Kate Winslet als Floristin in „Die Gärtnerin von Versailles“

Kate Winslet soll als Floristin in "Die Gärtnerin von Versailles" die Vision von Ludwig XIV verwirklichen.
Kate Winslet soll als Floristin in "Die Gärtnerin von Versailles" die Vision von Ludwig XIV verwirklichen.
Foto: Alex Bailey
Kate Winslets neueste Kinorolle ist eine Gärtnerin am Hof von Versailles. Klar, dass bei einer solchen Floristin nicht nur die Blätter sprießen.

Essen.. Große Schauspielkunst im Zeichen einer epischen Romanze in sinnlicher Ausstattung vor historischen Kulissen – all das bietet Alan Rickman in seiner zweiten Regiearbeit „Die Gärtnerin von Versailles“ auf.

Am Anfang steht als Maßgabe eine Vision des Königs. Ludwig XIV. will einen neuen Sitz vor den Toren von Paris. Das Schloss von Versailles soll der Stolz Frankreichs werden und seine Gartenanlagen sollen von einmaliger Schönheit sein. Gartenarchitekt André Le Nôtre (Matthias Schoenaerts) stellt einen kühnen Entwurf vor, episch im Gesamtrahmen, filigran in den Details; sofern sich jemand findet, der Details zu erschaffen in der Lage ist.

Historisch erfundene Figur

Für die Gestaltung und Bepflanzung eines besonders diffizilen Abschnitts bringt er eine Frau ins Spiel, denn Sabine de Barra (Kate Winslet) hat Verstand und Geschmack. Im Labyrinth der Lügen und Intrigen des Hofstaates aber ist sie unerfahren auf sich gestellt. Zwar gibt es hoch gestellte Gönner (Stanley Tucci als des Königs schwuler Bruder) und auch Le Nôtre findet zusehends Gefallen an der Bürgerlichen. Aber Sabine begreift, dass die Gunst des Königs ein trügerisches Gut ist, das schnell Ansehen, Auskommen und schlimmstenfalls den Kopf kosten kann.

Die Entstehung eines der berühmtesten und schönsten Gärten der Welt liefert einen schauprächtigen Hintergrund für ein dramatisches, romantisches Kinoerlebnis aus der Hochphase des Barock. Üppig in den Kostümen und – wenngleich Sabine de Barra eine erfundene Figur ist – historischer Genauigkeit nicht abgeneigt, geschliffen im Wortwitz und voll glühender Leidenschaft unter strenger Etikette ist dies ganz und gar Alan Rickmans Film. Englands Schauspielstar (den meisten bekannt als Severus Snape aus den Harry Potter Filmen) schrieb am Drehbuch mit, führte Regie und setzt als alternder Sonnenkönig seiner Karriere ein weiteres schauspielerisches Glanzlicht auf.

Romanze mit dem alten König

In der vielleicht schönsten Szene des Films kommt es in einem Rosengarten zu einer Begegnung zwischen König und Gärtnerin, die nicht ahnt, mit wem sie gerade die Nachmittagssonne genießt. Wie in des Königs Augen sanftes amouröses Erwachen aufglimmt, aber auch ein Gespür väterlicher Freundschaft und professionellen Respekts, das ist in wohl dosierten Worten und Blicken ausgestaltet, wie sie ansonsten kaum noch im Kino zu finden sind. Die produzierende BBC erweist sich einmal mehr als Hort edler Qualität im Zeichen von Sinn und Sinnlichkeit; auch wenn diese zur Abwechslung in Frankreich angesiedelt sind.

 
 

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