Joe Cocker über Liebe, Leiden und das Leben

Steffen Rüth

Essen. Joe Jocker im Interview über über die anstehende Tour sowie sein nächstes Album „Hard Knocks”. Darauf singt der Brite übers Lieben, Leiden, Hinfallen und Aufstehen.

In der Bar des Berliner Schlosshotels läuft gerade das Spiel Brasilien gegen die Niederlande – doch Joe Cocker muss Interviews geben, muss über die anstehende Tour sowie sein nächstes Album „Hard Knocks” (erscheint 1.10.) reden. Darauf singt der Brite übers Lieben, Leiden, Hinfallen und Aufstehen.

Mister Cocker, Sie sind jetzt 66 Jahre alt. Wären Sie gerne noch einmal 20?

Cocker: Besser nicht. Das Leben war anstrengend mit 20. Ich habe bis Mitte 30 einige heftige und auch ungute Liebesbeziehungen erlebt, war drogenabhängig. Ich muss das alles nicht noch mal haben.

„Hard Knocks” (dt.: Rückschläge) handelt von Standhaftigkeit. Spielen Sie auf Ihre bewegte Vergangenheit an?

Cocker: Natürlich, und es ist ja auch ausführlichst dokumentiert, dass ich in den 70ern große Probleme hatte. Heutzutage nehmen dich deine Leute diskret aus dem Rennen und sagen „Joe, du musst clean werden!” Damals war alles sehr viel unkontrollierter. Ich wurde durch die Drogen zudem recht böse und gemein. Trotzdem fiel es mir schwer, den Drogen und dem Alkohol abzuschwören.

Aber Sie haben es geschafft...

Cocker: Ja, das stimmt. Dass ich vollständig mit dem Trinken aufgehört habe, ist etwa zehn Jahre her. Und die Abstinenz bekommt mir gut.

Was trinken Sie beim Essen?

Cocker: Ich bin der Cola-Light-Mann. Daheim in Colorado trinke ich auch sehr viele Fruchtsäfte und führe insgesamt ein sehr reines Leben. Aber auf Tour lockt überall Zucker. Ich liebe Schokolade, und es fällt mir verdammt schwer, einer guten deutschen Schokoladentafel zu widerstehen.

Ihre Beziehung zu Pam scheint sehr stabil zu sein. Was ist das Geheimnis?

Cocker: Wir haben keines. Ich vermisse sie, da sie meistens nicht mehr mit mir auf Tournee kommt wie früher. Weil sie lieber zuhause bleibt und sich mit den Enkeln beschäftigt.

Würden Sie manchmal auch lieber zuhause bleiben?

Cocker: Mal so, mal so. Wenn man erst mal wieder unterwegs ist, dann macht es auch Spaß. Die letzte Tournee dauerte fast zwei Jahre und ich dachte am Ende, ich werde zu alt für dieses Leben. Als Sänger wirst du aber irgendwann wieder kribbelig und willst raus auf die Bühne. So geht es mir zurzeit. Solange es allen Spaß macht, bleibe ich meinem geliebten Beruf treu.

Wie alt fühlen Sie sich?

Cocker: Auf der Bühne zumindest noch sehr jung. Ich kann zwar nicht mehr tanzen und mich bewegen wie mit 25. Aber mental bin ich noch so konzentriert wie ein Hochleistungsathlet. Jeden Abend nach einer Show bin ich ziemlich kaputt, ich gebe ja auch sehr viel. Letztlich ist das Singen ein Handwerk, das ich über die Jahre perfektioniert habe.

Wussten Sie eigentlich schon als Teenager, dass sie Musiker werden wollen?

Cocker: Ja. Ich hatte ein Handwerk gelernt, ich war Klempner. Bloß war ich darin nie besonders begabt, denn ich dachte die ganze Zeit an nichts anderes als an Rock'n'Roll.

Können Sie noch klempnern?

Cocker: Nicht gut. Ich müsste das erst ein bisschen üben, dann könnte ich vielleicht ein paar Rohre reparieren.