Brad Pitt kämpft mit seiner Panzerbesatzung ums Überleben

Don Collier (Brad Pitt, Mitte) mit seiner Crew (v.l.n.r.) Swan (Shia LaBeouf), Norman (Logan Lerman), Garcia (Michael Pena) und Travis (Jon Bernthal).
Don Collier (Brad Pitt, Mitte) mit seiner Crew (v.l.n.r.) Swan (Shia LaBeouf), Norman (Logan Lerman), Garcia (Michael Pena) und Travis (Jon Bernthal).
Foto: Sony Pictures Releasing GmbH
In dem Kriegsfilm „Herz aus Stahl“ rollen Brad Pitt und seine Panzerbesatzung in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges durch Nazideutschland.

Essen.. Der Kriegsfilm ist ebenso wie ein Gefängnisfilm das Spiegelbild menschlichen Verhaltens unter extremen Rahmenbedingungen. Die Enge des Raums und lebensbedrohender Druck von außen, diese kennzeichnenden Aspekte des U-Bootfilms, finden sich nun auch in „Herz aus Stahl“. Allerdings klemmt Regisseur und Drehbuchautor David Ayer seine Darsteller hier in die trügerische Sicherheit eines Panzers in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs.

Don Collier hat sich einst geschworen, dass er seine Leute im zugewiesenen Panzer sicher durch den Krieg bringen wird. Bislang hat das einigermaßen geklappt. Man überlebte die Afrika-Offensiven und den Vormarsch durch Europa. Jetzt ist es April 1945, man hat deutschen Boden erreicht, aber erstmalig hat man Verlust erleiden müssen; der Schütze ist tot. Collier und seine drei verbliebenen Jungs „Bible“ Swan (Shia LaBeouf), „Gordo“ Garcia (Michael Pena) und „Coon-Ass“ Travis (Jon Bernthal) bekommen jedoch bald Ersatz zugewiesen.

Charisma mit 51

Norman (Logan Lerman) ist noch Grünschnabel, gerade mal vier Monate dabei und das als Schreibkraft. Collier, den seine Männer Wardaddy nennen, ist nicht begeistert, denn ein unerfahrener Mann an Bord kann das Leben aller gefährden; und dies umso mehr, als Collier und drei weitere Panzer ins deutsche Gebiet vorstoßen sollen, um den Vormarsch der Infanterie zu sichern.

Brad Pitt kommt in die Jahre und zum ersten Mal zeigt er das auf der Leinwand. Was gut ist, denn Pitt verfügt mit 51 nun über ein Charisma, mit dem er hier jede Szene beherrscht und damit so ziemlich den ganzen Film zusammenhält. Was für sich bitter nötig ist, denn David Ayer weist zwar zurück auf große Vorbilder wie Sam Fullers „The Big Red One“(1980) und Sydney Pollacks „Das Schloss in den Ardennen“ (1969), wenn er Schauspieler und Hardware durch gesichtslose, austauschbare Waldlandschaften führt. Militärische Ordnung hat sich längst im Funktionalen des Überlebenstriebs aufgelöst. Collier kämpft gegen die Deutschen, aber er hasst SS-Leute und lässt sie sofort hinrichten. Dass solche regelmäßig praktizierte Selbstjustiz ohne Disziplinarmaßnahmen durchgeht, liegt wohl daran, dass Regisseur Ayer auch den Comicstrip-Historismus von Tarantinos „Inglourious Basterds“ als Vorbild nutzt.

„Herz aus Stahl“ ist in den Details von abstoßender Brutalität, was zumindest dazu dient, zu sehen, was Geschosse anrichten können. David Ayer stellt aber gern

Zusammenhänge her, in denen es allein um Thrill und hohles Heldentum geht, speziell im Finale. Wenn der letzte verbliebene US-Panzer eine Kreuzung im Nirgendwo besetzt und gegen eine deutsche Übermacht den Kampf aufnimmt, dann wird der Durchhaltewille von Alamo und General Custers letzter Schlacht zelebriert. In diesem Punkt können die Amerikaner einfach nicht aus ihrer Haut heraus. Es gibt aber auch eine beachtliche Sequenz, wenn Collier und Norman nach Einnahme eines Dorfes in der Wohnung zweier deutschen Frauen (Anamaria Marinca und Alicia von Ritterberg) Momente gegenseitiger Verständigung und Wertschätzung erfahren.

Das trügerische Idyll von Normalität inmitten abstumpfender Brutalität impft dem Film eine menschliche Intensität ein, die tiefer trifft als das postmodern aufgemotzte Schlussbild. Da liegen gefallene Deutsche rund um den Panzer und sind dabei so drapiert, dass sie im Blick von oben die Form eines Hakenkreuzes ergeben.
Wertung: 3 von 5 Sternen

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