„Hedda Gabler“ mit wenig Ibsen in Oberhausen

Nina Hagen, Francoise Hardy, Gollum - bloß kaum Ibsen. Die neue „Hedda Gabler“ am Theater Oberhausen „verheddat“ sich in pseudokünstlerischem Kokolores. Schlimm.

Oberhausen. Willkommen bei Ohnsorgs: Ein Schlaks in Frauenkleidern – Thieß Brammer als Dienstmädchen Berte – quatscht aufs Publikum ein, pafft wie ein Schlot. Erzählt flaue Witzchen, räsoniert über Tolkiens Gollum, merkt, dass er sich „verheddat“ hat“, hakt Ibsens Ausstattungsanweisungen („ham wa nich“) ab und stellt, ehe er die Protagonisten einführt und Rauchalarm auslöst, eine Frage, die unbeantwortet bleiben wird: „Warum machen wir so’n Klassiker, wenn wir nicht ein einziges Mal machen, was da drin steht?“

So machen es sich Berte und Juliane Tesmann (Elisabeth Koop) auf dem Sofa bequem. Thema: Hochzeitsreise und Rückkehr von Jörgen Tesmann (Klaus Zwick) und Ehefrau Hedda, geborene Gabler. Vom Wörterorkan versteht man so gut wie nichts – und verliert schnell das Interesse. Klar ist, dass Juliane explizit auf Arbeit und Ambitionen ihres Neffen zielt, wenn sie über „diese ganze Kunstscheiße“ herzieht.

Dann taucht Hedda auf, und für einen Moment rückt Ibsen näher. Gezwängt in ein Meerjungfrau-Kostüm quält, windet sich Lise Wolle über den Bühnenboden, wie ein Fisch an Land. Ein knallbuntes Bild, das Regisseurin Lena Kitsopoulou gewählt hat; doch lässt sich durchaus Ibsens junge Frau erkennen, die sich in der Geistesgruft ihrer Gesellschaft nicht wohl fühlt.

Gleichwohl nehmen die ersten Zuschauer diese Szene zum Anlass, den Saal zu verlassen. Was sie versäumen, hat nicht viel mit Ibsen, umso mehr mit den Ideen und Eingriffen der Regisseurin zu tun. In großem Opern-Gestus ergehen sich Hedda und Frau Elvsted (Laura Angelina Palacios) über Ehe und Ejlert (Lövberg). Françoise Hardys Schlager „Träume“ erklingt, Sylvia Plaths Gedicht „Daddy“ wird aufgesagt, Jürgen Sarkiss (Lövberg) sinniert in Bryan-Ferry-Manier über „Style“ als „answer to everything“. Hedda legt einen Auftritt à la Nina Hagen hin…

Angesichts der Nationalität der Regisseurin gibt dieser Ibsen dem Begriff „griechische Tragödie“ eine völlig neue Bedeutung.

Termine: 26. 2.; 9., 11. und 19. 3. (19.30 Uhr). Tel. 0208 - 85 78 184

 
 

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