Jürgen von der Lippe: Gemütlichkeit ist Trumpf

Foto: Kowalski, Andre

Essen. Er ist eine Institution, im Fernsehen und auf der Live-Bühne. Scheinbar unentwegt ist Jürgen von der Lippe auf Tour. Zurzeit präsentiert er „Das Beste aus 30 Jahren”, 2011 folgt das neue Programm. Carsten Dilly sprach mit dem 62-Jährigen.

Herr von der Lippe, vorab eine gute Nachricht: Zu den Themenbereichen Hawaii-Hemden, Margarethe Schreinemakers, WWF-Club und Gebrüder Blattschuss werde ich keine Fragen stellen...

von der Lippe: (seufzt) Danke!

Lassen Sie uns lieber über Ihre Bühnenarbeit sprechen: Sie sind in Ihren Programmen nie ätzend, wirken eher wie der lustige Onkel, der auf Familienfeiern nach drei Bier...

von der Lippe: Moment mal! Warum müssen es immer diese „drei Bier” sein?

Alternativ: drei Glas Wein?

von der Lippe: (lacht) Dazu muss man wissen, dass es keinen Tropfen Alkohol vor der Arbeit gibt. Das wirkt sich nämlich negativ auf die Konzentration aus.

Verstehe. Steckt denn Kalkül hinter der Form, wie Sie Ihre Nummern präsentieren? Oder sind Sie wirklich so?

von der Lippe: Nun, es gibt da ja immer verschiedene Rollen, in die ich auf der Bühne schlüpfe – größtmögliche Abwechslung ist die Maxime. Sie sind frei, aus all dem eine Sicht meiner Persönlichkeit zu gewinnen. Aber wenn ich in den Programmen eher gemütlich als ätzend rüberkomme, dann fasse ich das als Kompliment auf.

So war's auch gemeint. Sie ruhen in sich, man hört wenig Versprecher oder Äähs. Ist das antrainiert oder haben Sie eine höhere Ebene erreicht?

von der Lippe: Erst einmal ist es so, dass ich auf der Bühne vollkommen glücklich bin. Denn ich gehe da meiner absoluten Lieblingstätigkeit nach. Und natürlich beherrsche ich auch meinen Text.

Sie haben also eine Art Drehbuch für Ihre Auftritte?

von der Lippe: Das muss es geben. Bei mir sind es gut 2,5 Stunden reine Spielzeit! Deshalb führe ich ein Drehbuch mit den neuesten Änderungen. Denn so ein Programm lebt. Das ist wie Holz. Manche Kollegen machen sogar länger als 2,5 Stunden. Was die da zeigen, will ich aber gar nicht sehen. Ich möchte ja auch nicht zwei Tage Wagner hören.

Aber ein Programm von Jürgen von der Lippe würden Sie sich schon angucken, oder?

von der Lippe: Meine alten Programme schaue ich noch ganz gerne. Meine TV-Shows habe ich aber nie gerne gesehen.

Warum?

von der Lippe: Weil ich da immer Fehler entdecke. Das sind eben Sachen, die aus dem Moment geboren sind. Die können nicht so perfekt sein wie ein Bühnenprogramm.

Sie sind also Perfektionist?

von der Lippe: Sicher. Aber Perfektion heißt nach meinem Verständnis: Ich mache das so gut, wie es mir in dem Moment gerade möglich ist. Denn morgen schon kommt mir vielleicht ein besserer Einfall.

Auf die Gitarre vorm Bauch wollen Sie nicht verzichten. Obwohl die Humorform „Blödelbarde” ein wenig aus der Mode gekommen ist?

von der Lippe: Ich beobachte gerade, dass diese Form der Comedy ein Comeback feiert. Das ist doch eh alles zyklisch, alles kommt wieder. Genauso, wie es irgendwann auch wieder die Spielshow im TV geben wird.

Mit Ihnen als Moderator?

von der Lippe: Natürlich nicht! Ab 60 wird man ausgemustert. Das ärgert mich aber nicht. Mein Gott, ich habe doch die Kerben längst im Colt!

 
 

EURE FAVORITEN