"American Hustle" - Oscarreife Satire mit Bradley Cooper und Christian Bale

Arnold Hohmann
Kinostarts - "American Hustle"
Kinostarts - "American Hustle"
Nach „The Fighter“ und „Silver Linings“ kommt mit „American Hustle“ das nächste Werk des Regisseurs David O. Russell in die Kinos und gilt gleich als Oscar-Favorit. Verlassen kann sich der Tausendsassa in der Polit- und Agentensatire auf sein Starensemble u.a. mit Bradley Cooper und Christian Bale.

Essen. Auf den ersten Blick staunt man nicht schlecht. Ist dieser mit reichlich Bauchansatz gesegnete Zeitgenosse tatsächlich der Christian Bale, der in drei Filmen den düsteren Superhelden Batman gespielt hat? Ist dieser Mensch mit Haarteil, komplizierter Kämmtechnik und dem entsetzlichen Outfit der späten 70er tatsächlich der „Dark Knight“ aus der Trilogie von Regisseur Christopher Nolan? Er ist es wahrhaftig. Bale trägt keinen Bodysuit in seiner Rolle als Trickbetrüger Irving Rosenfeld in David O. Russells Filmtriumph „American Hustle“, er hat sich jedes der zusätzlichen 20 Kilo selbst angefuttert.

Operation „Abscam“ als Vorlage

David O. Russell gilt nach seinen letzten beiden Erfolgen mit „The Fighter“ und „Silver Linings“ als neues Wunderkind des Kinomarktes. 15 Oscar-Nominierungen für zwei Filme, drei davon gewonnen, das muss ihm erst mal einer nachmachen. Inzwischen aber sieht es so aus, als würde er das mit dem Gaunerstück „American Hustle“ wieder selbst besorgen, so heiß, wie dieser Film favorisiert wird für die Verleihung Anfang März.

Russell hat sich für sein neues Werk an der realen „Abscam“-Geheimoperation orientiert, mit der das FBI 1978 eigentlich Hehler von Diebesgut überführen wollten, stattdessen aber auf ausgedehnte öffentliche Korruption stieß. Was er daraus zaubert, ist ein wildes Geflecht aus Spannung, Komik und Vergnügen, wie man es in dieser perfekten Gemengelage nur selten im Kino geboten bekommt.

Korruption und Mafiaverbindungen aufdecken

Um die Handlung nur mal anzureißen, müssen wir auf den von Bale gespielten Betrüger Rosenfeld zurückkommen. Über dessen faule Geschäfte in Sachen Kreditbetrug und Handel mit gefälschten Gemälden ist das FBI längst informiert. Aber statt ihn wegzusperren macht Agent Richie DiMasio (Bradley Cooper) ihm und seiner kongenialen Partnerin Sydney Prosser (Amy Adams) ein Angebot. Rosenfeld soll seine Fähigkeiten einsetzen, um Carmine Polito (Jeremy Renner), den Bürgermeister von Camden, New Jersey, der Korruption und Mafiaverbindungen zu überführen. Polito ist eigentlich ein anständiger Kerl, der aber zu jedem krummen Geschäft bereit ist, wenn es seiner Stadt und deren Bürgern dient. Ein gutgläubiger Mensch wie er fällt sehr schnell auf die Charade herein, die Rosenfeld mit Hilfe eines falschen Scheichs aufbaut und gleich einen US-Senator sowie fünf Abgeordnete mit in den Abgrund zieht.

Man könnte das auch als Drama inszenieren, Russell hingegen blickt lieber auf das Komische all dieses Tuns und liefert uns mit viel leichtfüßiger Ironie und zartem Sarkasmus eine saftige Typenparade. Nehmen wir nur Amy Adams als Rosenfelds Geliebte und intellektuell überlegene Komplizin: Als adlige Engländerin Lady Edith Greensly gaukelt sie den Opfern vor, Beziehungen in höchste Finanzkreise zu haben – und trägt dabei Kleider ohne BH, deren Ausschnitte bis an den Bauchnabel reichen. FBI-Agent DiMasio führt er uns als eitlen Fratz vor, der noch bei Mutti lebt und seinen Haaren mit Lockenwicklern Form gibt. Rosenfelds vernachlässigte Gattin Rosalyn zelebriert Jennifer Lawrence als White-Trash-Gewächs, das ihrem untreuen Gatten ständig Steine in den Weg legt.

Ähnlichkeiten zu Filmen von Martin Scorsese wie „GoodFellas“ und „Casino“

Ein gewisser Einfluss von Filmen Martin Scorsese wie „GoodFellas“ oder „Casino“ sind hier unübersehbar. Da passt es auch wunderbar, dass Robert DeNiro hier als aus Florida angereister Mafioso einen zehnminütigen Cameo-Auftritt absolviert, in dem er besser aussieht, als in manch einem seiner letzten Filme. Russell scheint ein Zauberer zu sein, dem nichts aus dem Ruder läuft, dem alles irgendwie gelingt. Das Ergebnis ist das seltene Gefühl, dass man gleich nach Schluss, wenn die Endtitel noch laufen, diesen Film noch einmal sehen möchte, um all die Puzzleteile mit seinem jetzigen Kenntnisstand neu zusammenzufügen. Es kann gut möglich sein, dass einem „American Hustle“ bei diesem zweiten Sehen noch besser gefällt. Wertung: 5 von 5