Herzklopfen! Ein Traum wird wahr!

Das Ensemble in einer Szene des Musical „Beats!“.
Das Ensemble in einer Szene des Musical „Beats!“.
Foto: Theater Hagen /Kühle

Hagen.. Die spannendsten Abenteuer beginnen mit verrückten Ideen. Bei „Beats!“ ist aus einem Theater-Experiment nun eine großartige Welturaufführung geworden. Mehr als 150 junge Frauen und Männer aus der ganzen Region zeigen derzeit im Theater Hagen ein Musical. Das haben die Schüler gemeinsam mit den Hagener Bühnen-Profis einstudiert. Die Premiere vor ausverkauftem Haus wurde mit Beifall im Stehen gefeiert.

Die fünf Hagener Berufskollegs kooperieren bei „Beats!“ mit dem Theater und dem Theaterförderverein, der die über 100 000 Euro Produktionskosten mit Hilfe von Sponsoren aufbringen konnte. An den Berufskollegs absolvieren Jugendliche ihre Ausbildung in den unterschiedlichsten Bereichen. Wie viel Können, Kreativität, Engagement und Mut da vorhanden ist, zeigt das Musical auf herzerwärmende Weise. An allen Produktionsprozessen sind die Schüler zwischen 16 und 25 Jahren unter der Leitung von Lehrer und Librettist Johannes Maria Schatz beteiligt. Sie haben Vorschläge für die Handlung gemacht, Marketing-Ideen entwickelt; sie haben bei Technik, Beleuchtung, Maske und Kostümen ihr Können eingebracht.

Auf der Bühne zu stehen, das ist ein Traum vieler Jugendlicher. Das „Beats!“-Ensemble hat es geschafft. Mit Herzklopfen. Mit Leidenschaft. Und es hat dabei gelernt, wie viel dazugehört, damit der Vorhang überhaupt hochgehen kann.

Die Geschichte ist ein Klassiker: Musik verbindet über Grenzen hinweg, gemeinsames Musizieren macht stark. In „Brassed Off“ und bei den „Kindern des Monsieur Mathieu“ funktioniert das. Bei „Beats!“ funktioniert es noch besser, noch authentischer. In einem Jugendzentrum treffen in den Ferien Hip-Hopper auf Oboistinnen und Balletttänzerinnen. Gillan (Robert Schartel), der Leiter, schlägt ein Kulturprojekt vor. Doch zunächst wollen die beiden Gruppen nichts miteinander zu tun haben, zumal zwischen Klavier und E-Bass auch sozial Welten liegen.

Ausstatter Jan Bammes hat mit Schülern einen offenen Raum auf der Drehbühne erfunden, dessen verschiebbare Wände die abgeschrammelt-gemütliche Atmosphäre des Jugendtreffs ebenso andeuten wie die Trostlosigkeit einer Straßenflucht mit Mietskasernen. Ballettchef Ricardo Fernando studierte mit dem 40-köpfigen Ensemble die Choreographie ein, Sopranistin Stefanie Smits den Gesang. Thilo Borowczak führt Regie, und Dirigent Steffen Müller-Gabriel sowie die Hagener Philharmoniker unterstützen das Ensemble ebenso fröhlich wie gelassen.

Komm ich heut’ nicht, komm ich morgen? Diese Einstellung passt nicht auf die Bühne. Am Theater muss man kommen, und zwar auf den Takt genau. Ohne Disziplin geht es nicht. Das ist eine Erfahrung, die das „Beats!“-Team mitunter nicht ohne Schmerzen gemacht hat. Nach der Schule und der Arbeit haben die Teilnehmer seit Dezember viermal in der Woche geprobt.

Ein Kraftakt, der sich auszahlt. Denn die Inszenierung wirkt keineswegs wie Schülertheater. Das Musical wird mit professionellem Anspruch umgesetzt, die Spielfreude der jungen Darsteller reißt das Publikum mit. Hier sind richtige Talente zu entdecken: Lisa Gonscherowsky als Lara, die es lernt, sich zu wehren; Joanna Baker als intrigantes, explosives Biest Thessa; Luc Packlidat als jungenhaft-charmanter Bandleader TC. Carolin Vogel und Wioleta Czebotorowicz finden als Alani und Floh trotz aller Gegensätze zusammen. Claudio Fisicaro ist ein quirliger Rapper Fabi.

Es ist unglaublich, wie viel Präsenz und Ausstrahlung das Ensemble auf der Bühne entwickelt. Da wird mit einer Energie gesungen, getanzt und Akrobatik vorgeführt, die vor jedem Publikum bestehen kann. „Mir ist bewusst geworden, dass die Musik den Umgang mit Menschen umgestalten kann. Ich bin davon überzeugt, dass wir das mit diesem Musical auch über das Theater hinaus schaffen“, zieht Luc Packlidat Bilanz.

„Beats!“ ist der Beweis dafür, dass in den meisten Menschen viel mehr steckt, als man ihnen zutraut. Das muss man gesehen haben.

 
 

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