Großer Baumeister und Teamspieler

Essen..  Den Papieren nach war Werner Ruhnau Diplom-Ingenieur. Den steinernen, gläsernen, Platz und Raum greifenden Zeugnissen seiner Tätigkeit nach war er Architekt. Aber im tiefsten Inneren war Werner Ruhnau Zeit seines schaffenden Lebens ein Künstler, für den kaum etwas wichtiger war als das Spiel – jenes Spiel, von dem schon Schiller sagte, dass nur in ihm der Mensch ganz Mensch sei.

Und am liebsten spielte Werner Ruhnau, der in seinem Studium drei Technische Hochschulen absolviert hatte, mit anderen zusammen, im Team. 1953 gründete der 1922 in Königsberg geborene Architekt zusammen mit seinen Kollegen Harald Deilmann, Ortwin Rave und Max von Hausen das Architektenteam im Baubüro der Landwirtschaftskammer Münster – die Idee der mittelalterlichen Bauhütte, von der Ruhnau so fasziniert war, gab das Vorbild für diese Arbeitsgemeinschaft ab. Als erstes Meisterstück entwarf das Quartett innerhalb von vier Jahren den Neubau des Stadttheaters von Münster, in den eine Ruinenwand des Vorgängerbaus integriert wurde. Schon damals bezogen die Baumeister den Bildhauer Norbert Kricke mit ein, der eine „Raum-Zeit-Plastik“ für den Eingang schuf.

Bauhaus-Manier und Osthaus-Ideen

Auch sein Meisterwerk baute Ruhnau gemeinsam mit anderen: Entworfen hatte er es noch mit seinem Büro in Münster, doch in die Tat umgesetzt wurde der wohl schönste Entwurf in Bauhaus-Manier mit seiner transparenten Fassade mit den Künstlern Yves Klein, Paul Adams, Paul Dierkes, Norbert Kricke und Jean Tinguely, die gemeinsam auf der Baustelle wohnten und so manche ihrer Ideen vor Ort entwickelten. Yves Kleins Blau dominiert das Foyer, das durch seine gläserne Fassade auch von der Straße aus zu sehen ist. Für Ruhnau wurde es zu einem Lebenswerk, bis zuletzt erklärte der Mann, dem das gestrickte Käppchen auf dem durchsetzungsfähigen Haupt festgewachsen zu sein schien, auf Führungen durch das Gebäude seine Bauprinzipien und die Ideen dahinter.

Der mit dem Verdienstkreuz erster Klasse dekorierte Werner Ruhnau, der zeitweise auch Landesvorsitzender des Werkbunds in NRW war, hat sich zeitlebens an den Ideen des Folkwang-Gründers Karl Ernst Osthaus orientiert und abgearbeitet. Er hat sie in die Tat umgesetzt und weiterentwickelt, genau wie die Vorstellung von Hugo Kükelhaus, dessen vielfältiges „Erfahrungsfeld der Sinne“ exakt Ruhnaus Vorstellungen vom spielenden Menschen als Ausschöpfung seines Potenzials entsprach. Nicht zuletzt deshalb entstand zu den Olympischen Spielen 1972 in München auch die „Spielstraße“ mit vielen kleinen Bühnen rund um den Olympiasee, auf denen Künstler wie Alexis Korner, Sammy Molcho, Ben Vautier, Anatol Herzfeld, Timm Ulrichs und der Zirkus von Jérôme Savary zu erleben waren.

Ruhnau, der unter anderem auch von 1986 bis 1990 das Essener Grillo-Theater umgebaut hat, hinterließ seine Spuren an vielen Orten des Ruhrgebiets. Für den Fleischproduzenten Herta entwarf er in Herten ebenso eine Firmenzentrale wie für die Flachglas AG in Gelsenkirchen.

Beigesetzt wird Werner Ruhnau, so hatte er es zu Lebzeiten längst verfügt, in der Kasseler Künstler-Nekropole. Sein Grabmal aus Beton, Holz und Zinkblech hat er bereits vor 20 Jahren errichtet. Sein Name klingt wie eine Hoffnung auf eine Nachspielzeit: „Spielraum“.

 
 

EURE FAVORITEN