Im neuen „Gotteslob“ ist auch Raum für Sexualität

Das Gesangbuch für Katholiken "Gotteslob" wurde runderneuert.
Das Gesangbuch für Katholiken "Gotteslob" wurde runderneuert.
Foto: dpa
Jetzt erscheint das katholische Gebet- und Gesangbuch "Gotteslob" in einer stark überarbeiteten Form. Über 40 Prozent der Lieder wurden ausgetauscht, neue Themen hinzugenommen.

Essen.. Größere Schrift, klarere Gestaltung, ein bisschen rote Farbe – wenn das neue Gotteslob, also das katholische Gebet- und Gesangbuch, an diesem Adventswochenende an die Kirchengemeinden ausgeliefert wird, hebt es sich schon äußerlich von seinem in die Jahre gekommenen Vorgänger ab. Doch die eigentlichen Neuerungen finden sich im Inhalt.

Folge fortschreitender Entfremdung

Mit dem neu konzipierten Gotteslob reagiert die Kirche auf die fortschreitende Entfremdung zwischen Amtskirche und großen Teilen der Bevölkerung. So wollen viele Katholiken beispielsweise den Heiligen Abend oder eine Taufe zuhause auch als christliches Fest begehen – „sie wissen aber nicht mehr, wie das geht“, sagt der Würzburger Diakon Winfried Vogel, der das Gotteslob federführend mitkonzipiert hat. „Diesen Menschen geben wir mit dem Gotteslob eine Handreichung.“ Gedruckte Nachhilfe für entwöhnte Katholiken.

„Was bedeutet...?“

In die gleiche Richtung zielt ein neuer Service, den das bisherige, noch aus den 60er-Jahren stammenden Gotteslob den Gläubigen nicht bot. Unter der Rubrik „Was bedeutet...?“ werden wichtige christliche Begriffe und Schlagworte von „Absolution“ bis „Zehn Gebote“ aufgelistet. Seitenvermerke verweisen auf die Stelle, an der das jeweilige Thema erläutert wird. „Dabei haben wir auf eine sehr einfache und verständliche Sprache geachtet“, so Co-Autor Vogel.

Auch hier ist der Hintergrund klar. „Früher“, sagt Vogel, „haben die Gläubigen quasi wissenschaftlich-sakramental-theologische Abhandlungen vorgesetzt bekommen, und diese auch akzeptiert.“ Heute gäben sich die Leute damit aber nicht mehr zufrieden: „Sie fragen nach, fordern Erklärungen. Diese wollen wir nun liefern.“

Fragen der Sexualität

Dabei greift das neue Buch, das in einen großen allgemeinen Teil und in einen kleineren Teil, den jedes der 38 Bistümer selbst gestaltet, unterteilt ist, Themen auf, die bei der Gestaltung seines Vorgängers in den 60er-Jahren noch undenkbar waren. Sexualität ist solch eine Bereich, der angesprochen wird, „aber ohne moralischen Zeigefinger“, wie Diakon Vogel betont.

Unverändert Kernstück des Gotteslobs ist der Liedteil. Auch hier hat sich inhaltlich einiges geändert. Beispielsweise sucht man das aus dem 16. Jahrhundert stammende „All Morgen ist ganz frisch und neu“ künftig vergebens – es wurde ebenso gestrichen wie „Völker aller Land, schlaget Hand in Hand“. „Insgesamt wurden 40 Prozent der Lieder im allgemeinen Teil ausgetauscht“, so Vogel. Neu ist etwa das traditionelle Weihnachtslied „Ihr Kinderlein kommet“ oder das Adventslied „Stern über Bethlehem.“

In Paderborn wartet man noch

Das neue Gotteslob wird an diesem Wochenende an die Bistümer Essen und Münster ausgeliefert. Im Bistum Paderborn wird es nach Papier-Problemen beim Druck noch ein paar Monate dauern. Das Gotteslob ist über den Buchhandel zu beziehen und kostet rund 20 Euro.

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