Grönemeyers "Der kleine Medicus" feiert Premiere

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Hamburg. Vorsorge ist besser als Heilen. Das gilt bereits für Kinder. Wer wüsste das besser als Prof. Dietrich Grönemeyer? Dem Revierbürger gelang mit dem Buch “Der kleine Medicus” ein Bestseller. Jetzt verwertet der Mediziner seinen Stoff als Musical. In Hamburg hat es Premiere gefeiert.

Leser von Grönemeyers Buch “Der kleine Medicus” finden sich schnell in die Rahmenhandlung ein: Professor Schlotter - Alexander Donesch gibt als Düsterling in schwarzem Langmantel eine transsylvanische Version des schurkischen Gelehrten - strebt nach der Weltherrschaft. Sein Mini-Roboter Gobbot soll ihm dabei helfen, die Gedanken der Menschen zu kontrollieren. Als erstes Opfer ist der ebenso brummige wie tüdelige Erwin (Robert Weixler), Opa von Nano (Tim Müller). Der junge Held und seine Freundin Micro (Melanie Bayer) wollen ihn retten. Dr. X (Reinhard Brussmann), einst Schüler des durchgeknallten Professors, hilft ihm dabei. Er hat nämlich ein Mini-U-Boot entwickelt. Damit jagen Nano und Micro den Roboter in Opas Körper, bevor er den bösen Plan von Schlotter erfüllen kann.

Gut gemeint belehrende Texte unterbrechen den Spannungsboden

Poppiges Liedgut, mit dem Reinhard Horn und Daniel Arruda bewährte Stilrichtungen solide abarbeiten, und flotte Tanzeinlagen in buntem Dress verwandeln das Grusical in ein hübsches Musical. Sie zaubern den Kindern ein Lächeln ins Gesicht. Richtiges Leben in den längst nicht ausverkauften kleinen Saal des CCH kommt aber immer erst dann, wenn Malte Arkona als Moderator „Y“ die Bühne betritt. Er weiß aus dem „Tigerentenclub“ der ARD, wie er die Herzen eines jungen Publikums erobern kann.

Nicht immer folgen die Kleinen dem Spektakel von Grönemeyer und seinem Co-Texter Hans-Jürgen Netz mit derart großer Begeisterung. Das liegt zum Teil an der Länge. Insgesamt zweieinhalb Stunden reine Spielzeit überfordern Vorschul- und Grundschulkinder. Nach der Pause kommt mehr als einmal Gemurmel beim jungen Publikum auf.

Und da ist noch eine Sache: Die zweifellos gut gemeinten belehrenden Texte unterbrechen immer wieder den Spannungsbogen der Handlung, um den sich Regisseur Olaf Paschner redlich bemüht. Und nicht alle im Saal verstehen die

Blutbahn im Retro-Stil

Zuweilen mit Details gespickten Erklärungen der Wunderwelt des Körpers. Selbst Zwölfjährige geben in der Pause zu, dass sie nicht wissen, was Kohlenhydrate sind - das, was Brot, Nudeln und Reis nahrhaft macht. Daran können weder die digitalen Einspieler aus Verdauuungstrakt und Blutbahn im schlichten Retro-Stil der frühen 90er etwas ändern, noch ein mehrminütiger Auftritt von Grönemeyer selbst.

Kein Wunder, dass der Applaus über weite Strecke kaum mehr als artig bleibt. Der Jubel zum Schluss gilt vor allem einem frisch aufspielenden Ensemble.

In NRW gastiert das - wie es Grönemeyer selbst nennt - „Meditainment“ erst in einigen Wochen: in Bochums Jahrhunderthalle am 19. Dezember und im Duisburger Theater am Marientor erst am 30. Januar kommenden Jahres, jeweils mit Vorstellungen um 14 und 17.30 Uhr.

Bis dahin bleibt Grönemeyer Zeit, seine Medizin-Show einer unvoreingenommenen Diagnose zu unterziehen. Er wird seine Chance sicher nutzen.

 
 

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