"Der Staat gegen Fritz Bauer" - Politik und Dramatik

Staatsanwalt Karl Angermann (Ronald Zehrfeld, r.) unterstützt  Fritz Bauer (Burghart Klaußner) zunächst, wird aber selbst angreifbar.
Staatsanwalt Karl Angermann (Ronald Zehrfeld, r.) unterstützt Fritz Bauer (Burghart Klaußner) zunächst, wird aber selbst angreifbar.
Foto: Martin Valentin Menke
"Der Staat gegen Fritz Bauer" zeichnet gekonnt ein atmosphärisch ungeheuer dichtes Porträt der Bundesrepublik in den späten 1950er-Jahren.

Essen. Die ersten Szenen von Lars Kraumes Politthriller „Der Staat gegen Fritz Bauer“ haben etwas extrem Gespenstisches. Der von Burghart Klaußner gespielte hessische Generalstaatsanwalt liegt bewusstlos in seiner Badewanne, neben ihm ein Glas Wein und ein Röhrchen mit Schlaftabletten. Was zunächst als Selbstmordversuch gedeutet werden könnte, erweist sich schnell als Unfall. Bauer hatte wie jeden Abend nur eine Tablette genommen. Doch einer der an den Ort des Geschehens gerufenen Polizisten lässt im Auftrag eines hohen BKA-Beamten ein paar Tabletten verschwinden. So lassen sich Gerüchte streuen.

Diese ersten Momente erzählen aber nicht nur von den schäbigen Methoden, mit denen alte NS-Seilschaften versucht haben, den aus der Emigration zurückgekommenen Juden und Sozialdemokraten Fritz Bauer zu diskreditieren. Sie verweisen auch auf Bauers Tod unter ähnlichen Umständen im Jahr 1968.

Erinnerungen an Rainer Werner Fassbinder

Klaußners Fritz Bauer ist ein ständig zwischen Idealismus und Verbitterung hin und her schwankender Einzelgänger in einem atmosphärisch ungeheuer dichten Porträt der Bundesrepublik in den späten 1950er-Jahren. Überall sitzen diejenigen, die ihre eigene Vergangenheit verbergen wollen und dabei vor nichts zurückschrecken. Der junge Staatsanwalt Karl Angermann (Ronald Zehrfeld) unterstützt Bauer zwar, wird aber aufgrund seiner Homosexualität angreifbar. Schließlich war auch Bauer homosexuell.

So bekommt Kraumes ansonsten eher nüchtern erzählter Politthriller eine melodramatische Dimension, die Erinnerungen an die Filme von Douglas Sirk und Rainer Werner Fassbinder weckt. Wie in ihnen gehen auch in „Der Staat gegen Fritz Bauer“ Analyse und Emotion, politisches Bewusstsein und dramatische Effekte Hand in Hand.

Wertung: fünf von fünf Sternen

 
 

EURE FAVORITEN