Herbert Knebel wird König des Rock’n’Rollstuhl

Georg Howahl
„Sex & Drugs & Heiterkeit“: Herbert Knebel (Uwe Lyko) und Ozzy Ostermann (Georg Göbel-Jakobi). Foto: Stephan Eickershoff
„Sex & Drugs & Heiterkeit“: Herbert Knebel (Uwe Lyko) und Ozzy Ostermann (Georg Göbel-Jakobi). Foto: Stephan Eickershoff
Foto: WAZ FotoPool
Das Affentheater feierte Premiere mit dem zwölften Programm „Der Letzte macht dat Licht aus“. Es steckt eine Menge Musik drin. Bei Beatles, Stones und Elvis standen nicht nur die E-Gitarren unter Strom – und auch die Gags saßen.

Duisburg. Herbert Knebels Affentheater ist die Rockkapelle unter den deutschen Spaßmachern, praktisch Beatles, Stones und Elvis Presley in Personalunion – und damit stehen wir erst am Anfang der Aufzählung. War ja klar: Im neuen Programm „Der Letzte macht dat Licht aus“ ist Musik drin. Aber es scheint mehr zu sein als bisher. Das wirkt sich auch auf die gesprochenen Nummern aus, denn die funktionierten bei der Premiere in der Duisburger Rheinhausenhalle mit perfekter Harmonie. Während Knebel früher auch als Solostar die Show hätte schmeißen können, liefert „Der Letzte macht dat Licht aus“ ein virtuoses Zusammenspiel der vier Akteure.

Die Alte im Hasenkostüm

Ausgerechnet das kleinste Licht darf dabei am hellsten strahlen: Der Trainer, das stets naive Mauerblümchen mit Sporthose und Mainzelmännchenstimme, erlebt nie geahnte Höhenflüge. Bis zu diesem Abend lief es nämlich so: „Sach mal, Herbert, wat is denn eigentlich en Schisshase?“ „Dat is ne gute Frage, Trainer. Merk dir die. . .“ Da wird die Kunst des rhetorischen Abkanzelns noch gepflegt.

Umso schöner aber, wenn eine trübe Funzel wie der Trainer plötzlich strahlende Momente erlebt. Etwa, als Gitarrist Ozzy Ostermann mit Frauenbekanntschaften prahlt. Ozzy: „Ich hab auch mal ne Alte im Hasenkostüm kennen gelernt.“ Trainer: „Boh, Ozzy, wann has Du denn ma en Hasenkostüm getragen?“

Seitensprung mit Gustes Schwestern

Ja, es herrschen „Sex & Drugs & Heiterkeit“ inmitten vieler Rock-Nummern. Dabei spielt der Programmtitel nur in einem einzigen Song eine Rolle. So wird aus John Lennons größtem Hit „Imagine – et gäb kein Erdöl“. Die Stones werden mit einem Song bedacht, mit dem sich die Geriatrierocker auch im richtigen Leben auseinandersetzen dürften: „Blutzucker“. Die Knebels spielen die Kinks, Rod Stewart, Creedence Clearwater Revival, Marvin Gaye, Deep Purple. Und „Song 2“ von Blur, den sie zur Fußball-Hymne umfunktionieren, wohl weil man dazu so schön „Whooohoo“ singen kann.

Doch in der Ruhmeshalle des Rock’n’Rollstuhl kann es eigentlich nur einen König geben – und das ist nun mal der King. Elvis kommt gleich zweimal vor. Zuerst mit „Always On My Mind“, in dem Knebel einen Seitensprung mit Gustes drei (!) jüngeren Schwestern beichtet, Refrain: „Und am Ende tat’s mir leid“.

Die Ära des Pettingcoat

Und dann gehört dem King noch die Zugabe und der optische Höhepunkt des Abends: Knebel im weißen Glitzeroverall. Was gleich die Frage klärt, wem das extravagante Körperkondom ursprünglich gehörte. Knebel und Elvis trafen sich einst in den Gassen von Heidelberg. Das Kleidungsstück wechselte von Altenessen nach Memphis: „Nach sein Tod hat der Elvis mir den Anzug dann zurückgeschickt.“ Er lamentiert ein bisschen darüber, dass die große Ära des „Pettingcoat“ vorbei ist und dass die Zeit auch mit den Männern nicht allzu gnädig war: „Irgendwann sind uns dann auch noch die Haare ausgefallen von den scheiß Brisk.“

Und zum krönenden Abschluss tut Knebel, was er zuvor noch nie getan hat: Er singt „Suspicious Minds“ mit dem Originaltext und mit Elvis­stimme. Das macht er nicht schlecht. Wenn der folgende Satz nicht in sich selbst schon fürchterlich verdreht wäre, dürfte man getrost behaupten: Er singt besser als jeder echte Elvis-Imitator.

Hüftkeisen und Kniegeschlotter

Wie dem auch sei. Knebel jedenfalls lässt gefährlich die Hüften kreisen und schlottert mit den Knien. Man denkt in diesem Moment gar nicht mehr daran, dass das Affentheater ja eine Truppe versierter Musiker ist, die eher zufällig in der Spaßmacherzunft gelandet sind. Und das ist das Wunderbare auch am mittlerweile zwölften Bühnenprogramm: Die Gags sitzen so gut, dass man vor Lachen kaum dazu kommt, sich auch noch über das musikalische Können zu freuen.

Wer am Ende dann das Licht ausgemacht hat, wollen Sie wissen? Das ist eine gute Frage. Merken Sie sich die . . .

  • Für die Vorstellungen von „Der Letzte macht dat Licht aus“ am 8. und 9.10. in der Rheinhausenhalle gibt es wenige Restkarten an der Abendkasse. Weitere Termine: 13.11. Voerde, Mehrzweckhalle, 18.11. Haltern, Seestadthalle, 26.11. Olpe, Stadthalle, 7.12. Hilden, Stadthalle, 17.12.Unna, Stadthalle, 22.1. Neuss, Stadthalle, 13.& 14.3. Lünen, Heinz Hilpert Theater. Karten gibt es hier oder hier.