Keine Frau hat Joaquin Phoenix bisher das Herz gebrochen

In seinem neuen Film "Her" spielt Joaquín Phoenix "Theodore" - einen Mann, der sich die meiste Zeit als Außenseiter fühlt.
In seinem neuen Film "Her" spielt Joaquín Phoenix "Theodore" - einen Mann, der sich die meiste Zeit als Außenseiter fühlt.
Foto: dpa
Seiner Wirkung ist sich Joaquin Phoenix wohl bewusst. „Manche hielten mich für einen Psychopathen“, sagt der Schauspieler im Interview. Mit „Her“ zeigt sich der Mann, den Johnny Cash persönlich aussuchte, als sein Leben verfilmt wurde, in einem romantischen Film. Donnerstag kommt er ins Kino.

Essen.. Joaquin Phoenix steht seit gut 25 Jahren im Rampenlicht – und ist sich selbst immer treu geblieben. Das ist ihm sehr wichtig, sagt er, gerade in Hollywood. Im Interview mit Ulrich Lössl raucht er ungeniert eine American Spirit nach der anderen. Es scheint ihm zu gefallen, ein bisschen Rauch zwischen sich und die Welt zu bringen.

Wie kommunizieren Sie am liebsten mit Ihren Mitmenschen?

Joaquin Phoenix: Durch die Sprache, denke ich. Aber jetzt, wo ich darüber nachdenke, finde ich Augenkontakt auch sehr wichtig. Ab und zu schreibe ich sogar noch richtige Briefe. Mit Füller auf Papier. Und dann ist gegenseitige Berührung natürlich auch sehr wichtig für mich.

„Wenn man lügen will, kann man das immer tun.“

Ist nonverbale Kommunikation ehrlicher?

Joaquin Phoenix: Nein, das glaube ich nicht. Wenn man lügen will, kann man das immer tun.

Als Schauspieler machen Sie uns doch auf der Leinwand immer etwas vor, oder?

Joaquin Phoenix: Ich würde nicht sagen, dass ich als Schauspieler lüge. Denn das, was ich spiele, empfinde ich schon wirklich. Ich spiele zwar eine Rolle, aber ich tue nicht nur so als ob. Die Manipulation, wenn Sie so wollen, findet schon lange vorher statt - nämlich in mir. Wenn ich zum Beispiel jemanden spiele, der wütend ist, dann bin ich in diesem Moment auch richtig wütend. Alles andere wäre doch unlauter.

„Wenn die Liebe zerbrach, habe ich nur ein paar Schrammen abbekommen.“

In „Her“ spielen Sie Theodore, einen Mann, der sich die meiste Zeit als Außenseiter fühlt. Konnten Sie dieses Gefühl aus Ihrer persönlichen Biographie abrufen?

Joaquin Phoenix: Aber sicher. Ich war zwar noch nie verheiratet, aber jeder, der schon mal eine Trennung durchgemacht hat, weiß, wie einsam und verlassen man sich da fühlt. Und auch wie es ist, von allen schief angesehen zu werden. Das Problem mit Theodore war für mich, dass ihm seine Frau regelrecht das Herz gebrochen hat. Sie will die Scheidung – er kann sich emotional nicht von ihr lösen. Aber ich hatte nicht den blassesten Schimmer, wie sich das anfühlt.

Ihnen hat noch nie eine Frau das Herz gebrochen?

Joaquin Phoenix: Noch nie. Ich war zwar schon heftig verliebt – aber wenn die Beziehung dann in die Brüche ging, war das eben so. Na ja, vielleicht hat mein Ego ein paar Schrammen abgekommen, aber sonst? Die Geschichte im Film hat mehr mit dem Regisseur zu tun als mit mir.

„Ich surfe sehr selten im Internet“

Der Film erzählt von Gefühlen für virtuelle Wesen. Hat er Ihren Umgang mit neuen Medien, mit „Social Media“ verändert?

Joaquin Phoenix: Kaum. Das liegt vor allem daran, dass ich sehr selten im Internet surfe. Und auch auf Facebook, Twitter oder wie diese Plattformen alle heißen, sucht man mich vergebens. Ich google nicht mal. Ich habe ein iPhone. Bisher habe ich das genau zweimal benutzt.

Was treibt Sie im Leben denn mehr an – Lust oder Angst?

Joaquin Phoenix: Beides. Und oft eine Mischung daraus. Ich mag es durchaus, wenn es etwas gefährlich wird. Und immer dann, wenn ich meine Verteidigungsmechanismen total herunterfahre und wirklich schutzlos und verletzlich bin, wird es wirklich interessant. Früher, als junger Schauspieler, bin ich meist mit einer sehr vorgefassten Meinung ans Set gekommen. Ich wusste ganz genau, wie ich eine Figur darstellen wollte. Heute bin ich da viel flexibler.

„Düster? Das ist noch höflich formuliert!“

Täuscht der Eindruck, oder haben Sie Ihr düsteres Image abgestreift?

Joaquin Phoenix: Düster? Das ist noch höflich formuliert. Viele hielten mich sogar für autistisch. Ich hatte früher durchaus den Eindruck, dass sich Leute im Flugzeug höchst ungern neben mich gesetzt haben. Vielleicht hielten die mich für einen Psychopathen, der ihnen bei einem Nachtflug die Kehle durchschneiden könnte (lacht). Dabei war ich auch damals ein sehr fröhlicher Mensch, der Spaß am Leben hat.

 
 

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