Düsseldorf

Jubel an Rheinoper für „Der feurige Engel“

Szene aus „Der feurige Engel“ an der Deutschen Oper am Rhein
Szene aus „Der feurige Engel“ an der Deutschen Oper am Rhein
Foto: Rheinoper/Michel
Eine sensationelle musikalische Leistung trifft eine starke Inszenierung: An der Rheinoper ist jetzt Sergej Prokoffieffs Oper „Der feurige Engel“ zu sehen.

Düsseldorf. . Nach einem eher durchwachsenen Verlauf findet die Saison der Deutschen Oper am Rhein mit einer Neuinszenierung von Sergej Prokofieffs ebenso krauser wie genialer Oper „Der feurige Engel“ einen glänzenden Abschluss. Das ist nicht nur Immo Karamans Regie zu verdanken, sondern auch der erstklassigen musikalischen Umsetzung.

Acht Jahre mühte sich Prokofieff an dem seinerzeit skandalösen Stoff ab. Uraufgeführt wurde erst 1955, zwei Jahre nach dem Tod des Komponisten. Der Psycho-Schocker stellt immense Anforderungen. Vor allem die weibliche Hauptrolle der Renata fordert der Sängerin die Kondition und Strahlkraft einer Isolde und Salome in Personalunion ab. Svetlana Sozdateleva verkörperte die Partie bereits in Brüssel und Berlin. Die Ovationen für sie waren ebenso verdient wie die für das mit vollem Einsatz auftrumpfende Ensemblemitglied Boris Statsenko in der anspruchsvollen Rolle des zwielichtigen Ritters Ruprecht. Makellos besetzt der Rest mit ersten Künstlern des Hauses: Susan Maclean als Äbtissin, Sergej Khomov als überdrehter Doktor Agrippa und Sami Luttinen als phlegmatischer Doktor Faust mit samtener Bassschwärze seien stellvertretend genannt.

Überdrehte, überhitzte Oper

Und der Chor der Deutschen Oper am Rhein sowie die Düsseldorfer Sinfoniker vibrierten unter der umsichtigen wie kraftvollen Leitung von Wen-Pin Chien so heftig, wie es das Stück verlangt. Ein Werk für Sensibelchen ist die überdrehte, überhitzte Oper nicht, die zweieinhalb Stunden lang im Dauerforte und in strammem Dauerlauf fiebrige Hitzegrade ansteuert.

Die Handlung: Renata, ein Mädchen aus dem spätmittelalterlichen Deutschland, ist auf der Suche nach jenem Engel, der ihr im feurigen Strahlenkranz erschienen ist. Sie glaubt ihn im Ritter Heinrich zu erkennen, den sie nach einer hysterischen Jagd in Köln aufstöbert. Doch der verflucht die liebesbesessene Rheinländerin und schickt ihr den Teufel auf den Leib, der sie auch im Kloster, in das Renata flieht, bedrängt. Nach einem fehlgeschlagenen Exorzismus wird sie auf den Scheiterhaufen geschickt.

In der Irrenanstalt

Dass Immo Karaman die Kernhandlung in eine Irrenanstalt verlegt, gehört heute zum Theateralltag, ergibt in diesem Fall aber Sinn. Ruprecht nimmt die Rolle eines Therapeuten an, das vom Regisseur und Aida Leonor Guardia kreierte Bühnenbild wandelt sich von den Gewölben einer altertümlichen Heilanstalt in eine düstere Kathedrale. Die hysterischen Visionen Renatas arbeiten Karaman und seine Darstellerin in vollen Zügen aus. Der Exkurs mit dem vermeintlich logisch argumentierenden Doktor Agrippa als zynischer Frankenstein-Verschnitt und die nihilistische Einlage mit Mephisto und Doktor Faust inszeniert Karaman mit grellem Sarkasmus.

Zu erleben ist Musiktheater unter Starkstrom, vom Publikum begeistert aufgenommen.
20., 24., 26. und 28. Juni (Infos und Karten: www.rheinoper.de).

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