Die Liebe ist meistens woanders

Naomi Watts und Anthony Hopkins in Woody Allens 41. Film „Ich sehe den Mann deiner Träume". Foto: Concorde
Naomi Watts und Anthony Hopkins in Woody Allens 41. Film „Ich sehe den Mann deiner Träume". Foto: Concorde
Foto: Concorde Filmverleih

Essen.. Einen Tag nach Woody Allens 75. Geburtstag kommt sein 41. Film in die deutschen Kinos: Am Donnerstag startet „Ich sehe den Mann deiner Träume“ mit Naomi Watts, Antonio Banderas und Anthony Hopkins.

Manchmal ist das, was wir mit Liebe umschreiben, nur der Wunsch nach Veränderung. Nehmen wir Alfie (Anthony Hopkins), der sich nach 40 Ehejahren von seiner Helena trennt, weil die immer nur vom Alter erzählt hat.

Nun geht er in Fitness-Studios und hängt mit dem jungen Callgirl Charmaine (Lucy Punch) rum, deren Beruf er konsequent ausblendet. Wir befinden uns in dem Film „Ich sehe den Mann deiner Träume” von Woody Allen, und Alfie ist natürlich wieder mal ein Alter ego des Regisseurs. So wie schon der Misanthrop Boris Yelnikoff im vorletzten Allen-Film „Whatever Works”.

Auch sonst ähnelt dieser Reigen der auseinanderdriftenden Beziehungen seinem Vorgänger, der schon mit Vergleichbarem aufwartete. Alfies Schwiegersohn Roy (Josh Brolin) beispielsweise hat von Gattin Sally (Naomi Watts) ein wenig zu oft seine Erfolglosigkeit als Schriftsteller vorgehalten bekommen. Nun orientiert er sich in Richtung junger Nachbarin und versucht, sich als Schriftsteller mit fremden Federn zu schmücken.

Die Jagd nach Glück

Nur die verlassene Sally hat überhaupt kein Glück: Ihr Chef, ein Galeriebesitzer (Antonio Banderas), trennt sich zwar von der Ehefrau, hat aber ansonsten ganz andere Absichten.

All diese Erzählstränge schnurren mit der gewohnten Allen’schen Routine ab. Aber alle Eleganz der Übergänge und Verschränkungen kann am Ende doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Figuren dieses Films selbst uns seltsam fremd bleiben, dass sie lediglich Prototypen einer dramaturgischen Beweisführung sind. Allein Naomi Watts vermag den Zuschauer stärker an sich zu binden, ihre Verzweiflung in Liebesdingen geht ans Herz.

Bliebe noch die alte Melanie, die ihr Leben nun nach den Prophezeiungen einer Wahrsagerin auszurichten beschließt. Dass sie jedoch statt eines „hochgewachsenen, dunklen Fremden” ausgerechnet einen kleinen knubbeligen Witwer trifft, der erst im Jenseits um Erlaubnis für eine neue Beziehung nachsuchen muss, das ist vielleicht der schönste Gag in Allens 41. Regiearbeit – dieser Anthologie des Verfalls menschlicher Bindungen.

 
 

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