Held im Weltall: Spacejamiri steigt auf in unendliche Weiten

Ausschnitt aus dem Cover von „Spacejamiri“.
Ausschnitt aus dem Cover von „Spacejamiri“.
Foto: Jamiri
Jan-Michael Richter verlässt in seinem neuen Comic-Kunstwerk den Boden der Realität. „Spacejamiri“ ist ein bizarres Weltraum-Epos.

Essen.. Es ist schon erstaunlich: Unter den Comic-Künstlern des Ruhrgebiets gilt Jamiri alias Jan-Michael Richter als einer, dessen präzise Pointen ihren Helden immer wieder auf den harten Boden der Realität prallen lassen. Dennoch zählt ein buchstäblich abgehobener Charakter namens Spacejamiri zum festen Repertoire des Zeichners. Und der hat es nun sogar zu einem eigenen Band gebracht. „Spacejamiri Redux – Die komplette Chronik“ klingt nicht nur nach Weltraumepos, sondern sieht auch so aus. Hier tummeln sich die Aliens, hier treffen Allmachtsphantasien auf Beziehungsprobleme, hier wird geballert, was die Magazine hergeben.

„Der albernste Teil meines Werkes“

„Spacejamiri ist als Alter-Ego immer mal wieder aufgetaucht – und es ist eigentlich der albernste Teil meines Werkes, das an sich ja schon albern genug ist. Aber das ist wirklich das Alleralbernste“, sagt Richter grinsend. Und man sollte ihm da nicht widersprechen, sonst kommt er mit einem zum Raumschiff umgebauten Fiat Uno vorbeigeflogen und feuert aus allen Laserkanonen.

Aber im Ernst: Der Held Spacejamiri zieht sich durch alle Schaffensphasen des in die Reihe „Meister der komischen Kunst“ aufgenommenen Comic-Künstlers. Angefangen in... tja, ausgerechnet in Sprockhövel, das zum Objekt eines Onepagers aus dem Jahr 1994 wurde und in dem der Held durch ein Schwarzes Loch fliegt – und am anderen Ende liegt ausgerechnet das schöne, aber nicht sonderlich aufregende Städtchen im Ennepe-Ruhr-Kreis. „Im Grunde kann man sagen, meine Karriere begann mit diesem Sprockhövel-Ding. Ich habe von diesem legendären ersten Blatt ja noch immer das Original – und eigentlich warte ich auf eine Anfrage aus dem Sprockhöveler Rathaus.“ Wobei es sein könnte, dass der Comic den Jamiri-Fans besser gefällt als den Verantwortlichen im Sprockhöveler Rathaus.

Auch Hans Meiser fliegt durchs Bild

Während Jamiri ja auch schon ein eigenes Artbook („L’Argh pour L’Art“) herausgegeben hat, um als Künstler durch seine Schaffensphasen zu führen, übernimmt Spacejamiri diese Aufgabe mal locker nebenher. „An dem Spacejamiri-Buch finde ich witzig, dass es komplett meine Entwicklung aufzeigt.“ Von anfänglich eher Sponti-inspirierten Zeichnungen mit schrägen Gesichtern bis hin zu perfekt fotorealistischen Karikaturen.

Da Spacejamiri in den 90ern zum ersten Mal flog, stellt er auch eine Zukunft dar, die für uns heute schon Vergangenheit ist, mit teils amüsanten Nebeneffekten: So tauchen Marcel Reich-Ranicki und der damals omnipräsente Hans Meiser auf, es gibt WAP-fähige Palmtops und klobige Supercomputer von damals. Und über allem schwebt ein Hauch von sternbestäubtem Aberwitz.

Fans wollten eigentlich schon lange einen Band von Spacejamiri. „Aber ich dachte immer, ich hätte nicht genug beisammen. Am Ende stellte ich nun fest, dass es sogar ein bisschen zu viel war“, sagt Richter.

Als nächstes plant er übrigens etwas ganz und gar Irdisches: Gemeinsam mit seinem Freund Wiglaf Droste, von dem auch das Vorwort zu Spacejamiris Abenteuern stammt, macht er ein Katzenbuch, einen Gedicht- und Aphorismenband, der einem Kater namens Domino gewidmet ist.

 
 

EURE FAVORITEN