Gründgens, das Glühwürmchen

Düsseldorf..  Klaus Mann hat es oft betont: Symbolische Typen wollte er zeigen, keine Porträts. Hier aber dreht sich alles um den einen, der mehr ist als Symbol und Typus: Hendrik Höfgen alias Gustaf Gründgens, Schauspieler, Künstler, Freigeist, Günstling der Macht. Ein Mann will nach oben, er paktiert, wird intellektueller Handlanger des Bösen. In einer Bühnenfassung des Regisseurs Thomas Schulte-Michels ist „Mephisto“ jetzt in Düsseldorf zu sehen, wo Gründgens in den 50er-Jahren als Schauspiel-Intendant wirkte. Ein unterhaltsames Bühnen-Bio-Pic, das erinnert und um Verständnis wirbt für den Menschen Gründgens, verkörpert vom sympathischen Moritz Führmann.

Die Geschichte, die Thomas Schulte-Michels erzählt, spielt auf der Hinterbühne. Schminktische mit Lämpchen im Halbkreis, dann und wann öffnet sich der Vorhang, wir sehen Künstler von hinten, wie sie sich verneigen. Applaus brandet auf. Ein idealer Bilderrahmen für das Leben des Hendrik Höfgen, das nur im Theater stattfindet, egal wer da draußen regiert. Hier erleben wir seine Lebensstationen im Schnelldurchlauf, vom Schauspieler zum Intendanten, vom Hamburger Künstlertheater bis nach Berlin, Zentrum der NS-Diktatur.

Das Ensemble ist die ganze Zeit auf der Bühne, jeder in mehreren Rollen: Andreas Weissert ist Theaterleiter Kroge, Geheimrat Bruckner, Professor und Cäsar von Muck. Hanna Werth ist Barbara Bruckner und Hedda von Herzfeld, Louisa Stroux ist Dora Martin und Lotte Lindenthal, Sven Walser Hans Miklas, Dr. Ihrig und der Schüler. Obendrein sind alle Erzähler, die als Conférenciers durch den Abend führen.

Goethe-Kopf mit kirschrotem Mund

Da ist es gut, dass Moritz Führmann ausschließlich Höfgen sein darf. Andere Inszenierungen haben auch ihn einer Persönlichkeitsspaltung unterzogen. Hier aber ist er Mensch, also – Künstler-Mensch, ein Wendehals, der im Dienst der Muse mit den Wölfen heult. Anfangs zeigt Höfgen wenig Talent, am Ende deklamiert er als Mephisto auf einem riesigen Goethe-Kopf, der mit kirschrotem Mund den Faust-Part spricht. Top, die Wette gilt.

Führmann lässt Facetten blitzen. Er ist scheu und großspurig; einer, der den Macker gibt, sich aber von Juliette, der schwarzen Venus (mit Verve: Maya Alban-Zapata), sadomasotechnisch verhauen lässt. Einer, der gegen die Faschisten schimpft und den Apparat der Diktatur nutzt. Ein Oppositioneller, ein Ignorant, aber auch ein Freund für Otto Ulrich (Dirk Ossig, auch als Theophil Marder und Conférencier), den Verbündeten aus alten Bolschewisten-Tagen. Geheimrat Bruckner nennt Höfgen „ein Glühwürmchen: tagsüber unauffällig, nachts unwiderstehlich.“

Rund hundert Minuten dauert die One-Man-Show, ein Führmann-Abend mit Blingbling, kurzweilig, eindimensional, bekömmlich. Trotzdem oder deshalb: Bravos für den Hauptdarsteller, den Regisseur und die übrigen, die mitgespielt haben.

 
 

EURE FAVORITEN

So schützt du deinen Hund vor der Sommerhitze

Heiße Sommer-Temperaturen sind für deinen Hund gefährlich. Deshalb solltest du diese Regeln beachten.
Di, 03.07.2018, 18.50 Uhr

Heiße Sommer-Temperaturen sind für deinen Hund gefährlich. Deshalb solltest du diese Regeln beachten.

Beschreibung anzeigen