Dressierter Dreier

Christoph Waltz als August (v.l.), Robert Pattinson als Jacob und Reese Witherspoon als Marlena in dem Kinodrama „Wasser für die Elefanten“ von Francis Lawrence. Foto: 20th Century Fox
Christoph Waltz als August (v.l.), Robert Pattinson als Jacob und Reese Witherspoon als Marlena in dem Kinodrama „Wasser für die Elefanten“ von Francis Lawrence. Foto: 20th Century Fox
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Essen.. Im Kinoangebot plötzlich einen Zirkusfilm zu entdecken, das hat geradezu etwas Anachronistisches. Längst be­sitzt die Wunderwelt der Ma­nege mit ihren Tieren und Akrobaten nicht mehr jene Faszination, die sie früher als bunter Fluchtpunkt vor dem Alltag hatte. Große Epen über das Leben in diesem ganz eigenen Kosmos zwischen Wohnwagen und Auftritt, Filme wie „Die größte Schau der Welt“ von Cecil B. DeMille, wären im heutigen Medienzeitalter nicht mehr zu realisieren.

An die Verfilmung des Bestsellers „Wasser für die Elefanten“ von Sara Gruen hat man sich wahrscheinlich nur deshalb gewagt, weil das Thema Zirkus hier eingebettet ist in ein Zeitbild der Großen Depression Anfang der 1930er-Jahre.

Bösewicht vom Dienst

Inmitten dieser Krise verliert Jacob Jankowski (Robert Pattinson), Sohn polnischer Einwanderer, seine Eltern durch einen Verkehrsunfall. Sein Examen als Veterinär muss er sausen lassen, ein Berg von Schulden raubt ihm auch noch das Anwesen der Familie. Jacob wird zu einem Nichtsesshaften, der per Zufall auf einen Zirkuszug aufspringt, um sich nach einigen Anfangsschwierigkeiten im Schoße der Gemeinschaft aus Arbeitern und Artisten wohlzufühlen. Umso mehr, da entlang der Schienen die Impressionen von bitterster Armut kein Ende nehmen.

Regisseur Francis Lawrence („I Am Legend“) zeigt sich am Zirkusleben selbst gar nicht so sehr interessiert. Es bleibt der blasse Eindruck eines relativ bescheidenen Unternehmens, vor dessen Hintergrund sich eine leidenschaftliche Dreiecks-Liebesgeschichte ent­wickelt. Jacob nämlich verliebt sich in die Dressurreiterin Marlena (diesmal sehr wächsern: Reese Witherspoon), die aber leider mit dem schwer einzuschätzenden Zirkusdirektor August Rosenbluth (Christoph Waltz) verheiratet ist. Trotzdem kommt man sich über die Pflege einer Elefantendame näher.

Da lauern Jähzorn, Willkür und verständliche Eifersucht

Der Rest ist Schauspielkunst, von der bei Waltz sehr viel mehr vorhanden ist als bei dem „Twilight“-Star Pattinson, der vergeblich versucht, seinen Jacob mit emotionaler Kraft auszustatten. Waltz hingegen schafft es tatsächlich, seinem Bösewicht vom Dienst derart viele Facetten zu verleihen, dass dadurch leicht die interessanteste Figur des Films entsteht. Hinter Freundlichkeit und Sehnsucht nach Freundschaft lauern bei ihm immer wieder Jähzorn, Willkür und letztlich auch verständliche Eifersucht.

 
 

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