Max Ophüls Preis 2009 - Komödien bleiben Mangelware

Saarbrücken. Selbstbewußt zeigt sich der deutsche Filmnachwuchs beim Saarbrücker Filmfestival Max Ophüls Preis, leichte Stoffe und Komödien suchte man aber, wie gewohnt, vergeblich. Der österreichische Regisseur Thomas Woschitz wurde für seinen Film "Universalove" mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

Wenn viele Unternehmen Kurzarbeit anordnen, die Umsätze sinken, die Ängste zunehmen, dann geht das verdüsterte gesellschaftliche Klima auch an jungen Filmregisseuren nicht spurlos vorbei. Deutlich zu sehen war das auf dem diesjährigen Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken: Im wichtigsten Festivalsegment, dem Wettbewerb der langen Spielfilme, dominierten Problemfilme und ernste Themen von zerfallenden Familien über Migrantenschicksale bis zum Freitod. Der Max-Ophüls-Preis 2009 ging jedoch an einen Episodenfilm über die Liebe: Der österreichische Regisseur Thomas Woschitz nahm den Hauptpreis am Samstagabend für seinen Film "Universalove" in Empfang.

Zur Begründung der Jury hieß es, Woschitz werfe an allen sechs Schauplätzen des Films "einen lebensklugen Blick" auf die Liebe - ihre Verwirrungen, Verrücktheiten und Vergeblichkeiten. In seinem Episodenfilm habe der Regisseur aus der Ästhetik des Musikvideos eine junge, eigensinnige Erzählweise entwickelt. Jede Figur habe ihre eigenen Bilder, ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Atmosphäre, "Und am Ende hält die Welt vor lauter Liebe für einen Augenblick den Atem an", so die Jury.

Schwere Kost

Der Preis für den besten Nachwuchsdarsteller ging an Sergej Moya für seine Rolle in "Kronos. Ende und Anfang". Zur Begründung hieß es, er habe die Tragik des Vater-Sohn-Konflikts facettenreich und psychologisch genau dargestellt. Als beste weibliche Darstellerin wurde Irina Potapenko ausgezeichnet. In dem Film "Revanche" verkörpert sie nach Ansicht der Jury eine Prostituierte, ohne gängige Klischees zu bedienen und gibt ihr so Glaubwürdigkeit.

Beim Festival, das in diesem Jahr 30. Jubiläum feiert, suchte man Komödien oder heitere Sujets vergebens. Allenfalls die Tragikomödie "So glücklich war ich noch nie" über einen notorischen Hochstapler, der sich in eine schöne Prostituierte verliebt und sie unbedingt aus einem Bordell befreien will, setzte hin und wieder humoristische Akzente. Kenntnisreich zeichnet der Regisseur Alexander Adolph darin die gespaltene Persönlichkeit des Protagonisten nach, der von Devid Striesow mit frappierender Wandlungsfähigkeit gespielt wird. Aber auch Nadja Uhl ist in diesem klugen Film eine Augenweide als widerspenstige Hure mit traurigem, aber klarem Blick für das Machbare. Der Film kommt im April in die deutschen Kinos.

Selbstbewusstsein war das Stichwort für die aktuelle Werkschau des deutschsprachigen Filmnachwuchses in Saarbrücken. In einer erstaunlichen Bandbreite solider Produktionen zeigte er, dass die Ausbildung der Jungfilmer in den Filmhochschulen Früchte trägt. "Vielseitig in der Erzählweise, handwerklich auf hohem Niveau, mutig in seinem Anspruch, authentisch in seiner Themenwahl", konstatierten die Festivalleiter Gabriella Bandel und Philipp Bräuer zum diesjährigen Jahrgang.

Kraftvoll und kantig

Die schlüssigste Inszenierung gelang der Schauspielerin Ina Weisse in ihrem Regiedebüt "Der Architekt", in dem sie Stars wie Josef Bierbichler, Matthias Schweighöfer und Sandra Hüller zu einer eindrucksvollen Ensembleleistung führt. Bierbichler spielt in dem Film kraftvoll und kantig einen erfolgreichen Hamburger Architekten, der mit Frau und zwei erwachsenen Kindern in sein bayerisches Heimatdorf fährt, um seine Mutter zu beerdigen. Durch die Konfrontation mit lange verdrängten Konflikten und das Wiedersehen mit seiner Ex-Geliebten im Bergdorf beginnt die scheinbar harmonische Fassade der Familie zu bröckeln. Der Film läuft bereits am 5. Februar in den Kinos an.

Mit dem Preis des saarländischen Ministerpräsidenten wurde ein Exil-Iraner ausgezeichnet. Arash T. Riahi, der seit vielen Jahren in Österreich lebt, erzählt in "Ein Augenblick Freiheit" von drei iranischen Flüchtlingsgruppen, die hoffen, von Istanbul aus in den Westen zu gelangen. Man merkt dem packenden Drama an, dass Riahi sechs Jahre an dem Stoff gearbeitet und das Drehbuch im renommierten Sundance Institut in den USA zur Drehreife gebracht hat. Die Tragik einiger Fälle balanciert Riahi souverän mit einer guten Portion schwarzen Humors aus. Ein sehenswerter Film, der einen Kinostart verdient hat. (ddp)

 
 

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