Die Einheit von Mensch und Metall

Arnold Hohmann
Stumpfe Roboter-Action, die lieferte zuletzt die Transformers-Reihe zur Genüge. Regisseur Shawn Levy beweist mit seinem Film „Real Steel“, dass prügelnde Roboter auch für großes Gefühls-Kino taugen.

Essen. Man sollte sich bei einem Film wie „Real Steel“ nicht vom ersten Eindruck täuschen lassen. Weder vom Namen des Regisseurs Shawn Levy, der mit seinen beiden „Nachts im Museum“-Filmen nicht gerade den besten Eindruck hinterlassen hat. Noch vom Look des Werbematerials, denn dann wäre man schnell bereit, ihn gleich in eine Ecke zu stellen mit den hohlen „Transformers“. Das aber wäre ein schwerer Fehler. Denn obwohl wir hier eine Zukunft erleben, in der monumentale Roboter als Boxer in den Ring steigen, haben wir es doch mit einer Geschichte zu tun, in der menschliche Charaktere mit ihren Problemen die Oberhand behalten.

Vielleicht liegt es daran, dass Levy eine solche Geschichte besser erzählen kann als das bunte Treiben lebendig gewordener historischer Figuren in einem Museum. Vielleicht aber liegt es auch an Hugh Jackman, der den abgehalfterten Boxrobot-Besitzer Charlie Kenton so wunderbar unflätig, hitzig und unberechenbar in einen Publikumsliebling verwandelt. Seine angerosteten Metallgebirge werden ihm der Reihe nach im Ring zu Klump gehauen. Und dann ist da auch noch Sohn Max (Dakota Goyo), den er nach dem Tod der Mutter einen Sommer lang am Hals hat, bevor der Junge von seiner wohlhabenden Tante adoptiert wird.

Natürlich ist sie da wieder, die alte Hollywood-Mär von Vater und Sohn, die erst beschwerlich lernen müssen, miteinander auszukommen, am Ende aber die besten Kumpel werden. Max ist für Charlie ohnehin ein Glücksgriff, weil der Kleine was von Computern und von Robotern versteht. Nach einem Besuch auf einem Schrottplatz für kaputte Kampfroboter taucht er mit einem uralten Trainings­roboter auf, der neben den hochgezüchteten Stars des Boxbetriebs reichlich armselig wirkt. Der Vorteil von Atom, wie man ihn bald nennt, ist der Spiegel-Effekt: Er spult nicht einfach eingegebene Programme ab, sondern ist in der Lage, als Avatar seines Besitzers zu fungieren. Jede von dessen Bewegungen führt er sofort im Ring aus. Wie gut, dass Charlie selbst früher einmal Boxer und mit Sugar Ray Leonard ein echter Profi als Berater am Set tätig war.

So feiert „Real Steel“ am Ende die perfekte Symbiose von Mensch und Metall am Beispiel zweier echter „Underdogs“ – und zeigt ganz nebenbei, dass gute Handarbeit selbst Champions der Monster-Klasse wie den vermeintlich unschlagbaren Zeus ins Schwitzen bringen können. So geht man schließlich mit einem guten Gefühl aus dem Kino. Man hat einen Film mit Charakterköpfen gesehen, die stets im Fokus bleiben. Man hat Action-Szenen erlebt, die zumindest Sinn ergeben. Und eine Geschichte erlebt, die man mitfühlen kann. Dinge, nach denen der Zuschauer in den „Transformers“-Filmen vergeblich gesucht hat.