Kafkas "Verwandlung" am Theater Oberhausen

Der Käfer in uns: Szene aus Oberhausens „Verwandlung“.
Der Käfer in uns: Szene aus Oberhausens „Verwandlung“.
Foto: WAZ
Buhrufe gegen die Regie: Andriy Zholdak misslingt am Theater Oberhausen Kafkas "Verwandlung". Während sich die Schausieler verwandeln, mit monströsen Latex-Nasen und Ersatzzähnen bleibt Gregor, der "Käfer", der einzig Normale – eine Idee, deren Umsetzung jedoch zu Wünschen übrig lässt.

Oberhausen. Zweieinhalb endlos lange Stunden sind vergangen, Stunden, in denen dem Publikum wohlweislich eine Pause versagt geblieben ist, da schlägt Andriy Zholdak (Bühnenfassung, Regie, Ausstattung) noch eine bedeutungsschwangere Volte zurück in die Zeit. Nach dem Tod Gregor Samsas (Moritz Peschke) geht seine Schwester Grete (Anja Schweitzer) die Beziehung ein zu einem Mann in schwarzem Ledermantel mit Hakenkreuzbinde (Countertenor Pascal Nöldner). Und eine Schriftprojektion beklagt den Tod der Kafka-Schwestern Elli und Valli 1942 im Lager Chelmno.

Nichts hat bis dahin auch nur ansatzweise auf Kafkas Biografie hingedeutet. Zholdaks "Verwandlung" ist konsequent im Heute angesiedelt. An einer von Kameras dominierten Tischreihe, deren Live-Bilder auf Projektionsflächen übertragen werden, finden sich die Schauspieler zur Leseprobe ein. Sie verwandeln sich die Rollen an, setzen sich monströse Latex-Nasen auf und Ersatzzähne ein – alle bis auf Peschke. Denn Gregor, der "Käfer", ist der einzig Normale in einer gründlich deformierten Gesellschaft.

Langatmige Szenen - eine grauenhafte Vorstellung

Was vielversprechend beginnt, wird in der Folge zu einer Art Stummfilm, der in Echtzeit nachvertont wird. Die Darsteller, durch die unförmigen Beißer fast völlig zur Artikulationsunfähigkeit verdammt, grunzen, schnattern und schmatzen Unverständliches, das zudem noch häufig – wie die pausenlose, alles überlagernde Berieselung mit Musik, Geräuschen, Sounds – aus dem Off zugespielt wird. Beklemmung beim Zuschauer kommt nicht auf, anfängliche Nachdenklichkeit weicht bald wachsendem Desinteresse am Bühnengeschehen. Zumal Zholdak seine Slapstick-Ideen auf unerträgliche Weise zelebriert, jede an sich hübsche Zehn-Sekunden-Szene auf langatmiges Minutenformat zerdehnt. Ursprünglich, war zu hören, dauerte diese Kafka-Fassung noch zwei Stunden länger. Eine grauenhafte Vorstellung.

Den bemitleidenswerten Schauspielern galt aufrichtiger Beifall. Doch wann hat man in Oberhausen zuletzt solch laute Buhrufe gegen die Regie gehört?

Termine: 5. u. 7.11; 19.30 Uhr. Tel. 0208-8578184

 
 

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