„Megamind“ - Schurken, Helden... alle super!

Megamind. © Paramount
Megamind. © Paramount

Essen.. Eher ein Spaß für die Großen: Das Animationsabenteuer „Megamind“ ist eine liebevolle Parodie auf Comic-Heroen - mit einem blauhäutigen Riesenschädel, der auf der Erde in einem Gefängnis landet und diesem Umfeld verpflicht bleiben wird.

Noch immer sind Animationsfilme die beste Spielwiese für Helden ungewöhnlichen Zuschnitts. Mal ist es ein kleiner Roboter („Wall-E“), mal ein grüner Oger („Shrek“). Und jetzt er­o­bern auch noch die Bösewichte den Part als Sympathiefigur. „Ich – einfach unverbesserlich“ hat es gerade erst de­mon­striert, „Megamind“ nun er­wei­tert diese Umkehr mit psychologischem Feingefühl.

Regisseur Tom McGrath und sein Team versuchen sich hier an einer liebevollen Parodie auf Superman & Co., die mit ihrer Hintergründigkeit am Ende jedoch eher das er­wachsene Publikum begeistern wird. Es beginnt wie bei „Superman“: Auf einem dem Untergang geweihten Planeten werden gleich zwei Kinder von ihren Eltern auf die rettende Reise zur Erde geschickt. Der künftige Superheld Metro Man landet im Schoß einer reichen Familie, wird später Klassenprimus und ein langweiliger Schönling. Der blauhäutige Riesenschädel Megamind kommt in einem Gefängnis runter. Er wird diesem Umfeld verpflichtet bleiben.

Der Kleinkrieg beginnt schon im Klassenzimmer

Der Kleinkrieg der beiden Neuankömmlinge in Metro City beginnt schon im Klassenzimmer und nimmt später immer gigantischere Formen an. Es regiert das eherne Gesetz der Comics: Jeder Superheld bedarf eines Superschurken, sonst wäre sein Nutzen schnell in Frage gestellt. Hier jedoch steht der Superschurke irgendwann ohne Gegner da, denn einer seiner infamen Anschläge, unglaublich, hat Metro Man offenbar das Leben gekostet. Langeweile ist die Folge, die auch Megaminds Helferlein Minion (toll: ein Fisch in einem Wasserglas in einem Roboter-Körper) auf Dauer nicht vertreiben kann. Und dann ist da auch noch die Sehnsucht nach der hübschen TV-Reporterin Roxanne Ritchi, der sich unser blauer Freund nur in veränderter Gestalt zu nähern wagt.

Freund? Natürlich ist er das, schließlich ist uns Megamind von Beginn an als beredter Ich-Erzähler ans Herz gewachsen. Auch wenn er einschüchternde Plakate mit seinem Konterfei und dem Motto „No, you can’t“ aushängt. Längst hat der Film alles stereotype Rollenverhalten außer Kraft gesetzt, zeigt die Tragik des Superschurken ohne Antipoden als Lebenskrise. Und setzt noch einen drauf: Wenn Megamind sich mit geretteter Metro Man-DNA in Gestalt des dicklichen Kameramannes Hal einen neuen Supergegner erschaffen will, hat die Erde schließlich doch nur einen Bösewicht mehr. Die Zeiten ändern sich.

 
 

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