Disneys Frosch küsst schön gezeichnet

Foto: Disney

Essen. Disney schickt jetzt nach langer Zeit mal wieder einen Zeichentrickfilm ins Kino: „Küss den Frosch” jazzt durch New Orleans - mit einem grandiosen Soundtrack von Randy Newman und einem schier berauschenden Bilderreichtum.

Vielleicht erinnert sich mancher noch daran, dass Disneys „König der Löwen” ein Zeichentrickfilm war. Zweidimensional also und ohne Figurenbau am Computer. Dann kam ein Jahr später Pixars „Toy Story”, fügte eine dritte Dimension hinzu und wies damit den Weg in die animierte Zukunft. Das große Geld wurde künftig mit digital kreierten Filmen wie „Shrek” oder „Ice Age” gemacht, Gezeichnetes galt fortan als „retro”. Bis jetzt.

Nun aber kommt „Küss den Frosch” in die Kinos, knüpft an die besten Traditionen einer großen Vergangenheit an und demonstriert nachhaltig, dass ein sorgfältig entwickelter Zeichentrickfilm mit rasanter Musik und starkem Musical-Potenzial noch immer bestehen kann. Ganz davon zu schweigen, dass bei Disney eine ganze Abteilung aus dem Dornröschenschlaf erwacht zu sein scheint.

Froschkönig? Nur bedingt richtig

Wer bei „Küss den Frosch” an das Märchen vom Froschkönig denkt, liegt nur bedingt richtig. Denn hier wird nicht nur ein reichlich verarmter Prinz in ein Breitmaul-Wesen verwandelt, er zieht auch noch eine falsche Prinzessin auf der Suche nach Kapital in sein schleimiges Dasein hinein. Fortan hüpft man gemeinsam durch das Sumpfgebiet von New Orleans und lernt dabei auch die finsteren Seiten des Bayou Country kennen. Ihr Weg zurück in die Menschlichkeit ist zeitlich begrenzt, ihre Suche nach Erlösung aus dem Zauber ein einziger verzweifelter Countdown.

„Küss den Frosch” spielt im New Orleans der 1920er Jahre, im legendären Jazz-Zeitalter also, was seinen Niederschlag in Randy Newmans glanzvollem Soundtrack findet. Im Zentrum steht die junge Farbige Tiana, die sich als Bedienung durchschlägt, aber von einem eigenen Restaurant träumt. Das Gebäude am Wasser hat sie schon gefunden, nur muss die Anzahlung plötzlich in Gänze geleistet werden, weil angeblich zu viele Interessenten vorhanden sind. Daher der Kuss aufs Froschmaul.

Glanzvoller Soundtrack von Randy Newman

Das für Regie und Buch verantwortliche Duo Ron Clements und John Musker, die seit „Arielle – die Meerjungfrau” keinen richtigen Erfolg mehr hatten, scheint bei der Handlungsführung die Phantasie neu entdeckt zu haben. Der in Froschgestalt gezwungene Prinz Naveen und seine neue Gefährtin Tiana bekommen es mit den dunklen Mächten des Voodoo-Priesters Dr. Facilier ebenso zu tun wie mit der weißen Magie der in den Sümpfen hausenden Mama Odie. Und bald schon haben sie in dem dicken Krokodil Lou mit seinem Hang zum swingenden Trompetenspiel und dem Cayun-Glühwurm Raymond zwei Gefährten zur Seite, die für die nötige Portion Komik sorgen.

Man zeigt Mut zu großen, wundersamen Musical-Szenen, etwa wenn Tiana durch ein verfallenes Gebäude streift und ihr Traum vom Restaurant mit traditioneller Küche dabei Zug um Zug Gestalt annimmt; oder wenn Dr. Facilier seine „Freunde von der anderen Seite” beschwört, für die er ständig auf der Suche nach menschlichen Seelen ist. Das ist düster, aber nie so angsteinflößend, dass Kinder davon beunruhigt würden.

Am Ende ist man schier berauscht vom Bilderreichtum dieses Films, von seinem Humor und vor allem von Randy Newmans Songs, deren Tempo und Rhythmus den Film vorantreiben. Und während im Original natürlich auch ein Dr. John als Interpret nicht fehlen darf, wenn es um New Orleans geht, so hat man diesmal auch bei der deutschen Synchronisation die richtigen Akzente gesetzt – mit Namen wie Roger Cicero, Bill Ramsey und Marianne Rosenberg.

 
 

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