Heike Makatsch und die Abenteuer ihrer Lausbuben

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So viele Abenteuer wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn haben ihre Darsteller Leon Seidel und Louis Hofmann noch nicht erlebt. Aber dafür wartet im echten Leben eine ganz andere Herausforderung: Öffentlichkeitsarbeit für ihren Film.

Essen. Im Film müssen sie als Tom Sawyer und Huckelberry Finn Zäune streichen und Bösewichte wie Indianer Joe verfolgen. Im wahren Leben nehmen es Louis Hofmann und Leon Seidel, zwei grundsympathische Jungs aus Köln, beide 14, beide blitzgescheit, gerade mit dem Abenteuer Öffentlichkeitsarbeit auf. Zusammen mit Schauspielerin Heike Makatsch besuchten sie die WAZ-Redaktion, um über die Kinoverfilmung von Mark Twains Jugendbuch-Klassiker „Tom Sawyer“ zu sprechen. Die von Regisseurin Herminge Huntgeburth stimmungs-voll in Szene gesetzte Romanverfilmung, die am 17. November in die Kinos kommt, ist große Familienunterhaltung: Nah am Buch, sacht entstaubt, aber nicht modernisiert um jeden Preis. Für die bis heute faszinierende Geschichte um Freundschaft und Freiheit, Mut und Moral hat sich zudem die erste Garde der deutschen Schauspielzunft eingefunden, von Benno Fürmann bis Joachim Król. Und Heike Makatsch spielt die Tante Polly. So jung und schön sah man sie noch nie.

Die Geschichte vom Tom Saw­yer und Huck Finn spielt im 19. Jahrhundert. Was hat euch darangefallen?

Leon: Das Freisein! Man konnte alles Mögliche machen: Angeln, in der Tonne rauchen, Floß fahren, schwimmen gehen, das war super.

Erlebt man heute keine echten Abenteuer mehr?

Leon: Nicht so wirklich. Man wird ja auch immer von der Polizei aufgehalten.

Aber wenn man Filme dreht: Ist das nicht mindestens so ein großes Abenteuer wie bei Huck Finn und Tom Sawyer?

Louis: Man kann das schon vergleichen. Aber die Freiheit ist doch eingeschränkt, weil es ja viele Regeln gibt am Set. Aber natürlich ist das was ganz Besonderes.

Ihr habt wochenlang in Rumänien gedreht. Wie klappt das mit der Schule?

Louis: Wir haben von der Produktion einen Lehrer bekommen, zumindest für die Hauptfächer. Im Normalfall haben wir fünf, sechs Stunden gedreht, dann gab’s zwei, drei Stunden Unterricht und abends noch eine halbe bis dreiviertel Stunden Textlernen für den nächsten Tag. Da bleibt nicht mehr so viel Freizeit.

Ihr seid aus Hunderten von Bewerbern gecastet worden, wie funktioniert das?

Louis: Leon und ich stehen beide in der Kartei einer Kölner Schauspielagentur für Kinder und Jugendliche. Über deren Empfehlung wurden wir zum ersten Casting eigeladen. Das ging dann über mehrere Runden und irgendwann hatten wir die Rolle.

Wie bei „Deutschland sucht den Superstar?“

Louis: Ja genau! Nur ohne Publikum.

"Schauspieler ist ein Super-Job"

Wollt ihr später als Schauspieler arbeiten?

Leon: Unbedingt! Das ist ein Super-Job. Man reist herum, man lernt die Welt kennen. Man erlebt halt immer neue Abenteuer.

Wenn ihr jetzt als Lausbuben vor der Kamera steht: Müsst Ihr euch in die Figur reindenken oder kann man sein wie man ist?

Makatsch: Die Situation, die man da spielt, ist ja nie die eigene. Man ist immer in einer fremden Situation. Ob die Geschichte nun vor 100 Jahren spielt oder heute, ob die Figur einem ähnelt oder nicht -- man muss immer in etwas Fremdes steigen und es dann mit denen eigenen Erfahrungen bestücken.

Kann Tom Sawyer im Kino Harry Potter schlagen?

Louis: Die beiden kann man eigentlich nicht vergleichen, die haben ein ganz anderes Publikum. Potter ist ab 12, Saw­yer ab sechs. Die 15- bis 18-Jährigen spricht Potter vielleicht eher an, weil da mehr Action drin ist. Ich denke, das perfekte Alter für Tom Sawyer ist so zwischen acht und dreizehn.

