Die Berlinale wird zum Wettbewerb der Erinnerungen

Berlin. Die Berlinale erinnert an Filmgrößen wie Bernd Eichinger und Werner Schroeter. Viele demonstrieren ihre Solidarität mit dem iranischen Regisseur Jafar Pahani. Sein Stuhl bei den Jurysitzungen bleibt frei.

Die 61. Berlinale wird vielleicht mal als jene bezeichnet werden, in der am umfangreichsten an verstorbene oder mundtot gemachte Kollegen erinnert wurde. An den iranischen Regisseur Jafar Pahani, da­heim zu sechs Jahren Haft verurteilt und mit 20 Jahren Be­rufsverbot belegt, wird an­dauernd erinnert, sein Stuhl bei den Jurysitzungen bleibt stets frei. Und als jetzt im Rahmen des Wettbewerbs sein Film „Offside“ gezeigt wurde, nahmen das viele Filmschaffende zum Anlass, um auf dem Roten Teppich ihre Solidarität zu demonstrieren. Von Senta Berger über Bruno Ganz bis Volker Schlöndorff hatten alle grüne Bänder dabei, die Farbe der Oppositionsbewegung im Iran. Doris Dörrie erschien im grünen Trainingsanzug.

Nina Hoss mit Tränen

Erinnert wurde auch an Bernd Eichinger, der so plötzlich aus seinem Pro­du­zen­tenleben gerissen wur­de. Das Festival präsentierte noch einmal seinen Fernsehfilm „Das Mädchen Rosemarie“ (1996). Für die Schauspielerin Nina Hoss war die Rolle der Edelprostituierten Rosemarie Nit­ribitt der Beginn ihrer Karriere, dieses Jahr ist sie Mitglied der Internationalen Berlinale-Jury. Als sie den Film im Kino International vorstellte, sagte sie mit Tränen in den Augen, sie habe schon gewusst, warum sie bei der Trauerfeier nicht das Wort ergriffen habe.

Auch auf der Leinwand wird gedacht, nicht nur an Pina Bausch. „Mondo Lux“ nennt Elfi Mikesch ihre melancholische Filmhommage an den Kollegen Werner Schroeter. Der Krebs hatte ihn im Kehlkopf gepackt, genau dort, von wo er vor zwei Jahrzehnten auch seine Lieblingsschauspielerin Magdalena Montezuma allmählich zerstört hat.

Für viel Leben sorgte dagegen Modedesignerin Jade Jagger: Die Tochter von Mick Jagger legte am Samstagmorgen auf einer großen Berlinale-Party im Promi-Restaurant Borchardt Musik auf. Promi-Alarm auch in einem Kino am Potsdamer Platz: Dort stellte Pop-Ikone Madonna (52) Filmverleihern Sequenzen aus ihrem neuen Film „W.E.“ vor. Und auch Harry Belafonte (83) reiste an, um die Dokumentation „Sing Your Song“ über ihn als Sänger und Kämpfer für die Menschenrechte vorzustellen: „Wir müssen immer weitermachen“, zitierte er einen Satz, den ihm Nelson Mandela einst sagte. Das tat Belafonte dann auch ausgiebig – mit engelsgleicher Geduld schrieb er Autogramme.

 
 

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