Indizien für Ehefrau gefunden - War Jesus auch nur ein Mann?

Das Foto der Harvard Universität zeigt ein Papyrus-Fragment aus dem vierten Jahrhundert, auf dem davon die Rede ist, Jesus habe von „meiner Frau“ gesprochen. Die koptische Handschrift soll die Kopie eines Evangeliums aus dem 2. Jahrhundert sein.
Das Foto der Harvard Universität zeigt ein Papyrus-Fragment aus dem vierten Jahrhundert, auf dem davon die Rede ist, Jesus habe von „meiner Frau“ gesprochen. Die koptische Handschrift soll die Kopie eines Evangeliums aus dem 2. Jahrhundert sein.
Foto: AP
Ein Papyrus aus dem 4. Jahrhundert sorgt für Schlagzeilen: Die Harvard-Professorin Karen Leigh King sieht darin einen Beleg, dass Jesus eine Frau gehabt habe. Der alte koptische Text soll die Kopie eines griechischen Evangeliums aus dem 2. Jahrhundert sein.

Washington.. Der Gedanke, dass Jesus auch nur ein Mann gewesen sein könnte, den Frauen zugetan, beschäftigt die Kirche und ihre Gläubigen seit über 2000 Jahren. Die Evangelien sind voll der Fundstellen, die bis heute die Frage aufwerfen, ob Gottes Sohn eine Freundin, eine Geliebte, eine Lebensgefährtin oder – wie der Bestseller-Autor Dan Brown in „Das Sakrileg“ schrieb – gar eine Ehefrau mit Anhang hatte. Im Verdacht stand und steht zumeist Maria Magdalena, die legendäre „schöne Sünderin“, die laut Lukas-Evangelium Jesus mit ihren Tränen die Füße wusch und selbige danach mit ihren aufgelösten Haaren abtrocknete (Lk 7,36-50).

Die anerkannte Expertin für das frühere Christentum der amerikanischen Harvard-Universität, Karen King, hat die Debatte jetzt mit einem Papyrus-Fund neu belebt. Auf dem vergilbten Stück Papier, etwa so groß wie eine Visitenkarte, das King jetzt bei einem Kongress in Rom vorlegte, heiße es in der Sprache der koptischen Christen in Ägypten wörtlich: „Jesus sagte zu ihnen: Meine Frau.“ Wenige Zeilen später stehe geschrieben, dass Jesus eben jene Maria Magdalena für würdig erklärt, seine Jüngerin zu sein.

Christen sollen „hitzig“ über „Sexualität“ und „Heirat“ debattiert haben

US-Medien verdichteten das Detail am Mittwoch zu der griffig-provokanten Frage „War Jesus verheiratet?“; wissend, dass weite Teile der Christenheit bis heute daran glauben möchten, der Heiland sei unverheiratet gewesen und allem Körperlichen gegenüber ziemlich abgeneigt geblieben.

Wie die „New York Times“ und die Uni-Zeitung „Harvard Gazette“ berichten, hält Frau King die Herkunft des Papyrus-Fundstücks, das aus dem Ägypten des 2. Jahrhunderts stammen soll, geheim. Der Spender, sagte sie, will ungenannt bleiben. Wert legt sie auf die Feststellung, dass der Fund eben nicht der Beweis dafür ist, dass Jesus verheiratet war. Allerdings belege der Satz, dessen zeitliche Entstehung noch über eine chemische Untersuchung der Tinte geklärt werden soll, dass Christen seinerzeit „hitzig“ über „Sexualität“ und „Heirat“ debattiert hätten.

Kings Botschaft: Allein die These zu befestigen, Jesus habe von Familienbande und Beziehungen zum anderen Geschlecht nichts gehalten, werde neuen Erkenntnissen kaum gerecht. Karen King und ihre Mitstreiterin Anne Marie Luijendijk von der Princeton-Universität halten es für möglich, dass der Papyrus-Schnipsel aus einem erst kürzlich entdeckten Evangelium über Jesus’ Frau stammt.

Und damit sei nicht das apokryphe (verborgene) Philippus-Evangelium aus der Zeit zwischen dem 3. und 5. Jahrhundert gemeint, das nicht zum Bibel-Kanon gehört. Dort heißt es bereits: „Die Gefährtin Christi ist Maria, die aus Magdala. Der Herr liebte Maria mehr als alle Jünger, und er küsste sie häufig auf den Mund.”

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