Wissen Sie noch, wann Sie Tom Sawyer gelesen haben?

Makatsch: Ich hab’s als Kind gar nicht gelesen, ich hab’s damals als Cassette gehabt. Ich war noch ziemlich jung und fand die Friedhofsszene ziemlich furchteinflößend.

"Die Geschichte ist total lebensnah"

In „Tom Sawyer“ gibt es keine Roboter, keine Vampire, keine fliegenden Besen. Kann man Kindern mit so einer Geschichte überhaupt noch kommen?

Louis: Aber die Geschichte ist total lebensnah.

Makatsch: Und die Eltern freuen sich, denn in diesen Film können sie wirklich mit gutem Gewissen gehen. Das ist ja nicht nur eine Literaturverfilmung. Das ist eine Geschichte voller Parabeln, voller Moral, und sie stellt die richtigen Lebensfragen. Es ist Unterhaltung und hinterher kann man darüber auch noch mit seinen Kindern philosophieren.

Das hat ja auch was Romantisches! Da bewegen wir uns in diesen durchtechnisierten Welten und überlegen als Eltern ständig: Wie viel Medienkonsum ist für unsere Kinder gut? Und dann kommt so ein Film mit null Technik.

Makatsch: In dem nur Strohhalme gekaut werden.

Und Warzen entfernt werden.

Makatsch: Wo die ganzen Wunder aus den Menschen selbst kommen, aus dem Geist und ihrem Witz.

Haben Sie sich deshalb nach längerer Drehpause wieder fürs Kino entschieden?

Makatsch: Es gab tausend Gründe. Die großartigen Kollegen, die Regisseurin. Aber in erster Linie habe ich mich gefreut, Mark Twain an die Kids zu bringen.

Dabei haben wir uns Tante Polly im Buch immer ganz anders vorgestellt, alt und gütig. Sie sind jung, schön und kämpferisch.

Makatsch: Ich war absolut darauf vorbereitet, die Polly einsam, streng und gütig darzustellen. Aber Hermine Huntgeburth, die Regisseurin, war da anderer Ansicht. Die wollte sie kämpferisch, fast schon emanzipiert, alleinerziehend. Das äußerte sich dann schon in der Frisurenfrage. Die Regisseurin wollte sie locker hingeknüddelt, ich wollte sie streng geflochten. Wir haben uns in der Mitte getroffen, aber zu guter Letzt ist es wohl Hermines Polly geworden.

Was ist an Mark Twains Geschichte zeitlos

Makatsch: Die Erkenntnis, dass das ganze Leben eine Gratwanderung ist zwischen dem Wunsch nach Freiheit und dem Zwang der Verantwortung. Da sind Jungs an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die lernen müssen, dass Freiheit ohne Verantwortung bedeutet: Man hat nichts zu verlieren. Und wie traurig ist denn das?

Es geht ja auch um Heldentum, darum, sich für etwas einzusetzen - und dadurch berühmt zu werden. Seid Ihr auf den Promi-Rummel vorbereitet?

Louis: Ans Prominentsein denken wird gar nicht. Als ich zum Beispiel gelesen hab, das Heike Makatsch bei „Tom Sawyer“ mitspielt mit, da hatte ich natürlich totalen Respekt. Unglaublich! Ich hab mir zuerst mal die DVD von „Hilde“ ausgeliehen. Aber als ich Heike dann kennen gelernt habe, da hab ich sie gar nicht mehr als Star wahrgenommen.

„Hilde“ war nicht unbedingt ein Gute-Laune-Film. „Tom Sawyer“ steht für KinoSpaß. Was machen Sie lieber?

Makatsch: Ich mag’s ja gerne dramatisch. Wenn mir jemand sagt, er hat in „Hilde“ geweint, dann ist das für mich das größte Kompliment. Aber ich sollte das mal überdenken. Eigentlich steht mal eine Komödie an.

Tom und Huck finden am Ende einen Schatz. Was würdet ihr heute mit einem Schatz anfangen?

Louis: Ich würde mir ein Haus in Süditalien kaufen, mit Pool und Palmen.

Makatsch: Hey, das ist meine Antwort.

Leon: Und vielleicht einen alten VW-Bus. Also irgendwas, was man sich leisten kann, keinen Bugatti oder so.

Wir fragen dann 2012 noch mal nach, wenn mit „Huck Finn“ der zweite Teil der Twain-Verfilmung ins Kino kommt. Bis dahin viel Erfolg.

 
 

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