Jens-Daniel Herzog will mehr Menschen fürs Musiktheater gewinnen

Der neue Intendant der Dortmunder Oper, Jens-Daniel Herzog, will wieder mehr Menschen fürs Musiktheater gewinnen. Foto: Franz Luthe
Der neue Intendant der Dortmunder Oper, Jens-Daniel Herzog, will wieder mehr Menschen fürs Musiktheater gewinnen. Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.. Der neue Intendant der Dortmunder Oper, Jens-Daniel Herzog, will wieder mehr Menschen fürs Musiktheater gewinnen. Im Interview kurz vor seinem Antritts spricht er über Erlösungserwartungen, das böse Regietheater.

Wie kam das mit Dortmund, Herr Herzog?

Herzog: Ich inszenierte gerade an der Semperoper. Da erreichte mich die Frage, ob ich mich bewerben wolle. Ich habe gesagt: „Nein. Ich werde mich nicht bewerben, aber ich würde mich freuen, wenn man um mich wirbt.“ So kam ich nach Dortmund.

An dieses Verfahren hat Felix Magath immer dann erinnert, wenn man auf Schalke nicht sehr einverstanden mit ihm war...

Na, ich habe natürlich dann der Kommission erklärt, wie ich mir Theater vorstelle. Und auch, wie ich mir die Bedeutung des Theaters in einer Stadt wie dieser vorstelle: Theater für alle. Dafür wurde ich gewählt.

Sie führen zum ersten Mal in Ihrem Leben ein Opernhaus.

Ich habe sehr viele Opern inszeniert in den letzten Jahren, da stellt sich natürlich die Frage, ob man selbst ein Haus leiten will. Aber ich habe es mir nicht leicht gemacht. Intendant sein bedeutet eine große Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. Außerdem spielt meine Familie eine große Rolle. Und ich stehe ja schon an anderen Häusern für Inszenierungen im Wort.

Es sind große Namen, Salzburg ist darunter. Das lässt manchen fürchten, Dortmund, dieses Haus, dem es ja leider sehr schlecht geht, könnte für sie nur ein kleines Intermezzo sein.

Ich habe einen Vertrag für fünf Jahre. Richtig ist, dass dieser Vertrag mir gestattet, anderswo zu inszenieren. Meine Weggeh-Sehnsucht ist damit gestillt.

Sie arbeiten in einer Fußballregion. Wenn diese Oper eine Mannschaft wäre, was möchten Sie in einem Jahr über sie sagen können?

Große Spielfreude, Neugier. Aber ich will den Ball flach halten. Natürlich gibt es schon jetzt eine „Erlösungserwartung“ an unsere erste Produktion, Wagners „Fliegenden Holländer“. Aber das ist nur das erste von vielen Spielen, die wir machen werden. Wir werden um das Publikum kämpfen. Wir sind erfolgshungrig.

Das Publikum ist nicht immer gut auf die Dortmunder Oper zu sprechen...

Ich bin hier so oft wie noch nie in einer Stadt gefragt worden, ob ich denn auch dieses böse Regietheater mache... Die Menschen haben scheinbar eine große Furcht davor.

Was schließen Sie daraus?

Erstmal muss ich antworten, dass ich natürlich für Regietheater stehe, ich bin ja Regisseur. Ich respektiere aber, dass es da eine Angst gibt. Das Vertrauen des Publikums in die Theatermacher scheint gestört. Das müssen wir uns wieder erkämpfen. Wir werden dem Publikum nicht einfach was vorsetzen und sagen „Friss oder stirb!“ Wir werden uns aber auch nicht ranschmeißen. Es geht darum, dass wir miteinander im Gespräch bleiben. Man kann eine Aufführung nicht mögen und trotzdem über sie diskutieren. Schlimm ist nur, wenn man nicht mehr hingeht und das Theater einfach ignoriert.

Frau Pesch, geschäftsführende Direktorin der Oper, hat gesagt, sie erwarte nicht, dass Sie rasch die Auslastung erhöhten. Ist das nicht auch die deprimierende Erkenntnis, wie schlecht es dieser Oper geht?

Man macht nicht das Licht an, und dann sind die Leute wieder da. Das dauert, das muss sich rumsprechen. Jürgen Klopp hat mal gesagt: Ballverlust als Chance. Denn danach kann man das Spiel neu aufbauen.

Apropos Fans: Haben Sie es in Dortmund geschafft, wenn Jürgen Klopp fester Premierengast ist?

Ich will mich nicht anwanzen, aber ich war bei Herrn Watzke und wir wollen es schaffen, dass sich die Mannschaft hier mal was anguckt. Ich hab schon sehr gern gesehen, dass auf Kevin Großkreutz’ Wadenbein-Tattoo auch unser Opernhaus zu sehen ist.

 
 

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