Hans Martin schlägt den angeschlagenen Raab

Foto: obs

Köln. So dramatisch wie am Samstagabend ging es bei „Schlag den Raab“ schon lange nicht mehr zu: Kandidat Hans Martin Wismar zockte zwei Millionen Euro ab; Moderator Stefan Raab überschlug sich mit dem Mountainbike und lag mehrere Minuten lang bewusstlos im Staub.

Zwei Millionen Euro! Um kurz vor eins reckte Raab-Herausforderer Hans Martin die Fäuste in die Luft, starrte ungläubig in die Kamera. Irgendwie konnte der Unfallchirurg aus Ostdeutschland es wohl selbst noch nicht glauben, dass er bei „Schlag den Raab“ abgesahnt hatte.

Tatsächlich setzte sich der sympathische ProSieben-Kandidat aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) wohl auch deswegen gegen den „Raabinator“ durch, weil dieser sich beim Mountainbike-Rennen böse auf die Nase gelegt hatte und deswegen nicht zur gewohnten Hochform auflaufen konnte: In Runde zwei war der Übermoderator an einem Hindernis über den Lenker seines High-Tech-Rads geschossen, unsanft mit dem Kopf voran im Schotter gelandet und zum Schrecken der Fernsehzuschauer benommen liegen geblieben.

Schwerer Sturz - Konfuser Raab

Raab, der sich unter anderem als furchtloser Wok-Fahrer einen Namen gemacht hat, wurde sofort ärztlich behandelt. Er rappelte sich aber erst nach mehreren Minuten wieder auf – mit deutlichen Blessuren im Gesicht und ganz offensichtlich verwirrt. An seinen Unfall konnte sich der 43-Jährige nicht mehr erinnern, er klagte über Kopfschmerzen und redete konfus.

Untrügliche Zeichen einer Gehirnerschütterung? Moderator Matthias Opdenhövel verabschiedete sich jedenfalls hastig in die Werbepause, in der Raab nochmals einem Arzt vorgeführt wurde. Der entschied offenbar, dass es weitergehen könne. Reine Spekulation, ob ProSieben auf die Schnelle kein werbeträchtiges Alternativprogramm auf Taste liegen hatte, oder ob Stefan Raab selbst weiterkämpfen wollte. Zuzutrauen wäre es ihm. Schließlich ist Raab dafür bekannt, dass er fast krankhaft ehrgeizig ist und nicht zimperlich mit sich umgeht. Trotzdem: Auf die Frage, ob es nun wieder besser sei, antwortete Raab nach seinem Unfall in ungewohnt kleinlautem Ton: „Geht so.“

Sympathischer Gewinner

Das nächste Spiel – Holzkisten mit einem Gabelstapler auftürmen – konnte der selbst ernannte „Superheld von ProSieben“ dennoch für sich entscheiden. In der nächsten Runde (Hochsprung) musste er allerdings aussetzen. Das hatte der verantwortliche Arzt entschieden. Zehn Punkte gingen somit sang- und klanglos an Herausforderer Hans Martin, der Raabs verlangsamte Reaktion auch in den folgenden Wissensspielen auszunutzen wusste. In der 14. Runde sicherte Hans Martin sich den Gesamtsieg.

Der Mecklenburger tritt damit in die Fußstapfen seines Namensvetters, der Raab im September letzten Jahres ebenfalls besiegen konnte. Er hatte 500.000 Euro mit nach Hause genommen. Allerdings machte der sympathische Chirurg Hans Martin (ohne Bindestrich) dabei eine deutlich bessere Figur als der arrogante Besserwisser Hans-Martin (mit Bindestrich), der die Zuschauer vor rund sechs Monaten mit seinem affigen Getue genervt hatte.

Peinliche Werbepausen

Es nervten indes „nur“ die (zu) zahlreichen Werbepausen und Einspieler, die die Show unnötig in die Länge zogen und an Dämlichkeit nicht zu überbieten waren. Den ProSieben-Machern war selbst die an die Zuschauer gerichtete Preisfrage „Was kann man bei Schlag den Raab gewinnen?“ (Antwort A: „Zwei Millionen Euro“, Antwort B: „Damast-Tischwäsche“) nicht peinlich. Immerhin – in den Werbepausen konnte man sich in die großen Samstagabend-Shows der anderen TV-Kanäle zappen. Dort lobte Dieter Bohlen bei Deutschland sucht den Superstar (RTL) Sänger Menowin über den Klee, während Lena Meyer-Landrut bei Verstehen Sie Spaß (ARD) über den Grand Prix plauderte.

Nichts Besonderes also. Insgesamt war es deswegen sicher die richtige Entscheidung, Samstagabend Stefan Raab treu zu bleiben. Als Herausforderer Hans Martin um kurz vor eins die Faust in die Luft reckte, ging jedenfalls ein denkwürdiger Fernseh-Abend zu Ende, der sicher noch für Diskussionen sorgen wird.

 
 

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