Filmtitel auf Deutsch für Fortgeschrittene

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Essen. "Quantum of Solace - Ein Quantum Trost" - darauf muss man erstmal kommen. Die Übersetzungen von Filmtiteln aus dem Amerikanischen ins Deutsche sind schwierig. Manch Übersetzer gibt sich Mühe, oft gehen die deutschen Versionen aber nach hinten los. Eine Sammlung.

Auf seinen jüngsten Streich ist Mark Leiblein besonders stolz. Wer hätte sich, trotz Sandra Bullock, schon für einen Film interessiert, der mit dem drögen Titel „Der Heiratsantrag” um Kundschaft an der Kinokasse buhlt? „Selbst ist die Braut” machte Leibleins Agentur „Namestorm” aus „The Proposal”. Eine Redensart als Grundlage, da muss man nicht gleich ehrfürchtig auf die Knie fallen. Aber werbewirksamer als das Original ist es allemal. Namensgebung ist Leibleins Geschäft.

Wer ins Kinoprogramm guckt, kann sich allerdings denken, dass „Namestorm” vom Filmgeschäft allein kaum leben könnte. Rund die Hälfte aller Titel bleiben mittlerweile unübersetzt. Der Film der Woche heißt „Public Enemies” – keineswegs so selbstverständlich wie es „American Gangster” war. Leiblein hat Verständnis dafür, dass englische Begriffe stehen bleiben, selbst wenn viele der Sprache nicht mächtig sind und rätseln, was gemeint ist.

„Speed” hat mehr Sex-Appeal als „Geschwindigkeit”

„Wenn Computerspiele wie ,Resident Evil' verfilmt werden, hätte die Fange-meinde wenig Verständnis dafür, wenn das übersetzt würde”, glaubt er. Auch bei Action- und Gruselstreifen funktioniere ein englisches Wort. „Bei Horrorfilmen muss es dann mystisch klingen oder kurz und knackig wie bei ,Saw'”. „Speed” hat mehr Sex-Appeal als „Geschwindigkeit”.

Und was ist mit „Inglourious Basterds”? Leiblein: „Das ist ein Tarantino, der kann machen was er will, und es funktioniert.” Stimmt. „Pulp Fiction” klingt nun mal besser als „Schundroman”, das muss sogar einer zugeben, der mit Übersetzungen sein Geld verdient. Auch Will Smith-Filme genössen Narrenfreiheit. „,I am Legend', das klingt doch wie falsch aus dem Deutschen ins Englische übersetzt”, lästert Leiblein. Und was könne man mit dem Titel „Hancock” anfangen? Für die Coen-Brüder muss wohl die selbe Regel gelten. Mit „Blood Simple”, „The Big Lebowski” und „Fargo” kommt man noch durch. Aber an „Burn After Reading” müsste man sich eigentlich die Finger verbrennen.

Lokale Marktkenntnis

Meist bietet ein deutscher Titel oder wenigstens ein Zusatz Mehrwert, glaubt Leiblein. Auch wenn er einräumen muss, dass selbst das nicht immer klappt. Bei der inflationär benutzten Adjektiv-Substantiv-Combo: „Tödlicher Augenblick”, „Einsame Entscheidung”, „Verlockende Versuchung” darf man weiter rätseln. Verlorener Überblick möchte man da hinzufügen.

Beim Filmverleiher Constantin hat man sich entschlossen, grundsätzlich zu übersetzen. „Wir versuchen mit allen unseren Filmtiteln den jeweiligen Film bestmöglich für unser Publikum zu beschreiben und den Kern der Produktion zu treffen”, sagt Vorstandsmitglied Martin Moszkowicz. Das sei mit deutschen Titeln einfacher. Der Titel für eine amerikanische Produktion werde ohne Rücksprache mit dem Lizenzgeber vergeben. „Man vertraut auf unsere lokale Marktkenntnis." Für Mitbewerber Kinowelt sind durchschnittliche Englischkenntnisse der Gradmesser. Damit es für „Pretty Woman” reicht.

Überwiegend schreckliche Entgleisungen

Bis in die Siebziger Jahre hinein übersetzten alle Filmverleiher fleißig, und entgegen anders lautender Vorurteile zeugten sie dabei nicht nur peinliche Ergebnisse. Aus Nicolas Roegs „Don't Look Now” wurde „Wenn die Gondeln Trauer tragen”, aus Hitchcocks „North by Northwest” mit Cary Grant „Der unsichtbare Dritte”, aus „Once Upon a Time in the West” „Spiel mir das Lied vom Tod”. „Das”, so Leiblein „sind natürlich herausragende Beispiele, so weitschweifig ist man heute nicht mehr.” Und weil das „Glass Bottom Boat” in Deutschland mit Doris Day nicht absaufen, sondern nach einer flotten Komödie klingen sollte, wagte sich der Verleiher 1966 mit „Spion in Spitzenhöschen” relativ weit vor.

Der freizügige Umgang mit dem Originaltitel förderte allerdings überwiegend schreckliche Entgleisungen zutage, die der limitierten Dichtkunst ebenso geschuldet waren wie der Erwartungshaltung an ein Publikum, dem man offenbar nicht viel zutraute. Wie wären sonst „Wise Guys” zu „Zwei Pflaumen in der Unterwelt” geworden, wie „Dragnet” zu „Schlappe Bullen beißen nicht” oder „Airplane” zu „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug”? Auf welch irreführenden Ideen die Autoren dabei kommen, zeigt „Five Corners” mit Jodie Foster. Die deutsche Version„Pinguine in der Bronx” klingt irgendwie nach einer lärmigen Komödie, nach will man nicht sehen. Es ist ein harter Thriller. Ein sehenswerter.

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