Romantische Botschaften in „Briefe an Julia“

Arnold Hohmann
Julia (Amanda Seyfried) entdeckt Liebesbotschaften aus vergangener Zeit. Foto: Concorde Filmverleih
Julia (Amanda Seyfried) entdeckt Liebesbotschaften aus vergangener Zeit. Foto: Concorde Filmverleih
Foto: Concorde Filmverleih

Essen. Schöne Menschen, schöne Landschaften und das immerwährende Thema der unglücklichen Liebe. Gary Winicks Sommerromanze „Briefe an Julia“ bleibt trotz italienischer Sonne ein wenig blass.

In letzter Zeit mehren sich die Filme, in denen gestresste Amerikanerinnen die Flucht nach Italien antreten, um sich dort auf die Suche nach echter Romantik zu begeben.

Natürlich ist die in der malerischen Weite der Toskana eher zu entdecken, als in den Straßenschluchten von New York. In „Briefe an Julia” von Gary Winick allerdings unternehmen Sophie (Amanda Seyfried) und Victor (Gael Garcia Bernal) eine Art vorweggenommene Hochzeitsreise nach Bella Italia - und verlieren vor Ort ihre romantischen Gefühle sehr schnell. Sie signalisiert mit ihren tiefen Kulleraugen-Blicken, dass sie Zuneigung spüren möchte, er jedoch kümmert sich nur ums Geschäft.

Damit ist der Weg frei für die eigentliche Geschichte des Films, die im Verona von „Romeo und Julia“ mit den Briefen an Shakespeares Titelheldin zu tun hat. Frauen aus aller Welt schreiben sich hier ihren Kummer von der Seele, heften ihre Briefe an eine Wand, wo sie von „Julias Sekretärinnen” eingesammelt und beantwortet werden. Sophie bekommt Kontakt zu den Damen und entdeckt an besagter Wand zufällig den 50 Jahre alten Abschiedsbrief einer Engländerin an ihren feurigen Lorenzo.

Bewegende Doppelung der Ereignisse

Wir nähern uns dem Zentrum des Films, denn auf Sophies späten Antwortbrief reist die alte Dame Claire in Gestalt von Vanessa Redgrave an. Gemeinsam grast man nun die Gegend um Verona ab, um den richtigen Lorenzo aus zwei Dutzend Möglichkeiten herauszupicken. Und weil auch die junge Dame etwas fürs Herz braucht, reist Claires steifer Enkelsohn Charlie mit. Regisseur Winick („Bride Wars”, „30 über Nacht“), der zu den besseren Komödienregisseuren Hollywoods gehört, kann hier gar nichts mehr falsch machen: Wie die Redgrave mit bangem Herzen jedem neuen Lorenzo voller Hoffnung entgegenblickt, das rührt nicht nur die Damen im Parkett an.

Der Clou des Films ist, dass der wahre Lorenzo am Ende die Gestalt von Franco Nero besitzt. Und wer die Geschichte der zwei Schauspieler kennt, die vor über 40 Jahren eine Affäre samt gemeinsamem Sohn hatten, erst 2006 dann tatsächlich geheiratet haben, der spürt eine bewegende Doppelung der Ereignisse. Es adelt einen Film, der sonst das übliche Mittelmaß nicht überschritten hätte.