Michael Schmid-Ospach verlässt Filmstiftung NRW

Düsseldorf. „Film muss etwas Berührendes haben”, meint Michael Schmid-Ospach. „Er muss Kopf und Seele gleichzeitig ansprechen.” Nach dieser Maxime hat er fast ein Jahrzehnt lang die Geschäftsführung der Filmstiftung NRW betrieben. Ende März wird er sich mit knapp 65 Jahren von diesem Posten verabschieden. Dass ein Nachfolger bisher noch immer nicht benannt ist, trübt dieses Ausscheiden ein wenig. MSO, wie man ihn in den Arbeitsräumen im Düsseldorfer Medienhafen nennt, hätte gern klare Verhältnisse, auch für seine Mitarbeiter.

Die Filmstiftung habe schon exzellent dagestanden, betont Schmid-Ospach, als er 2001 die Position von Dieter Kosslick übernahm. Aber verändert hat sie sich seitdem doch stark. „Wir haben inzwischen ein großes Netzwerk an europäischen Kontakten”, erklärt der scheidende Filmförderer mit Stolz. „Starke Kooperationen mit Polen und Frankreich etwa. Und wir konnten nicht wenige NRW-Firmen an diesen Verbindungen teilhaben lassen.”

Schmid-Ospachs Blick war immer auf Europa gerichtet, die USA überlässt er lieber dem Förderprogramm des Bundes. Dass er dabei auch noch lieber jenen geholfen hat, die es schwer hatten mit der Finanzierung ihrer nicht immer leichten Filme, hat ihm auch Kritik eingebracht. „Wir müssen Augenpulver vermeiden”, verteidigt Schmid-Ospach seine Position, „und nicht automatisch in Erfolgsmodelle investieren.” Beim ersten Film des Regisseurs Til Schweiger („Barfuß”) sei man deshalb noch dabei gewesen, danach sei er ein Selbstläufer geworden, der Hilfe aus NRW nicht mehr nötig gehabt habe.

„Mit Abstand die spannendste Filmförderung“

Glaubt man ihm, dann besitzt NRW „die mit Abstand spannendste Filmförderung”. Eine mit internationaler Wirkungskraft und Verankerung in diesem Bundesland. Geschafft habe man das mit einem Landesbeitrag, der deutlich etwa unter dem von Bayern oder Berlin-Brandenburg liege. Bisher hat man die Finanzkrise noch glimpflich überstanden: Einbußen im Etat gab es lediglich bei der Eingliederung des einst in Mülheim beheimateten Filmbüros, dessen Etat danach stillschweigend entfiel, und durch eine Streichung von 2,5 Millionen seitens des Landes. Mittlerweile bewegt man sich bei 32 Millionen Euro Budget im Jahr, mit denen man nicht nur Filme unterstützt, sondern auch die Digitalisierung kleinerer Kinos finanziert, den Filmvertrieb unterstützt und sogar Hörspiele auszeichnet.

Dass ein Viertel des Geldes an Fernsehprojekte fließt, findet Schmid-Ospach in Ordnung, schließlich zahlten WDR, ZDF und RTL ja auch in die Stiftung ein. Auch hier aber wählt man aus, fördert das Zustandekommen von Besonderem. „Ich glaube nicht”, so Schmid-Ospach, „dass man die Stiftung missbrauchen darf für die kleinen Dinge des Fernsehens.”

Zehn Jahre Filmstiftung, das ist für Schmid-Ospach auch die Erinnerung „an viele wunderbare Menschen”. An Armin Mueller-Stahl zum Beispiel, „der mir Thomas Mann von einer ganz anderen Seite gezeigt hat”. An Julia Jentsch, die man in dem polnischen Film „33 Szenen aus dem Leben” ganz gegen ihr Image besetzt habe und „die dort plötzlich zu einer erotischen Offenbarung wurde”. Oder an Joachim Król, der ihm in „Henri 4”, ganz gegen alle Erwartung, plötzlich sehr glaubhaft als südfranzösischer Kriegsherr begegnet sei.

Geburtshelfer der Filme

Wenn er Positives hervorheben soll aus seiner Amtszeit, dann nennt er Filme wie „Bella Martha”, die anfangs chancenlos schienen, denen man aber habe helfen können, einen Siegeszug anzutreten – Schmid-Ospach, der Geburtshelfer. Hingegen schmerzt es ihn, „wenn jedes Jahr eine Handvoll gelungener Filme im Kino abstürzen, aus Gründen, für die sie nichts können”. Dann sei da „immer der Zweifel, man habe nicht genug getan für sie”.

Wie sieht er dem Ruhestand entgegen? „Ich freue mich auf das ,Slow Go’”, beteuert MSO. „Vor allem darauf, dass man nicht mehr nur den Film, sondern das ganze Leben auf sich wirken lassen kann.” Es existiert also doch, das Leben außerhalb des Kinos.

 
 

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