Jubel für „Phantom der Oper“ bei Premiere in Oberhausen

„Maskenball“: Das Phantom der Oper im Metronom Theater in Oberhausen.
„Maskenball“: Das Phantom der Oper im Metronom Theater in Oberhausen.
Foto: Stage/Brinkhoff/Mögenburg
Musical-Klassiker „Das Phantom der Oper“ kann auch nach Jahrzehnten immer noch überzeugen. Bis August 2016 ist das Kult-Stück in Oberhausen zu sehen.

Oberhausen.. 80 Meter roter Teppich, 2000 rote Rosen, 1500 geladene Gäste. So pompös ist selten ein Verbrecher im Ruhrgebiet begrüßt worden. Allerdings ist ja auch kein Kleinkrimineller in Oberhausen untergeschlüpft, sondern „Das Phantom der Oper“. Bis August wird das Metronom Theater deshalb zur Pariser Oper. Am Donnerstagabend war Premiere.

Wobei das mit der Premiere in diesem Fall ja so eine Sache ist. Denn das Phantom geistert ja nicht erst seit gestern über Schnürböden und durch Kulissen, sondern bereits seit 1986. Allein in Deutschland, wo es erstmals 1990 auftauchte, begleiteten es dabei knapp sieben Millionen Zuschauer, rund um waren es 130 Millionen Menschen. Genug, um das Singspiel aus der Feder von Sir Andrew Lloyd Webber zum „erfolgreichsten Musical der Welt“ zu machen.

Nun treibt es also erstmals in Oberhausen sein Unwesen. „Die Leute haben danach gefragt“, heißt es bei der Musicalfirma Stage Entertainment, wenn man sich erkundigt, warum das Musical nach sechs Jahren Pause wieder auf dem Spielplan steht.

Kein Phantom 2.0

Technisch könnten sie den Hauptdarsteller mittlerweile wahrscheinlich fliegen, sein Boot schweben und den großen Kronleuchter explodieren lassen. Aber das tun sie zum Glück alles nicht. Es gibt kein Phantom 2.0, das nun neben dem Centro meckert, mault und meuchelt. Und wenn der Kronleuchter fällt, dann immer noch mit Hilfe des bewährten Seilzugsystems. Man vermisst die aufwändigen Spezialeffekte aber auch nicht. Denn die Bühnenbilder, entworfen vor drei Jahrzehnten sind so durchdacht, dass sie mit teilweise schlichten Mitteln wie Zeichnungen und Sperrholzwänden Atmosphäre auf die Bühne zaubern – egal ob eine Szene über den Dächern der Seine-Metropole spielt oder in ihren Katakomben.

Das Phantom der Oper lebt von seiner Geschichte über das entstellte, deshalb leidende und sich maskierende Genie, das erpresst und mordet, entführt und droht, um die Liebe der bezaubernden Christine zu gewinnen.

Gleichermaßen liebt wie hasst

Vor allem aber lebt es von seiner Musik. Die ist – weil es eine Oper in der Handlung gibt – manchmal extrem klassisch, überwiegend aber von der Ohrwurmqualität, für die man Lloyd Webber gleichermaßen liebt wie hasst. Passend dazu hat Michael Kunze deutsche Texte geschrieben, die bis heute nichts von ihrer Qualität eingebüßt haben.

Das alles nutzt wenig, wenn das richtige Personal fehlt. In der Oberhausener Aufführung aber ist es da. Allen voran David Arnsperger, der bereits in Hamburg durch die Show spukte. Er legt das Phantom mit seiner tenorhaften Stimme in der Tradition von Peter Hofmann an, wirkt herrlich zerrissen, könnte nur manchmal einen Hauch bedrohlicher sein.

Aus den Klauen befreien

Elizabeth Welch, frisch vom Broadway eingeflogene US-Amerikanerin aber auf der Bühne fast ohne hörbaren Akzent, kann da als Christine stimmlich mühelos ge­genhalten, Dritter im Bunde ist Max Niemeyer, der als Raoul dem Phantom die Stirn bietet und Christine aus seinen Klauen befreien will – was ihm beides überzeugend gelingt.

So vergehen zweieinhalb Stunden verblüffend schnell. Am Ende ist man überrascht. Nicht vom Musical selbst. Aber davon, wie zeitlos gut es nach all den Jahren in alter Form immer noch funktioniert.

 
 

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