Kai Magnus Sting ist ein Handlungsreisender für Humor

Georg Howahl
Kai Magnus Sting
Kai Magnus Sting
Foto: WAZ FotoPool
Ein Handlungsreisender in Sachen Humor: Der Duisburger Kabarettist Kai Magnus Sting gilt nicht nur als legitimer Nachfolger des legendären Hanns Dieter Hüsch, er hat auch fast zu wenig Zeit, um all die vielen Einfälle aufzuschreiben, die ihm so unterkommen – er schreibt nämlich auch Krimihörspiele, spielt demnächst in Gerburg Jahnkes neuem Stück „Pommes“ einen schwulen Frittenbrater und ist ab Mittwoch mit einem neuen Programm unterwegs: „Hömma, weiß Bescheid!“

Oberhausen. Currywurst und Blutrunst liegen oft nah bei­ein­ander. Zumindest wenn man Kai Magnus Sting heißt, der im Kabarett als Enkel von Hanns Dieter Hüsch gehandelt wird und als Hörkrimi-Autor den Spuren eines Gisbert Haefs folgt. Und diese zwei Gesichter sind nicht einmal die einzigen des wendigen Schnellsprechers: In diesem Jahr wird er noch ein Programm mit Kleinkunst-Großkönner Henning Venske spielen und nebenbei in Gerburg Jahnkes Boulevardstück „Pommes“ auf der Bühne stehen, als Fritteusenbändiger. Womit wir wieder bei der Currywurst wären. Aber der Reihe nach…

Kai Magnus Sting wirkt noch sehr entspannt und korrekt gescheitelt, als wir in der Oberhausener Theaterkneipe „Falstaff“ sitzen. Er rührt ein bisschen mehr Zucker in den Kaffee Latte, während wir über sein neues Solo-Programm „Hömma, weiß Bescheid!“ reden, das in wenigen Tagen feiert. Darin dröselt er in bester Manier eines Konrad Beikircher die sprachlichen Besonderheiten der Region, vom „Hömma“ und „Samma“ übers „Sisse“ bis zum „Krisse“ auseinander. „Krisse“ wie in „Krisse wat am Kopp“. Ein Programm, das zugleich eine Liebeserklärung an die Menschen und die Sprache des Ruhrgebiets und des Niederrheins ist. „Ehrlich, einfach, direkt, so sind sie. Liebenswert“, resümiert Sting.

Das ist die Seite, die man kennt vom Hochgeschwindigkeitshumoristen. Doch, Menschenkenner wird es nicht wundern, es gibt auch eine abgründige Seite bei Sting. Eine Seite, die er vor zwei Jahren mit seinem Hörspielkrimi „Leichenpuzzle“ gezeigt hat, der mit einer illustren Sprecherriege, reichlich schwarzem Humor und einer erklecklichen Zahl von Leichen gespickt war – „ich sage immer: Es gibt nichts Lustigeres als Beerdigungen.“ In der Tradition des legendären „Triumvirats“ von Gisbert Haefs ermittelt hier ein grantiges Rentnertrio auf eigene Faust in einer Mordserie, die weite Kreise zieht, gesprochen unter anderem von Jochen Busse und dem mittlerweile verstorbenen Traugott Buhre.

Dieser Hörspaß ist zwei Jahre alt, warum drüber reden? Weil Fortsetzungen kommen. „Ende des Jahres erscheint ,Die Ausrottung der Nachbarschaft’“, sagt Sting. Und der dritte Teil, „Das dicke Ende“, ist auch schon aufgenommen.

Allein mit diesen Projekten dürfte Sting in diesem Jahr mindestens so gut beschäftigt sein wie sein musikalischer Namensvetter. Aber dann kommt ja auch noch das Programm mit Henning Venske. Der Alte und der Junge, wie passt das zusammen? „Ich kenne Henning noch länger als er mich, nämlich aus der Sesamstraße“, sagt Sting. Er hat ihn bei einer Hamburger Kabarett-Show kennen gelernt und als Erzähler fürs „Leichenpuzzle“ gewonnen. Und als Venske dann einen neuen Bühnenpartner als Ersatz für Jochen Busse suchte, kam er gleich auf Sting. „Wir spielen das ,Gegensätze’-Programm in den Rollen von Großvater und Enkel – und natürlich bekommt die Elterngeneration ordentlich ihr Fett weg“, lacht Sting.

In der Pommesbude

„Fett“ ist übrigens das nächste gute Stichwort, denn auch in Gerburg Jahnkes neuem Stück „Pommes“, das am 20. April im Oberhausener Ebertbad seine Uraufführung erleben wird, steht er als schwuler Bulettenbrater an der Fritteuse. Ganz schön viel, oder? „Eigentlich könnte gleich schon wieder Weihnachten sein“, schnauft der Duisburger zustimmend – und scheint sich drauf zu freuen.

Nicht zu viel? Nebenbei schreibt Sting ja auch noch eine Kolumne für WDR 4 und absolviert reihenweise Gastauftritte. „Ich empfinde manchmal eine merkwürdige Art von Druck, weil ich denke, ich habe zu wenig Zeit. Dann würde ich am liebsten nicht zum Auftritt fahren, sondern einfach weiterschreiben, um all meine Ideen zu Papier zu bringen. Dann kriege ich manchmal den Rappel. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.“