International geachteter Tenor – Prof. Leisenheimer wird 75

Kammersänger Prof. Reinhard Leisenheimer feierte seinen 75. Geburtstag.
Kammersänger Prof. Reinhard Leisenheimer feierte seinen 75. Geburtstag.
Foto: WP Michael Kleinrensing
„Es gibt nichts Schöneres, als Sänger zu sein", der Tenor Prof. Reinhard Leisenheimer. Seine Karriere hat er stets mit sozialem Einsatz verbunden: Eine Würdigung zum 75. Geburtstag des verehrten Tenors und Gesangprofessors.

Breckerfeld/Hagen.. Das international bewunderte deutsche Gesangsniveau ist Professoren wie Kammersänger Reinhard Leisenheimer zu verdanken. Der verehrte Tenor und Pädagoge steht wie kaum ein anderer für die berühmte Ensemble-Kultur am deutschen Stadttheater: eine Würdigung zum 75. Geburtstag.

Er hat eine Maurerlehre absolviert, arbeitete im elterlichen Malerbetrieb in Gensingen (Landkreis Mainz-Bingen), wechselte als Briefträger zur Post. Doch dann traute sich Reinhard Leisenheimer etwas zu: ein Gesangsstudium. Seine Stimme hatte er im Kirchenchor und im Männergesangverein entdeckt. 1969 konnte der Tenor das erste Bühnenengagement feiern; 1975 wechselte er ans Theater Hagen: „Da bin ich geblieben.“ Seit 1991 wirkt Leisenheimer mit Kollegen wie Prof. Kurt Moll an der Musikhochschule Köln als einer der großen „Sängermacher“.

Einsatz für andere ein Bedürfnis

Neben der künstlerischen Karriere steht bei Leisenheimer von Anfang an der Einsatz für die Bedürftigen. Noch heute singt er mit seinen Schülern in fast 20 Konzerten jährlich ehrenamtlich in Altersheimen, sozialen Einrichtungen und Kirchen für den guten Zweck - in Schmallenberg-Gleidorf ebenso wie in Hagen oder in der Kirche seines Wohnortes Breckerfeld-Zur-straße: „Das soziale Engagement ist mir ein inneres Bedürfnis.“

Wie kommt ein junger Mann dazu, sich derart für andere einzusetzen? „Mein Vater ist aus dem Krieg heimgekommen. Bei den Nachbarmädchen, da ist der Vater nicht nach Hause gekommen. Zu Weihnachten haben die Mädchen von meinen Eltern Schlitten erhalten, und wir kriegten keine. So habe ich das gelernt“, erinnert sich Leisenheimer. „So ist das weitergegangen, mein ganzes Leben lang.“ Heute führen seine Meisterschüler, allen voran sein Sohn Boris und Tenor Dominik Wortig, diese ehrenamtliche Tradition fort.

Denn schon mit einem kleinen Lied lässt sich viel Freude bereiten. „Die Menschen, die alt sind oder krank oder arm, die haben ja nicht die Möglichkeit, Musik zu hören. Mein Engagement gibt mir auch vieles zurück.“

Sänger, das ist der Traumberuf. „Für mich war es das Größte, im Theater singen und spielen zu dürfen. Es gibt nichts Schöneres, als Sänger zu sein. Ich habe heute noch Herzklopfen, wenn ich ins Theater Hagen komme.“

Als Tamino in Mozarts „Zauberflöte“ hat er in Hagen angefangen, sein Fach war das lyrische Tenorfach, „mit kleinen Ausflügen ins jugendliche Fach und natürlich in die Operette.“ Zudem hat der Kammersänger sein Können in vielen Liederabenden gezeigt, aber nicht nur mit Schumann, Schubert und Strauss. „Was ich sehr gepflegt habe, war das deutsche Volkslied.“

Zur Stelle, wenn Not am Mann ist

In Hagen war der Sohn einer Handwerkerfamilie mehr als der gefeierte Solist, er hat sich im Personalrat für die Kollegen eingesetzt und war zur Stelle, wenn Not am Mann war. „Dann haben Horst Fiehl und ich mit angepackt und die Wohnungen der neuen Kollegen gestrichen. Das war ein gutes Ensemble damals, so wie heute auch.“ Bis 2004 war Leisenheimer in Hagen engagiert, parallel zur Professur in Köln. Gesang lässt sich nicht wie Trockenschwimmen unterrichten. „Die Professur alleine ist nicht genug. Man muss auch auf der Bühne stehen.“

Die Diskussion um die Zukunft seines Hagener Theaters verfolgt der Tenor mit Sorge und Hoffnung. „Es macht mich froh, dass das Haus so gut weitergeführt wird“, lobt er. „Für das Theater Hagen werde ich weiter kämpfen. Erst wenn man wie ich von außen, vom Ruhestand aus schaut, sieht man, was im Theater Hagen wirklich geleistet wird, nicht nur bei den Vorstellungen, sondern auch bei den Projekten mit Kindern und Erwachsenen in der ganzen Region.“

Zum Geburtstag sind alle gekommen, Geschwister, Kinder, Enkel und natürlich die Schüler, viele von ihnen treten längst an großen Häusern auf. „Das war schon eine Ehre, da habe ich mir gesagt: Vielleicht habe ich etwas richtig gemacht.“ Das hilft, auch wenn es darum geht, Schicksalsschläge zu überwinden. Vor einigen Jahren erkrankte Prof. Leisenheimer an Stimmbandkrebs, der Alptraum aller Sänger.

Doch die Stimme spricht wieder an, Leisenheimer kann das geliebte Unterrichten fortsetzen und neue Benefizprojekte planen: „Nachdem man seine Laufbahn beendet hat, sollte man für die gute Sache singen, solange man kann.“

 
 

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