John Williams wiederentdecken mit "Butcher's Crossing"

John Williams erzählt von der Jagd auf einen Büffel - völlig ohne Cowboy-Romantik.
John Williams erzählt von der Jagd auf einen Büffel - völlig ohne Cowboy-Romantik.
Foto: getty (Archiv)
Die nächste Neuausgabe eines Romans empfiehlt sich zur Wiederentdeckung eines großen Erzählers.: John Williams' "Butcher’s Crossing".

Essen.. Er war die literarische Wiederentdeckung der letzten Jahre: John Williams’ Roman „Stoner“ schaffte es 2014 – rund ein halbes Jahrhundert nach seinem Erscheinen in den USA – in die deutschen Top Ten. Die Geschichte um William Stoner und seinen Weg vom Farmerssohn zum Professor verschaffte Williams knapp 20 Jahre nach seinem Tod einen grandiosen Erfolg. Nun folgt mit „Butcher’s Crossing“ die nächste Neuausgabe eines Williams-Romans – und erneut fragt man sich, wie solch ein grandioses Werk jahrzehntelang unentdeckt bleiben konnte.

Es ist die Zeit um 1870. Will Andrews, Harvard-Absolvent von der amerikanischen Ostküste, sucht in der Prärie des Mittleren Westens nach einem anderen Leben - und sich selbst. Es geht ihm „um Freiheit und das Gute, um Hoffnung und neue Lebenskraft, die allem Altbekannten zu unterliegen schien“. Er findet im Städtchen Butcher’s Crossing den Büffeljäger Miller, der ihn zu einer gewagten Jagd-Expedition in einen kaum erforschten Teil der Rocky Mountains überredet. Dort vermutet er eine riesige Büffelherde. Es sind die letzten Büffel Amerikas.

Ohne jede Cowboy-Romantik

Die beschwerliche Reise in das versteckte Gebirgstal, die blutige Jagd, der Wintereinbruch, der die Jäger überrascht – John Williams erzählt die Geschichte ohne jede Cowboy-Romantik in lakonisch-sachlichem Stil als Parabel auf den Abschied vom alten Amerika. Andrews, Miller und die anderen Büffeljäger reiten gleichsam gegen die Moderne an – ein Unterfangen, das sich ebenso verzweifelt wie hoffnungslos gestaltet und letztlich in der Katastrophe endet.

Williams verzichtet wie schon in „Stoner“ auf jede Art von Knalleffekt. Doch seine Schilderungen etwa vom gnadenlosen Abschlachten der Büffel, vom Überlebenskampf der in Schneemassen eingegrabenen Jäger oder vom wochenlangen Treck in die Berge zählen sprachlich zum Besten, was in der letzten Zeit auf den Bestsellerlisten zu finden war.

Am Ende seiner Reise muss Andrews, desillusioniert, aber in sein Schicksal ergeben, sich sein Scheitern eingestehen. Er kann sich nicht mehr „an die Macht jener Passion erinnern, die ihn gedrängt hatte, einen halben Kontinent zu durchqueren, um in eine Wildnis vorzudringen, von der er sich erträumt hatte, er könne dort wie in einer Vision sein unveränderliches Selbst finden“.

EURE FAVORITEN