer aus Charme

Genau. Wer Gosling jenseits seiner Filme ist, ist für Außenstehende nicht zu erkennen. Wie Clooney, mit dem er wegen seiner Filmstar-Qualitäten immer häufiger verglichen wird, umgibt sich der Schauspieler in Interviews mit einer dicken Mauer aus Charme: Fühlt sich gut an, ist aber undurchlässig. Gosling ist witzig, wirkt sehr bescheiden, ehrlich interessiert an Kunst und fast so cool wie der Stunt-Fahrer, den er in „Drive“ (ab 26. Januar im Kino) spielt. Trotzdem bleibt der Mann, der regelmäßig Ballett trainiert, Mitinhaber eines marokkanischen Restaurants in Los Angeles ist und sich auch mal ein paar Jahre dem Musik-Projekt „Dead Man’s Bones“ gewidmet hat, ziemlich geheimnisvoll.

Macht nix, ist auch sexy, finden seine Fans. Als das amerikanische Hochglanz-Klatschblatt „People“ vor einigen Wochen Schauspieler Bradley Cooper zum „Sexiest Man Alive“ ernannte, rotteten sich Goslingistas zusammen, um klarzustellen, dass Ryan – nur auf Platz 10! – des verdienten Sieges beraubt worden sei. Die Demonstrantinnen werden in der „Crazy, Stupid, Love“-Szene vermutlich reagiert haben wie Emma Stone, als Aufreißer Jacob, bevor er seine Schwäche entblößt, seinen Oberkörper frei macht: „Ist das dein Ernst? Du siehst aus wie gephotoshopped!“