Die Heilkraft der Handpuppe

Riley Thomas Stewart als Henry (links) und Mel Gibson als Walter in dem Drama „Der Biber“ von Jodie Foster.  Foto: Concorde Filmverleih
Riley Thomas Stewart als Henry (links) und Mel Gibson als Walter in dem Drama „Der Biber“ von Jodie Foster. Foto: Concorde Filmverleih
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Essen..  Mel Gibson in diesen Tagen als Hauptdarsteller eines Films zu erleben, erscheint nicht so ganz selbstverständlich. Die Hollywood-Gesellschaft ist nachtragend und meidet den Australier derzeit aus zwei Gründen wie die Pest: 2006 belegte er volltrunken Polizisten bei einer Verkehrskontrolle mit antisemitischen Hasstiraden; 2009 gelangten Mitschnitte eines Telefonats ins Netz, in dem er seine damalige osteuropäische Lebensgefährtin aufs Tiefste beleidigte. Ausgerechnet Jodie Foster, Gibsons einstige Partnerin in „Maverick“, steht dem Paria nun zur Seite und vertraute ihm die zentrale Rolle in ihrem Film „Der Biber“ an – und spielt auch noch seine Ehefrau.

Es ist, kurz gesagt, ein Glücksgriff. Man könnte sich derzeit kaum einen anderen Schauspieler vorstellen, der in der Lage wäre, derart intensiv einen von Depressionen gequälten Geschäftsmann zu verkörpern. Walter Black, Geschäftsführer einer Spielwarenfabrik, wirkt wie ein lebender Toter, kaum noch fähig zur Kommunikation mit Ehefrau und Sohn, dazu auch noch suizidgefährdet. Das alles ändert sich schlagartig, als er im Müll eine unansehnliche Biber-Handpuppe entdeckt, die ab sofort sein ständiger Begleiter wird. Walter entdeckt, dass er sich über dieses Stofftier plötzlich nicht nur wieder artikulieren kann, sondern dass auch Lebensfreude und Antriebskraft wieder vorhanden sind.

Aus dem Biber wird eine besitzergreifende Horrorgestalt

Was sich als Inhaltsangabe gelesen reichlich bizarr anhören mag, bei Gibson erscheint die Rückkehr ins Leben mit Hilfe dieses ungewöhnlichen Weggefährten völlig selbstverständlich. Die Tatsache aber, dass Walter den Biber mit britischem Cockney-Akzent sprechen lässt (zumindest in der Originalfassung) deutet bereits auf eine beginnende Persönlichkeitsspaltung hin. Nicht er benutzt den Biber, der Biber scheint im Gegenteil immer stärker Besitz von seinem Träger zu ergreifen. Walter kann nichts mehr ohne seinen Begleiter tun, selbst der plötzlich wieder reifende Wunsch nach Sex mit Gattin Me­redith endet in einer befremdlichen Dreierkombination.

Als Regisseurin tut Jodie Foster ihr Möglichstes, um das reichlich ungewöhnliche Drehbuch in ein psychologisch ausgefeiltes Spiel umzusetzen. Die Tatsache aber, dass der Biber schließlich gar Formen einer besitzergreifenden Horrorgestalt annimmt, tut dem Film gegen Ende hin gar nicht gut. Walter, so lernen wir, muss durch Blut waten, um wieder ans Licht zu gelangen. So genau wollten wir das gar nicht wissen.

 
 

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